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Landrats-Wahl 2026 – Kandidatin Stephanie Hartmann-Erdal (SPD)
Die Kommunalwahl am 8. März 2026 rückt näher. In unserer Interviewreihe mit den Bayreuther Kandidatinnen und Kandidaten für das Amt der/des Landrätin/Landrates stellen wir alle sechs Personen vor, die sich um das Amt bewerben. Kandidatin Stephanie Hartmann-Erdal spricht im Interview über eine moderne Verwaltung, offene Forderungen und darüber, was es heißt Verantwortung zu tragen.
Alter: 49 Jahre
verheiratet, drei erwachsene Töchter
Wohnort: Weidenberg-Sophiental
Beruf: Medienfachwirtin
Bisherige politische Ämter:
SPD-Ortsverein tätig als Schriftführerin
SPD-Kreisverbands Bayreuth-Land als Delegierte tätig
Partei/Liste auf der kandidiert wird:
SPD (Sozialdemokratische Partei Deutschland)
Was motiviert Sie dazu Landrätin werden zu wollen?
Ich habe keine politische Karriere geplant – aber als Delegierte im Kreisverband Bayreuth-Land war ich Teil der Gespräche über eine mögliche Kandidatur. Dass mir dieses Vertrauen ausgesprochen wurde, hat mich tief berührt. Die Geschlossenheit und der Zusammenhalt unserer SPD-Fraktion im Kreistag haben mir gezeigt: Hier steht eine starke Gemeinschaft hinter einer klaren Vision für unseren Landkreis.
Mich motiviert der Wunsch, genau diese soziale Handschrift weiterzutragen – mit Blick auf die Menschen, mit vorausschauenden Anträgen und mit dem Mut, Dinge wirklich anzupacken. Ich kandidiere, weil ich davon überzeugt bin: Es braucht jetzt eine Frau, die nicht nur diskutiert und verwaltet, sondern eine die verbindet, anpackt und umsetzt.
Gab es einen bestimmten Auslöser, der Sie bewogen hat sich zu bewerben?
Ja – und der war sehr persönlich. Als ich in meinem Bekanntenkreis von der möglichen Kandidatur erzählt habe, kam schnell der Satz: „Das kannst du doch nicht machen!“ Aber genau solche Reaktionen lösen bei mir das Gegenteil aus.
Wenn mir jemand sagt, dass etwas nicht geht – dann sehe ich erst recht einen Grund, es anzupacken. Dieses innere Feuer hat mich mein ganzes Leben begleitet. Es hat mir geholfen, große Projekte zu realisieren, mutige Entscheidungen zu treffen und immer wieder neue Wege zu gehen.
Gerade in der Politik braucht es Menschen, die nicht zurückweichen, wenn es unbequem wird – sondern die Herausforderungen als Antrieb verstehen. Genau deshalb habe ich Ja gesagt.
Was qualifiziert Sie für die Aufgabe?
Ich bringe etwas mit, das man nicht studieren kann: Lebenserfahrung. Als Mutter von drei Töchtern, als Unternehmerin mit eigener Werbeagentur und als echte Oberfränkin weiß ich, was es heißt, Verantwortung zu tragen, dranzubleiben und kreative Lösungen zu finden – auch wenn es mal eng wird.
In meiner Agentur geht es täglich um Kommunikation, Zielgruppenverständnis und die Frage: Wie kommen wir auf dem besten Weg zum Ziel? Genau das braucht es auch in der Politik – Klarheit, Strategie und das Talent, Menschen wirklich zu erreichen.
Außerdem habe ich einen gesunden Dickkopf – im besten Sinne. Ich kann hartnäckig bleiben, auch wenn der Wind mal rauer wird. Und ich habe gelernt: Mit Haltung, Herz und Durchhaltevermögen lässt sich mehr bewegen, als man denkt.
Was sind die größten Herausforderung des Landkreises?
Eine der dringendsten Herausforderungen ist klar die finanzielle Lage. Viele Aufgaben wurden uns vom Freistaat Bayern übertragen – ohne ausreichende Gegenfinanzierung. Es ist nicht hinnehmbar, dass der Landkreis auf Millionenbeträgen sitzen bleibt, wie aktuell den 2,5 Millionen Euro, die wir für erbrachte Leistungen zurückfordern. Ich werde mich mit Nachdruck dafür einsetzen, dass der Freistaat seiner Verantwortung gerecht wird.
Gleichzeitig müssen wir als Landkreis neue Einnahmequellen erschließen – durch gezielte Fördermittelakquise, strategische Projektentwicklung und die Ansprache von Investoren. Ob bei der Finanzierung des Klinikums Bayreuth, dem geplanten Anbau und der Modernisierung des Landratsamts oder bei Infrastrukturprojekten – wir müssen aktiv und kreativ handeln, um unsere Zukunft zu sichern.
Ein weiteres zentrales Thema ist der konsequente Ausbau erneuerbarer Energien. Hier sehe ich große Chancen, etwa durch eine stärkere Beteiligung an Initiativen wie ZENOB. Das stärkt nicht nur unsere Energieunabhängigkeit, sondern bringt auch wirtschaftliche Impulse direkt in die Region.
Der Landkreis Bayreuth hat enormes Potenzial – aber wir müssen es klug nutzen und mutig gestalten. Dafür braucht es eine starke Steuerung, eine klare Priorisierung und eine Verwaltung, die aktiv gestaltet statt nur verwaltet.
Wie wollen Sie diese angehen?
Ein weiterer wichtiger Hebel sind die Stabilisierungshilfen des Freistaats. Diese Mittel sind gerade für strukturschwache Landkreise wie unseren essenziell, um handlungsfähig zu bleiben. Ich werde dafür sorgen, dass wir diese Hilfen nicht nur beantragen, sondern auch strategisch nutzen – für Investitionen in Bildung, Infrastruktur, Daseinsvorsorge und Digitalisierung. Gleichzeitig setze ich mich dafür ein, dass die Bedingungen für die Vergabe dieser Hilfen praxistauglicher und langfristiger planbar werden – denn Stabilität braucht Verlässlichkeit.
Ein weiterer Baustein ist für mich der Aufbau und Ausbau von Bürgerstiftungen im Landkreis. Sie schaffen finanziellen Spielraum für freiwillige, soziale Projekte, fördern bürgerschaftliches Engagement und stärken den Zusammenhalt vor Ort.
Zur finanziellen Entlastung unseres Gesundheitssystems werde ich prüfen, ob das Klinikum Bayreuth perspektivisch als Universitätsklinik anerkannt werden kann – das würde neue Fördermöglichkeiten eröffnen und die Attraktivität als Standort für medizinisches Fachpersonal erhöhen.
Ich sehe großes Potenzial in der Ochsenkopf-Region: Hier will ich gezielt Investoren für nachhaltige Projekte und touristische Innovationen gewinnen – mit einem transparenten, aktiven Standortmarketing und regionalen Entwicklungsperspektiven, von denen der gesamte Landkreis profitiert.
Außerdem plane ich den Aufbau von Familienstützpunkten – wohnortnah, alltagstauglich, beratungsstark. Auch mobile Einheiten, die direkt in die Gemeinden fahren, sind denkbar. Familien verdienen Unterstützung, dort wo sie leben – nicht erst nach vielen Formularen und Wegen.
Und nicht zuletzt werde ich mich auf Landesebene stark machen für eine Erhöhung der Steuerverbundsquote von derzeit 13,5 auf 15 Prozent. Denn der Landkreis kann seine Aufgaben nur erfüllen, wenn der Freistaat Bayern ihn auch angemessen finanziert.
Welche drei Dinge wollen Sie in Ihrer Amtszeit als erstes anpacken?
- Den Haushalt auf den Prüfstand stellen: Ich will genau wissen, wo unser Geld hinfließt – und wo wir Einsparpotenziale oder ungenutzte Mittelreserven haben. Ein transparenter, ehrlicher Kassensturz ist die Grundlage für jede kluge Entscheidung.
- Offene Forderungen beim Freistaat einfordern: Der Landkreis hat Aufgaben im Namen des Freistaats übernommen – jetzt fordere ich auch die dazugehörigen Mittel ein. Die ausstehenden 2,5 Millionen Euro und weitere Leistungen müssen endlich zurückfließen, um unsere kommunale Handlungsfähigkeit zu sichern.
- Die Verwaltung modernisieren – digital und persönlich: Ich will digitale Anträge einfacher und schneller zugänglich machen. Gleichzeitig sollen Bürger:innen auch wieder leichter persönliche Termine vor Ort bekommen. Moderne Verwaltung heißt für mich: erreichbar, verständlich, bürgernah.
Wie wollen Sie die finanzielle Situation des Landkreises stabilisieren?
- Einnahmen sichern und einfordern: Der Landkreis darf nicht länger auf Aufgaben sitzen bleiben, die eigentlich der Freistaat finanziell tragen müsste. Ich werde mich dafür einsetzen, dass ausstehende Zahlungen – wie die 2,5 Millionen Euro für übertragene Leistungen – zügig erstattet werden. Auch eine Erhöhung der Steuerverbundsquote von 13,5 auf 15 % ist überfällig und politisch notwendig.
- Fördermittel gezielter nutzen: Ich möchte Strukturen schaffen, um Landes-, Bundes- und EU-Förderprogramme systematisch zu nutzen – durch ein professionelles Fördermanagement im Landratsamt. So holen wir mehr Geld in die Region, ohne die Bürger:innen zusätzlich zu belasten.
- Investoren gewinnen und Wertschöpfung stärken: Ob im Tourismus, bei erneuerbaren Energien oder im Mittelstand – der Landkreis kann aktiver Partner für Investitionen sein. Durch klare Kommunikation und regionale Projektentwicklung schaffen wir neue Einnahmequellen und wirtschaftliche Impulse.
- Verwaltung effizient und modern aufstellen: Durch Digitalisierung, schlankere Prozesse und bessere Erreichbarkeit schaffen wir nicht nur mehr Bürgernähe, sondern sparen auch Ressourcen. Jeder Euro, den wir durch moderne Verwaltung einsparen, steht an anderer Stelle zur Verfügung.
- Stabilisierungshilfen strategisch nutzen: Ich werde dafür sorgen, dass wir diese Mittel nicht nur beantragen, sondern langfristig in Strukturprojekte investieren – etwa in Bildung, Pflege oder Digitalisierung – damit der Landkreis krisenfest bleibt.
Was tun Sie, wenn Sie nicht gewählt werden?
Die Marketing-Projekte meiner Kunden abarbeiten, die in den letzten Wochen etwas auf die lange Bank geschoben wurden und mich politisch weiter im Kreisverband, sowie vor Ort in meiner Gemeinde (vielleicht als Gemeinderätin) engagieren.
Was ist Ihr Lieblingsplatz im Landkreis?
Der Wanderweg zwischen Sophienthal und Warmensteinach, sowie im Sommer das Moorbad in Fleckl.
Gibt es spezielle Erinnerungen an Ihren Heimatort, an die Sie gerne denken?
Warmensteinach war 35 Jahre lang meine Heimat. Ich bin ich im Hotel meiner Eltern aufgewachsen. Meine Großmutter hat dort in meiner Kindheit ein Kino – im gleichen Gebäude – betrieben und ich habe mich als Kind oft in den Abendvorstellungen dort versteckt und mir die Kinofilme wie „Der weiße Hai“, „Die unendliche Geschichte“, „Bambi“ usw. angesehen. Noch heute liebe ich Kinobesuche und fühle mich sofort in meine Kindheit versetzt.
Was ist für Sie das Highlight des Jahres?
Mein 50. Geburtstag im April. Der wird ordentlich gefeiert!
Auf welche drei Dinge wollen Sie nie mehr verzichten?
Meine AirPods und meine Wintermütze mit integriertem LED-Licht sind unersetzlich für lange Joggingrunden im Wald. Große Haarklammern für Bad Hair Days!
Worauf sind Sie persönlich stolz?
Dass ich mich vor 10 Jahren selbstständig gemacht habe und noch immer erfolgreich im Geschäft bin.
Als Frau in der Webebranche habe ich immer weniger verdient als meine männlichen Kollegen, das hat mich oft geärgert. Als ich dann vor 10 Jahren eine Angehörige intensiv pflegen wollte/musste, hat mein damaliger Arbeitsgeber meinen Wunsch nach Teilzeitarbeit sofort abgelehnt und mich dann umgehend mit einer Kündigung „belohnt“. Daraufhin habe ich meinen ganzen Mut zusammengenommen, mich selbstständig gemacht und von zuhause gearbeitet. Oft auch nachts, um mich tagsüber um die Familie kümmern zu können. Das hat sehr gut geklappt und darauf bin ich definitiv stolz.
Was fällt Ihnen schwer?
Geduldig auf den Ausgang von Dingen zu warten, die ich nicht beeinflussen kann.
Was ist Ihr großes Talent?
Probleme als Herausforderungen zu sehen und Lösungen zu finden, die nicht sofort auf der Hand liegen.











Demo gegen AfD Veranstaltung in Bischofsgrün. @Katharina Müller-Sanke
Der ZOH in Bayreuth. Archivbild: Redaktion