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Landrats-Wahl 2026 – Kandidat André Wermescher
Die Kommunalwahl am 8. März 2026 rückt näher. In unserer Interviewreihe mit den Bayreuther Kandidatinnen und Kandidaten für das Amt der/des Landrätin/Landrates stellen wir alle sechs Personen vor, die sich um das Amt bewerben. Kandidat André Wermescher spricht im Interview über transparente Politik und eine offene, freie Gesellschaft.
Name des Kandidaten: André Wermescher
Alter: 44
Familie: verheiratet, 1 Kind
Wohnort: Pegnitz
Bisherige politische Ämter: Vorstand OV Pegnitz Bündnis90/DIE GRÜNEN
Partei/Liste auf der kandidiert wird: B90/Die Grünen / Liste 4
Was motiviert Sie dazu Landrat werden zu wollen?
Mich stört, dass politisch oftmals zu oberflächlich und vor allem gar nicht immer zielgerichtet agiert wird. Es werden stets verschiedene „Lösungswege“ angebracht und gegen einander argumentiert, anstatt sich auf die eigentlichen Ziele zu konzentrieren. Aus meiner Sicht wäre die Denk- und Arbeitsweise eines Ingenieurs bei den aktuellen Herausforderungen genau die richtige. Ich habe Maschinenbau mit dem Schwerpunkt Produktentwicklung studiert – in der Technik ist immer klar, dass die Lösung am Ende eines Entwicklungsprozesses steht und auch vielfältig sein kann. Ich will dieses Mindset in die Politik bringen. Lasst uns klare, messbare Ziele setzen, priorisieren und vor allem realisieren!
Gab es einen bestimmten Auslöser, der Sie bewogen hat sich zu bewerben?
Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, die geprägt war von einem wachsenden Freiheitsgefühl. Ende des kalten Kriegs, dem Fall der Mauer, ein wachsendes Friedensprojekt namens „Europäische Union“ mit Schengener-Abkommen, gemeinsamer Währung und wirtschaftlichen Aufschwung.
Seit der Corona Pandemie ist gesellschaftlich viel in Bewegung, leider in die andere Richtung. Polarisierung und Spaltung nehmen genauso zu, wie der Frust bei vielen Menschen. Darauf bauen Rechtsextreme auf, versprechen unhaltbare Dinge, versuchen ihre Themen zu positionieren und setzen alles daran, unsere gesellschaftlichen Errungenschaften wieder zu zersetzen.
Ich möchte weiterhin in einer offenen, freien Gesellschaft leben! Der Rechtsruck schadet uns auf so vielen Ebenen. Ich bin überzeugt, dass ich mit einer soliden, transparenten Politik vor Ort dazu beitragen kann, Spaltung und Hass den Nährboden zu entziehen.
Was qualifiziert Sie für die Aufgabe?
Ich habe über 14 Jahre Erfahrung als Projektleiter, habe große internationale Teams geleitet und komplexe Projekte effektiv und wirtschaftlich realisiert. Auch ein Landrat sollte ein „Macher“ sein, der Themen strukturiert angeht und erfolgreich abschließt. Durch meine
Kompetenzen als Projektleiter und Führungskraft sehe ich mich sehr gut vorbereitet auf das Amt.
Was sind die größten Herausforderung des Landkreises?
Seit 2024 ist der Haushalt negativ, wir machen Schulden, dem Gegenüber steht ein enormer Sanierungsstau bei Schulen und öffentlichen Gebäuden. Teile des Landkreises sind auch 2026 weiterhin abgehängt bzgl. ÖPNV und schnellem Internet. Unsere Bevölkerung schrumpft weiter, auch weil viele junge, gut ausgebildete Menschen sich lieber wo anders ihr Leben aufbauen möchten. Handwerker und Landwirte tun sich schwer, Nachwuchs für ihre Betriebe zu finden. Es entwickelt sich eine Abwärtsspirale, die jetzt dringend durchbrochen werden muss.
Wie wollen Sie diese angehen?
Zunächst möchte ich an die Grundlagen ran. Wie können wir Entscheidungen schneller treffen und umsetzen? Woran hängt es genau, dass manche Entscheidung bei uns viele Monate oder gar Jahre dauern?
Außerdem werden Risiken entweder überbewertet oder zu spät betrachtet, es fehlt an Struktur und Transparenz. Ich möchte ein ordentliches Risikomanagement einführen. Dabei muss man das Rad nicht ständig neu erfinden, sondern kann bewährte Lösungen aus anderen Landkreisen übernehmen.
Parallel braucht es übergeordnet eine klare Strategie im Kreistag für die nächsten sechs Jahre. Diese muss zügig erarbeitet und beschlossen werden.
Welche drei Dinge wollen Sie in Ihrer Amtszeit als erstes anpacken?
Wie gesagt, Einzelthemen angehen, ist zu kurz gegriffen. In der Industrie würde man den Zustand des Landkreises als Sanierungsfall bezeichnen und anfangen neu zu strukturieren.
In meinem bisherigen Arbeitsumfeld setzt man klar definierte, langfristige Ziele. Man legt Kennzahlen und Meilensteine fest, um den Fortschritt transparent zu verfolgen. Das ist auch mein erstes zentrales Thema – einen Konsens im Kreistag über die Frage: Was wollen wir in sechs
Jahren gemeinsam erreicht haben? Wo soll der Landkreis dann stehen?
Diese langfristigen Hauptziele will ich zusammen mit dem Kreistag festlegen. Darüber wird abgestimmt und gilt als „Leitplanke“ für alle folgenden Anträge und Abstimmungen.
Mit einem Planungshorizont von einigen Monaten wie bisher und kleinteiligen, zähen Debatten wird sonst auch weiterhin kein nennenswerter Fortschritt erreicht werden, bei egal welchem Thema.
Wie wollen Sie die finanzielle Situation des Landkreises stabilisieren?
Zunächst vorab: Was in den letzten Jahren und Jahrzehnten versäumt wurde, holen wir so schnell nicht wieder auf. Die Kasse ist leer, aber ohne nennenswerte Investitionen wird sich auch nichts bewegen.
Dass wir endlich an den Rücklagen des Freistaats beteiligt werden, ist überfällig, hilft aber nur begrenzt. Wenn wir schon Schulden machen, dann für Dinge die das Geld sicher wieder einspielen. Anlagen zur regenerativen Stromerzeugung, aber auch Akku-Netzspeicher eigenen sich da sehr gut. Viele ländliche Gemeinden in Deutschland bestreiten mittlerweile einen nennenswerten Teil ihres Haushalts mit dem Verkauf von Strom.
Zudem hätte der Tourismus kurzfristig noch Potential bei uns. Während andere Regionen zentrale Anlaufstellen, Buchungs- und Freizeitportale haben, bei denen Besucher in wenigen Klicks sich übergreifend informieren und buchen können, schaffen wir es bisher nicht mal die bestehenden Angebote ordentlich zu bewerben, geschweige denn eine moderne Vernetzung mit unseren Nachbarlandkreisen zu realisieren.
Es ist auch die Frage bei wem wir Schulden machen. Seit Jahren laufen viele tolle Projekte bei Kommunen überall in Deutschland über Crowdfunding, vereinzelt auch bei uns im Landkreis. Natürlich eignet sich nicht jedes Projekt dafür, es gibt aber sehr viele Menschen die gerne in die eigene Gemeinde oder Landkreis zu festen Zinsen investieren würden. Für die Kommune ist das in der Regel dazu günstiger als Bankkredite. Warum nutzen wir solche Möglichkeiten bisher nicht intensiver?
Was tun Sie, wenn Sie nicht gewählt werden?
Ich gehe davon aus, dass ich die nächsten 6 Jahre im Landratsamt tätig sein werde. Wenn nicht als Landrat, dann als Kreisrat. Als Kreisrat bleibe ich natürlich weiterhin in meinem Beruf als Ingenieur und Projektleiter.
Was ist Ihr Lieblingsplatz im Landkreis?
Da gibt es mehrere. Sehr gerne bin ich in der Fränkischen Schweiz, entweder auf dem Mountainbike oder kletternd am Fels. Die Burgruine Hollenberg, unweit von Pegnitz steuere ich regelmäßig an, schon wegen der Aussicht.
Gibt es spezielle Erinnerungen an Ihren Heimatort, an die Sie gerne denken?
Meine Familie und ich wohnen seit 2020 in Pegnitz. Die Zeit war geprägt von unserem Hausbau und die Einschulung unseres Sohnes. So schnell wie hier haben wir sonst nirgends einen so wundervollen neuen Freundes- und Bekanntenkreis aufgebaut.
Was ist für Sie das Highlight des Jahres?
2026 ist noch jung, aber der aktuelle Wahlkampf ist für mich schon jetzt ein Highlight. Ich komme mit so vielen tollen Menschen in Kontakt und lerne auch durchweg neue Orte und Dinge bei uns im Landkreis kennen.
Auf welche drei Dinge wollen Sie nie mehr verzichten?
Sport, Musik und ein leckeres Schäuferla am Sonntagmittag.
Worauf sind Sie persönlich stolz?
Auf meine Familie.
Was fällt Ihnen schwer?
Es fällt mir schwer, Verständnis für die konservativen Menschen aufzubringen die gerade aktiv mithelfen, rechtsextreme Narrative zu normalisieren. Unsere Demokratie und Freiheit ist in Gefahr. Jetzt ist die Zeit, zusammenzustehen und unsere gemeinsamen Werte und Menschlichkeit zu verteidigen. Wir müssen nicht immer einer Meinung sein, aber im Gespräch bleiben und gemeinsam Lösungen finden!
Was ist Ihr großes Talent?
Ich bin ein guter Teamplayer, kann Menschen begeistern und motivieren. Zumindest in meinem bisherigen beruflichen Umfeld bin ich da erfolgreich.











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