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OB-Wahl 2026 – Kandidat Andreas Zippel
Die Kommunalwahl am 8. März 2026 rückt näher. In unserer Interviewreihe mit den Bayreuther Kandidatinnen und Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters/der Oberbürgermeisterin stellen wir alle acht Personen vor, die sich um das Amt bewerben. Im Interview spricht Andreas Zippel über den Mut zur Veränderung, Hilfsbereitschaft und seine Liebe zu Bayreuth.
1. Warum Bayreuth? Was ist hier besser als anderswo?
Ich bin 2013 nach Bayreuth gekommen. Und unter uns: Damals ging ich davon aus, dass es mich nach dem Studium weiterzieht. Aber je besser ich die Stadt und ihre Menschen kennenlernte, desto stärker wuchsen sie mir ans Herz. Die rege Vereinslandschaft, die kurzen Wege, die schöne Natur im Umland – Bayreuth ist einfach groß genug, dass etwas geboten wird, und klein genug, um aus der Tür zu treten und jemanden Bekanntes zu treffen. Genau deshalb habe ich mir auch gedacht: Wenn ich hierbleibe, dann will ich nicht nur hier leben. Ich will Dinge bewegen und das Bayreuth von morgen mitgestalten. Das bin ich meiner Wahlheimat schuldig.
2. Welche Erfahrungen in Ihrem Leben haben Sie am stärksten geprägt – und was haben Sie daraus gelernt?
Meine erste Berührung mit Verantwortung für Andere war in der Schulzeit als Kollegstufensprecher, dann im Studium als Mitglied des Studierendenparlaments und als Fachschaftssprecher, später als Vertreter der Wissenschaftlichen Mitarbeiter in Kommissionen und bis heute in Vereinsvorständen. Jedes Mal habe ich dieselben Erfahrungen gemacht: Wenn man andere Menschen begeistert mitnimmt, packen so viele auch mit an. Wenn man Argumente statt plumper Emotionen nutzt, hören einem Menschen aufmerksam zu. Nur wenn man unterschiedliche Meinungen erkennt und benennt, kann man gute Kompromisse schließen. Aber auch: Einer muss die Verantwortung tragen. Das gilt im Ehrenamt, in der Familie, im Beruf und auch in der Politik.
3. Sollten Sie gewählt werden – was machen Sie im Rathaus als erstes?
Als erstes gilt es eine Bestandsaufnahme aller größeren Projekte zu machen und eine Taskforce aufzustellen, um die Organisationsstruktur und die Abläufe in der Verwaltung zu verbessern. Außerdem möchte ich mit dem Stadtrat und den Referatsleitungen in eine Klausurtagung gehen, um möglichst viele gemeinsame Ziele zu definieren.
4. Was soll in Bayreuth bleiben wie es ist? Was soll sich ändern?
5. Viele Bayreuther klagen über hohe Mieten und fehlenden Wohnraum: Was ist Ihr konkreter Plan für bezahlbares Wohnen in der Stadt in den nächsten sechs Jahren?
6. Prestige-/Großprojekte kontra soziale Projekte: Was ist wichtiger oder warum ist beides wichtig?
7. Verkehr ist eines der Dauerthemen in Bayreuth: Wie stellen Sie sich eine faire Aufteilung des Straßenraums zwischen Auto, ÖPNV, Rad- und Fußverkehr vor?
Der Interessenkonflikt liegt ja auf der Hand: Als Oberzentrum pendeln täglich viele Menschen zum Arbeiten, für Freizeit und Einkaufen nach Bayreuth. (Teilweise) mangels Alternativen muss das Auto genutzt werden. Andererseits ist unsere Stadt sehr kompakt mit kurzen Wegen und eignet sich hervorragend für ÖPNV, zu Fuß gehen oder zum Fahrradfahren. Unsere Aufgabe ist eine faire Aufteilung, in der sich alle Verkehrsmittel gleichberechtigt komfortabel und sicher bewegen können. Andere Städte mit hohem Anteil an ÖPNV, Radfahren und Fußgängern zeigen, wie es geht: Nur wer den Mut hat, Infrastruktur zu bauen, schafft überhaupt die Möglichkeit, mehr Strecken mit ÖPNV, dem Fahrrad oder zu Fuß sicher zu nutzen.
8. Leerstände sind ärgerlich in der Innenstadt. Welche Nutzung wünschen sie sich dort?
In unserer Innenstadt braucht es grundsätzlich einen Mix aus Wohnen in den oberen Geschossen mit Einzelhandel oder Gastronomie im Erdgeschoss. Co-Working-Spaces, Pop-Up-Stores, offene Jugendtreffs, Gemeinschaftsräume – es gäbe so viele Möglichkeiten, auch kreativ mit Leerstand umzugehen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass sich darum ein eigenes Leerstandsmanagement kümmern muss. Und dass man Private von einer Zusammenarbeit überzeugen muss.
9. Viele Menschen wünschen sich mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung im Rathaus: Können Sie das nachvollziehen und wie kann man diesem Wunsch gerecht werden?
Einerseits ja, andererseits nein. Grundsätzlich bin ich ein Verfechter repräsentativer Demokratie: Gewählte Stadträte stehen in Verantwortung für ihre Entscheidungen und können sich eben nicht hinter anderen verstecken. Sie bekommen Ressourcen, um sich vorzubereiten und sollen gerade auch unpopuläre Entscheidungen treffen können, wenn es notwendig ist. Andererseits gibt es viele Themen, wo das Wissen und die Erfahrung der Bürger die Meinung von Fachleuten aus Verwaltung und Politik bereichert. Das geht aber nur mit echter Einbindung, keiner Pseudobeteiligung. Daher schlage ich vor: Klare Beschlüsse des Stadtrates, in welchen Themen oder Projekten man konkrete Bürgerbeteiligung durchführen möchte. Diese muss man dann auch erst nehmen. Außerdem halte ich es für sinnvoll, neben analogen auch digitale Bürgerversammlungen anzubieten.
10. Was sind drei ganz persönliche Dinge, die Bayreuth über Sie wissen sollte – abseits der Politik (z.B. Hobbys, Macken, Lieblingsorte in Bayreuth) – und was verraten diese über Ihren Charakter?
Eine Übersicht über alle OB-KandidatInnen in Bayreuth gibt es hier.












Foto: Katharina Adler
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