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OB-Wahl 2026 – Kandidat Dr. Wolfgang Gruber (DU)
Die Kommunalwahl am 8. März 2025 rückt näher. In unserer Interviewreihe mit den Bayreuther Kandidatinnen und Kandidaten für das Amt des Stadtoberhauptes stellen wir alle Personen vor, die sich um das Amt bewerben. Das ist Wolfgang Gruber. Im Interview spricht er über seine Vision für Bayreuth als lebenswerte Heimat, die Notwendigkeit einer effizienteren Stadtverwaltung und seine Pläne, durch klare Priorisierungen – insbesondere in der Bildung und Infrastruktur – den drohenden Finanzkollaps der Stadt abzuwenden.
1. Warum Bayreuth? Was ist hier besser als anderswo?
Bayreuth ist für mich Heimat. Es liegt eingebettet in wunderschöner Landschaft. Als Stadt ist Bayreuth reich an Kultur und Sport, bietet ein breites Bildungsangebot. Es ist groß genug, um nicht langweilig zu werden und klein genug, um nicht von der Anonymität einer Großstadt erfasst zu werden. Bayreuth ist ein sicherer Hafen, in dem meine fünf Kinder behütet aufwachsen konnten.
2. Welche Erfahrungen in Ihrem Leben haben Sie am stärksten geprägt – und was haben Sie daraus gelernt?
Die Prägung einer Persönlichkeit hat viele Facetten. Am stärksten hat mich sicher mein Beruf als Unfallchirurg geprägt. Der tägliche Kontakt mit Menschen unterschiedlichster Herkunft und sozialem Hintergrund – oft in schwierigen Lebenssituationen – gibt tiefen Einblick in die Gesellschaft. Ein guter Arzt muss lernen, mit allen Menschen, dem Professor und dem Obdachlosen, eine gute Vertrauensbasis zu finden. Daraus erwächst auch die Erkenntnis, wie wichtig gesellschaftlicher Zusammenhalt, gerade auch in einer Stadtgemeinschaft ist.
Als ehemaliger Leistungssportler (Handball) habe ich gelernt, dass gute Ergebnisse selten vom Himmel fallen, sondern meistens durch hartes Training erarbeitet werden müssen. Leistungsbereitschaft, Durchhaltevermögen und auch der Mut Aufgaben anzugehen sind Grundtugenden im Sport. Daraus ist für mich eine unternehmerische Fähigkeit erwachsen, die mir den Mut gegeben haben, eine der größten chirurgisch-orthopädischen Praxen in Bayern aufzubauen.
3. Sollten Sie gewählt werden – was machen Sie im Rathaus als erstes?
Das Bild, ein neuer OB könne das Rathaus betreten und durch Anweisung in absolutistischer Art die Stadt sofort verändern, gefällt mir überhaupt nicht und ist unrealistisch. Als OB ist die erste Aufgabe, das Team zu bilden, mit dem die klar formulierten Ziele der nächsten Jahre – unsere Stadtvision – erreicht werden sollen. Es gilt Vertrauen in der Verwaltung für die notwendigen Reformen zu gewinnen, um effizienter zu werden. Wir brauchen Unterstützung aus dem Stadtrat und von den vielen LeistungsträgerInnen unserer Stadt, die tagtäglich zum Gemeinwohl beitragen. Also erste Maßnahme: Teambuilding!
4. Was soll in Bayreuth bleiben wie es ist? Was soll sich ändern?
Bayreuth ist eine lebenswerte Stadt mit reichhaltigem kulturellen, sportlichen Angeboten und Bildungsmöglichkeiten. Damit das so bleiben kann, muss die Stadtpolitik aufhören, sich wegzuducken, zu vertagen oder zu delegieren. Schluss mit einem “Das war schon immer so!”. Wie leiden unter destruktiven Denkmustern und haben keine klare Vision für die Zukunft der Stadt. Bayreuth soll weiter wachsen, weil die Stadt für Familien, Arbeit, Kultur und neue Bürger attraktiv ist. Nur mit einer steigenden Bevölkerungszahl kann Bayreuth Infrastruktur finanzieren, Bildung, Kultur und Sport auf hohem Niveau sichern, als Wirtschaftsstandort attraktiv bleiben und soziale Angebote für seine Einwohner schaffen. Nur dann bleibt Bayreuth politisch handlungsfähig. Die Stadtverwaltung ist Schlüsselakteur der Stadtentwicklung und muss sich als “Ermöglicher” in ihrer Handlungsrolle begreifen.
5. Viele Bayreuther klagen über hohe Mieten und fehlenden Wohnraum: Was ist Ihr konkreter Plan für bezahlbares Wohnen in der Stadt in den nächsten sechs Jahren?
Die Stadt kann nicht selbst bauen, aber sie kann versuchen, die Rahmenbedingungen dafür zu verbessern. In erster Linie bedeutet das Ermöglichen, Begleiten und Fördern. Es braucht Bauraum, ideologiefreie Vorgaben sowie schnelle unterstützende Verwaltungsverfahren. Stadtentwicklungsmaßnahmen können entscheidenden Einfluss auf das Mietpreisniveau haben. Teure Wohnraumsanierungen, die Bildung von “Super Block” Quartieren wie im Mobilitätskonzept der Stadt vorgesehen, verteuern die Wohnlage. Das ist beobachtbare Realität in Innenstädten andernorts und wird das Mietniveau weiter verschärfen.
6. Prestige-/Großprojekte kontra soziale Projekte: Was ist wichtiger oder warum ist beides wichtig?
Die Stadt Bayreuth versiebenfacht Ihre Schulden in den nächsten 3 Jahren auf einen Rekordschuldenstand und wird vermutlich erstmalig in diesem Jahr einen “negativen” Haushalt verabschieden, sie steht kurz vor der Finanzaufsicht. Ursächlich ist eine völlig falsche Priorisierung von Bauvorhaben, die auf Wunschplanungen beruhten, die dann unter mangelnder fachlicher Aufsicht in den Kosten völlig entglitten sind und der Stadt auf Jahre jeglichen Handlungsspielraum nehmen. Und selbst in dieser Situation führen einige Stadträte noch die Diskussion um einen millionen-teuren Rückbau von intakten Verkehrswegen und priorisieren diese Maßnahme vor schimmelnden Klassenzimmern.
Es braucht klare Priorisierungen, die sich an Fakten, Machbarkeit und Wirkung und nicht an Wunschdenken und persönlichen Eitelkeiten orientieren. Für “Die Unabhängigen e.V.” steht die Bildungsinfrastruktur an Kindergärten und Schulen an erster Stelle. Wir wollen Wachstum für unsere Stadt durch mehr Attraktivität für Familien und Unternehmen.
7. Verkehr ist eines der Dauerthemen in Bayreuth: Wie stellen Sie sich eine faire Aufteilung des Straßenraums zwischen Auto, ÖPNV, Rad- und Fußverkehr vor?
Städtische Verkehrskonzepte können nur dann erfolgreich sein, wenn sie bei den Bürgern Akzeptanz finden. Sie müssen deren tatsächliche Lebensbedürfnisse berücksichtigen, das Gefühl von Gleichberechtigung und Sicherheit vermitteln und auch für alle zugänglich sein. Die Stadt Bayreuth verfügt über ein Mobilitätskonzept, welches in den Grundzügen zu befürworten ist. Der Ausbau des ÖPNV ist der wichtigste Schritt, kommt aber nicht so richtig in die Gänge. Busfahren ist in Bayreuth mit eingeschränkter Mobilität verbunden und immer noch teuer. Eine 15-jährige Schülerin ohne Busberechtigungsausweis löst in Bayreuth das Einzelticket immer noch für 2,50 Euro von Meyernberg zum RWG. Der zweite Schwerpunkt ist ein ausreichendes Radwegenetz. Aber wir sollten nicht vergessen, dass Radfahren schon eine saisonale Möglichkeit und in einer demographisch immer älteren Bevölkerung auch nicht für jeden möglich ist. Im Winter ist Radfahren per se gefährlicher, als die oft beschworenen allgemeinen Risiken im Straßenverkehr. Das Auto wird seinen Stellenwert und seine Notwendigkeit für das Leben unserer Bürger behalten. Lieferverkehr wird weiter Waren in die Stadt bringen müssen. Aber wir können dafür sorgen, dass man das Auto auf P&R Parkplätzen am Rande der Stadt abstellen kann, dass emissionsfreies Fahren durch Lade-Infrastruktur möglich wird und wir können Individualverkehr in Wohngebieten beschränken. Städtische Verkehrskonzepte funktionieren durch Akzeptanz und nicht durch Bevormundung.
8. Leerstände sind ärgerlich in der Innenstadt. Welche Nutzung wünschen sie sich dort?
Innenstädte verwandeln sich allerorts immer mehr in Wohn- und Lebensraum. Entsprechende Sanierungen von leerstehenden Gebäuden sollte die Stadt fördern. Häufig entsteht in den verkehrsberuhigten Zonen aber eher teuerer Wohnraum. Über die Wirtschaftsförderung der Stadt braucht es Konzepte, wie der innerstädtische Einzelhandel gefördert werden kann. Wir müssen den Einzelhändlern helfen, nicht mehr nur alleine, sondern in einem städtisch betreuten Netzwerk für Standort-Attraktivität zu sorgen. Die kulturelle Belebung der Innenstadt, die Ausweitung des touristischen Angebots, hochwertige Veranstaltungen aber auch ein qualitativ verbesserter Weihnachtsmarkt können dem Einzelhandel helfen.
9. Viele Menschen wünschen sich mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung im Rathaus: Können Sie das nachvollziehen und wie kann man diesem Wunsch gerecht werden?
Politik ist eine Führungsaufgabe, bei der es nach Abwägung von Interessen und Möglichkeiten gilt, am Ende klare Entscheidungen zu treffen. Dazu gehört selbstverständlich auch eine Bürgerbeteiligung mit Verantwortung. Bürgerbeteiligung bedeutet für mich zuhören und erklären, vorhandene Kompetenzen und Ressourcen in der Stadt einbeziehen und nutzen. Sie kann Entscheidungen stärken, ersetzt sie aber nicht. Kommunales Gestalten heißt am Ende: “Entscheiden statt zu vertagen!”. Wir dürfen demokratisch gewählte Institutionen wie Parlamente oder Gemeinderäte nicht dadurch in der Entscheidungsfähigkeit lähmen, in dem wir noch für jede Entscheidung zusätzlich einen Beirat, eine Arbeitsgruppe oder eine Bürgerbefragung fordern. Im Stadtrat erlebe ich oft sehr subjektive Interpretationen der einzelnen Parteien, was nun die Bürger*Innen wollen oder nicht. Oft ist dabei der Blick nur auf die Lautstärke der betreffenden Bürgergruppe gerichtet.
10. Was sind drei ganz persönliche Dinge, die Bayreuth über Sie wissen sollte – abseits der Politik (z.B. Hobbys, Macken, Lieblingsorte in Bayreuth) – und was verraten diese über Ihren Charakter?
Über meinen Charakter sollten am besten meine Frau, meine Mitarbeiter und auch meine Kinder befragt werden. Mein Hobby ist tatsächlich mein Beruf als Unfallchirurg, den ich jeden Tag leben darf. Daneben ist der Sport unverzichtbarer Teil meines Alltags und es bleibt irgendwie noch Zeit, sich über Geschichte und Zeitgeschehen zu informieren. Naja, und meine größte Macke? Aufgaben reizen mich um so mehr, je mehr andere behaupten, sie seien nicht zu lösen! Das hat mich mal Schatzmeister im Tierheim und Vorstandsvorsitzender der SpVgg Bayreuth e.V. werden lassen!











