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Kreistag verabschiedet Haushalt 2026 mit Zähneknirschen

Mit einer deutlichen Mehrheit von 51 Stimmen bei acht Gegenstimmen hat der Kreistag den Haushalt für das laufende Jahr verabschiedet. Die wichtigste Nachricht für die 33 Gemeinden im Landkreis: Die Erhöhung der Kreisumlage fällt mit 50,5 Prozent einen Hauch glimpflicher aus als zunächst befürchtet.

Ein kleiner Trost für die Bürgermeister

Noch im Kreisausschuss sah es düster aus: dort stand eine Erhöhung auf 51 Prozent im Raum. Dass es nun ein halber Prozentpunkt weniger geworden ist, ist das Ergebnis intensiver Sparbemühungen in letzter Minute. Die Verwaltung konnte durch Streichungen (etwa bei Deckenbaumaßnahmen am Landratsamt), Einsparungen in der Jugendhilfe (80.000 Euro) und beim Personal sowie durch zusätzliche Einnahmen aus Inventarverkäufen und Windkraft-Erträgen rund 700.000 Euro locker machen.

Trotzdem: Die Belastung für die Kommunen bleibt enorm. Insgesamt müssen die Städte und Gemeinden 69,05 Millionen Euro an den Landkreis überweisen. Das ist ein Plus von 6,7 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr.

Der Haushalt 2026 in Zahlen: Schuldenstand weit über Durchschnitt

  • Das Gesamtvolumen des Haushalts beläuft sich auf 145 Millionen Euro. Doch der Blick in die Details bereitet Kreiskämmerer Peter Kopp Sorgen:
  • Schuldenberg: Der Landkreis steht mit 38,6 Millionen Euro in der Kreide. Das entspricht einer Pro-Kopf-Verschuldung von 374 Euro.
  • Investitionen: Trotz der Krise werden 11,5 Millionen Euro investiert.
  • Rücklagen: Die „Eiserne Reserve“ schmilzt auf magere 4,1 Millionen Euro dahin.
  • Freiwillige Leistungen: Für Sport, Kultur und Soziales bleiben lediglich 1,8 Millionen Euro übrig.

Warum wird es so teuer? Die Kostentreiber

Die Gründe für das Finanzloch liegen laut Landrat und Fraktionen oft außerhalb der eigenen Reichweite. Allein die Bezirksumlage schlägt mit einem Plus von 4,18 Millionen Euro zu Buche. Auch die Jugendhilfekosten sind um fast 1,8 Millionen Euro gestiegen.

Ein wunder Punkt ist das sogenannte Konnexitätsprinzip („Wer bestellt, bezahlt“). Der Freistaat Bayern und der Bund übertragen dem Landkreis immer mehr Aufgaben (Sozialleistungen, ÖPNV, Katastrophenschutz), ohne die Kosten voll zu decken. Hier klafft eine Lücke von mehreren Millionen Euro.

Investitionen: Schulen und Straßen im Fokus

Trotz des Sparzwangs darf die Infrastruktur nicht verrotten. Zu den wichtigsten Projekten 2026 gehören:

  • Berufsschule Pegnitz: Fortführung der Sanierung.
  • Schulzentrum Hollfeld & Bayreuth: Außenanlagen für das MINT-Gebäude (Hollfeld) und die Johannes-Kepler-Realschule.
  • Straßenbau: Über zehn Kilometer Kreisstraßen erhalten eine neue Decke.

Ohne Stabilisierungshilfe geht es nicht

Landrat Florian Wiedemann betonte, dass ein rechtskräftiger Haushalt die Voraussetzung sei, um staatliche Stabilisierungshilfen beantragen zu können. „Wir dürfen die Stabihilfen nicht aufs Spiel setzen“, so der Landrat. „Wir haben die einzelnen Punkte gemeinsam beschlossen – wir müssen jetzt auch bei der Umsetzung an einem Strang ziehen.“

Stimmen aus den Fraktionen: Zwischen Sparzwang und Realismus

Die Haushaltsreden spiegelten die Zerrissenheit des Gremiums wider:

CSU (Franc Dierl): Kritisierte den späten Spardruck. Er forderte eine stärkere Führung und bemängelte, dass Verschiebungen von Investitionen keine langfristige Lösung seien.

FWG (Hans Hümmer): Plädierte für einen radikalen Sparkurs. Er stellte teure Beteiligungen wie das Gründerzentrum (RIZ) und hohe Zuschüsse für Zweckverbände (z.B. Therme Obernsees) infrage.

SPD (Stephan Unglaub): Nahm den Freistaat in die Pflicht. Die „schwarze Null“ in München dürfe nicht auf Kosten der Kommunen gehen. Er forderte, den Tourismus endlich zur Pflichtaufgabe zu machen.

Wahlgemeinschaft (WG): Mahnte, dass Sparen nicht auf Kosten der Bürgernähe gehen dürfe. Die Infrastruktur (z.B. Straßen) müsse Priorität haben.

Grüne (Florian Questel): Warnten vor Kürzungen bei der Jugend, dem ÖPNV oder dem Klinikum. Die echte Stabilisierung stehe erst noch bevor.

Junge Liste: Äußerte Unmut über den Bezirk („keine Sparambitionen“) und forderte eine engere Zusammenarbeit mit der Stadt Bayreuth, um teure Doppelstrukturen – etwa in der Krankenhausverwaltung – abzubauen.

AfD (Mario Schulze): Lehnte den Haushalt ab und forderte unter anderem Streichungen beim Klimaschutzmanagement.

Der Landkreis Bayreuth fährt 2026 auf Sicht: der Spielraum für große Sprünge ist bis auf Weiteres aufgebraucht.