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Lkw brennt auf der A9 am Bindlacher Berg aus A9 bei Bayreuth: Diese Auffahrten sind am Mittwoch gesperrt  Zugverkehr nach Nürnberg läuft bald wieder

Zuletzt aktualisiert am 30. Januar 2026 | 09:15

Kommunalwahl

OB-Wahl 2026 – Kandidat Andreas Zippel

Katharina Müller-Sanke

Die Kommunalwahl am 8. März 2026 rückt näher. In unserer Interviewreihe mit den Bayreuther Kandidatinnen und Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters/der Oberbürgermeisterin stellen wir alle acht Personen vor, die sich um das Amt bewerben. Im Interview spricht Andreas Zippel über den Mut zur Veränderung, Hilfsbereitschaft und seine Liebe zu Bayreuth.

Andreas Zippel beim Redaktionsbesuch beim bt. ©Katharina Müller-Sanke
Andreas Zippel beim Redaktionsbesuch beim bt. ©Katharina Müller-Sanke

1. Warum Bayreuth? Was ist hier besser als anderswo?

Ich bin 2013 nach Bayreuth gekommen. Und unter uns: Damals ging ich davon aus, dass es mich nach dem Studium weiterzieht. Aber je besser ich die Stadt und ihre Menschen kennenlernte, desto stärker wuchsen sie mir ans Herz. Die rege Vereinslandschaft, die kurzen Wege, die schöne Natur im Umland – Bayreuth ist einfach groß genug, dass etwas geboten wird, und klein genug, um aus der Tür zu treten und jemanden Bekanntes zu treffen. Genau deshalb habe ich mir auch gedacht: Wenn ich hierbleibe, dann will ich nicht nur hier leben. Ich will Dinge bewegen und das Bayreuth von morgen mitgestalten. Das bin ich meiner Wahlheimat schuldig.

2. Welche Erfahrungen in Ihrem Leben haben Sie am stärksten geprägt – und was haben Sie daraus gelernt?

Meine erste Berührung mit Verantwortung für Andere war in der Schulzeit als Kollegstufensprecher, dann im Studium als Mitglied des Studierendenparlaments und als Fachschaftssprecher, später als Vertreter der Wissenschaftlichen Mitarbeiter in Kommissionen und bis heute in Vereinsvorständen. Jedes Mal habe ich dieselben Erfahrungen gemacht: Wenn man andere Menschen begeistert mitnimmt, packen so viele auch mit an. Wenn man Argumente statt plumper Emotionen nutzt, hören einem Menschen aufmerksam zu. Nur wenn man unterschiedliche Meinungen erkennt und benennt, kann man gute Kompromisse schließen. Aber auch: Einer muss die Verantwortung tragen. Das gilt im Ehrenamt, in der Familie, im Beruf und auch in der Politik.

3. Sollten Sie gewählt werden – was machen Sie im Rathaus als erstes?

Als erstes gilt es eine Bestandsaufnahme aller größeren Projekte zu machen und eine Taskforce aufzustellen, um die Organisationsstruktur und die Abläufe in der Verwaltung zu verbessern. Außerdem möchte ich mit dem Stadtrat und den Referatsleitungen in eine Klausurtagung gehen, um möglichst viele gemeinsame Ziele zu definieren.

4. Was soll in Bayreuth bleiben wie es ist? Was soll sich ändern?

Unsere Stadt hat z.B. eine hohe Anzahl von Ehrenamtlichen, einen guten Ruf als Sportstadt, ein Alleinstellungsmerkmal als weltbekannte Kulturstadt, eine breite Bildungslandschaft, eine exzellente Universität oder auch sehr gut gepflegte Parks und Grünanlagen. Das alles und noch viel mehr gilt es zu erhalten.
Gleichzeitig kratzt der fehlende Veränderungswille an unserer Substanz: Schulen und Kitas müssen saniert werden. Der öffentliche Raum muss fairer verteilt werden. Bezahlbare Wohnungen müssen entstehen. Eine digitale Verwaltung muss aufgebaut werden.
Kurzum: Bayreuth ist es wert, den Mut für Veränderungen zu haben.

5. Viele Bayreuther klagen über hohe Mieten und fehlenden Wohnraum: Was ist Ihr konkreter Plan für bezahlbares Wohnen in der Stadt in den nächsten sechs Jahren?

Der Fokus muss auf den Bau von bezahlbarem Geschosswohnbauten gelegt werden, um dem Bedarf an kostengünstigem (und barrierearmen) Wohnraum gerecht zu werden. Wir können als Stadt planerisch den Bau von höheren Wohngebäuden ermöglichen. Wir sollten es vermeiden, an den Stadtrandgebieten neue Wohngebiete auszuweisen.  Das schützt unsere wertvollen Grünflächen und verhindert Probleme mit der Anbindung an Kitas, Nahversorger und ÖPNV/Radwege. Stattdessen sollten wir uns auf Nachverdichtung im Stadtgebiet konzentrieren. Außerdem können wir prüfen, wie unsere städtische Wohnbaugesellschaft Gewog, die gemeinnützige Bayreuther
Wohnungsbaugenossenschaft GBW und der genossenschaftliche Bauverein Bayreuth noch stärker kooperieren können.

6. Prestige-/Großprojekte kontra soziale Projekte: Was ist wichtiger oder warum ist beides wichtig?

Die sozialen Projekte gehen natürlich vor. Die Entscheidung für diese Sanierung des Friedrichsforums war ein Fehler. Gleiches gilt für den Neubau des Stadtarchives, der Teilsanierung von Schloss Thiergarten für das Schreibmaschinenmuseum oder den Versuch, für ein NS-Doku-Zentrum weitere alte Bauten sanieren zu lassen. Ich habe diese Projekte abgelehnt; nicht weil ich sie inhaltlich schlecht finde, sondern weil wir bei begrenzten Ressourcen einfach andere Prioritäten setzen müssen.
Ich finde, zuerst müssen unsere Schulen und das Klinikum saniert, die Gewerbliche Berufsschule errichtet oder die städtischen Kita-Räume hergerichtet werden. Dann können wir uns den anderen

„Prestige-Projekten“ widmen, wenn man sie so nennen möchte.
Wobei zur Wahrheit natürlich auch dazu gehört: Wenn Projekte wie das Friedrichsforum oder das Stadtarchiv tatsächlich mal umgesetzt sind, sie dann auch vernünftig bespielt werden müssen. Das Friedrichsforum muss Kultur für alle Geschmäcker bieten, das Stadtarchiv mehr als nur ein Ort der Recherche werden.

7. Verkehr ist eines der Dauerthemen in Bayreuth: Wie stellen Sie sich eine faire Aufteilung des Straßenraums zwischen Auto, ÖPNV, Rad- und Fußverkehr vor?

Der Interessenkonflikt liegt ja auf der Hand: Als Oberzentrum pendeln täglich viele Menschen zum Arbeiten, für Freizeit und Einkaufen nach Bayreuth. (Teilweise) mangels Alternativen muss das Auto genutzt werden. Andererseits ist unsere Stadt sehr kompakt mit kurzen Wegen und eignet sich hervorragend für ÖPNV, zu Fuß gehen oder zum Fahrradfahren. Unsere Aufgabe ist eine faire Aufteilung, in der sich alle Verkehrsmittel gleichberechtigt komfortabel und sicher bewegen können. Andere Städte mit hohem Anteil an ÖPNV, Radfahren und Fußgängern zeigen, wie es geht: Nur wer den Mut hat, Infrastruktur zu bauen, schafft überhaupt die Möglichkeit, mehr Strecken mit ÖPNV, dem Fahrrad oder zu Fuß sicher zu nutzen.

8. Leerstände sind ärgerlich in der Innenstadt. Welche Nutzung wünschen sie sich dort?

In unserer Innenstadt braucht es grundsätzlich einen Mix aus Wohnen in den oberen Geschossen mit Einzelhandel oder Gastronomie im Erdgeschoss. Co-Working-Spaces, Pop-Up-Stores, offene Jugendtreffs, Gemeinschaftsräume – es gäbe so viele Möglichkeiten, auch kreativ mit Leerstand umzugehen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass sich darum ein eigenes Leerstandsmanagement kümmern muss. Und dass man Private von einer Zusammenarbeit überzeugen muss.

9. Viele Menschen wünschen sich mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung im Rathaus: Können Sie das nachvollziehen und wie kann man diesem Wunsch gerecht werden?

Einerseits ja, andererseits nein. Grundsätzlich bin ich ein Verfechter repräsentativer Demokratie: Gewählte Stadträte stehen in Verantwortung für ihre Entscheidungen und können sich eben nicht hinter anderen verstecken. Sie bekommen Ressourcen, um sich vorzubereiten und sollen gerade auch unpopuläre Entscheidungen treffen können, wenn es notwendig ist. Andererseits gibt es viele Themen, wo das Wissen und die Erfahrung der Bürger die Meinung von Fachleuten aus Verwaltung und Politik bereichert. Das geht aber nur mit echter Einbindung, keiner Pseudobeteiligung. Daher schlage ich vor: Klare Beschlüsse des Stadtrates, in welchen Themen oder Projekten man konkrete Bürgerbeteiligung durchführen möchte. Diese muss man dann auch erst nehmen. Außerdem halte ich es für sinnvoll, neben analogen auch digitale Bürgerversammlungen anzubieten.

10. Was sind drei ganz persönliche Dinge, die Bayreuth über Sie wissen sollte – abseits der Politik (z.B. Hobbys, Macken, Lieblingsorte in Bayreuth) – und was verraten diese über Ihren Charakter?

Neben meiner Arbeit als Verwaltungsjurist im Zentrum Bayern Familie und Soziales, der Aufgabe als 2. Bürgermeister & Bezirksrat und einigen Vereinsehrenämtern bleibt ehrlich gesagt nicht mehr viel Freizeit. Wenn es mir möglich ist, zocke ich liebend gern, gehe Joggen oder ins Fitnessstudio, verbringe Zeit mit meinem Partner oder Freunden – und bin natürlich vollkommen vernarrt in unsere Dackeldame Dori. Die hat selbstredend „Prinzessinnenstatus“ und hasst übrigens inbrünstig Fahrräder.

Eine Übersicht über alle OB-KandidatInnen in Bayreuth gibt es hier. 

Andreas Zippel ©bt-Redaktion
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