Zuletzt aktualisiert am
„Letzte Nacht der Kultur“: Bayreuth diskutiert Zukunft
Der Jean Paul Art Space in Bayreuth öffnet am 25. September seine Türen für die „Lange Letzte Nacht der Kultur“. Bei einer Podiumsdiskussion steht eine Frage im Mittelpunkt, die viele Akteure der freien Kulturszene in Bayreuth derzeit umtreibt: Wie geht es weiter, wenn die Fördergelder ab 2027 knapper werden?
Fergus Wünschmann, Vorsitzender des Jean-Paul-Kulturvereins, spricht im Gespräch von einem „Damoklesschwert“, das über der Bayreuther Off-Szene schwebt. Hintergrund sind mögliche deutliche Kürzungen bei den Zuschüssen aufgrund der angespannten Haushaltslage, in der die Stadt Bayreuth überall nach Einsparmöglichkeiten sucht.
Die „Lange Nacht der Kultur“ war ursprünglich Teil des Programms zum 150-jährigen Jubiläum der Bayreuther Festspiele. Sie ist eine von mehreren Veranstaltungen, die die Stadt aufgrund eines finanziellen Planungsfehlers absagen musste.
Aus der Langen Nacht der Kultur entsteht nun im Jean-Paul Art Space die „Letzte Nacht der Kultur“. Mit Kunst und einer Podiumsdiskussion soll dabei das lebendige und niedrigschwellige Kulturangebot Bayreuths in den Mittelpunkt gerückt werden.
Kleine Bühnen, große Wirkung
Im Jubiläumsjahr der Festspiele konnte Bayreuth mit rund 1,5 Millionen Euro an Fördergeldern vieles im Kulturbereich ermöglichen, was sonst nicht möglich gewesen wäre. Ab 2027 dürfte sich das ändern. Wirtschaftliche Herausforderungen, die ganz Deutschland betreffen, stellen auch die Stadt vor schwierige Entscheidungen. Pflichtausgaben etwa für das Klinikum oder die Sanierung von Schulen und Straßen lassen sich kaum verschieben, während freiwillige Leistungen wie die Kulturförderung schneller zur Debatte stehen.
Große Namen wie die Festspiele und Bayreuth Baroque sind für die Stadt wichtige Alleinstellungsmerkmale und bringen durch den Tourismus wirtschaftliche Impulse, etwa für Gastronomie und Hotellerie. Kleinere Kulturorte wie die Schokofabrik, das Neuneinhalb, das Glashaus oder Bayreuths Theaterszene arbeiten dagegen oft mit deutlich weniger finanzieller Sicherheit. Trotzdem bieten sie den Einwohnerinnen und Einwohnern Orte für lebendige Kultur, zum Mitmachen oder einfach zum Genießen.
Wünschmann selbst gründete vor rund 25 Jahren die Sübkültür in der Kämmereigasse, aus der später das Neuneinhalb hervorging. Genau solche Orte, sagt er, hätten frisches Leben in die Stadt gebracht. „Vorher war es völlig tote Hose in Bayreuth, erst seit 2010 hat es sich extrem viel entwickelt.“ Diese Entwicklung soll nicht ins Stocken geraten. Darüber sollte Bayreuth ins Gespräch kommen.
Podiumsdiskussion soll Perspektiven für Bayreuths Off-Kultur aufzeigen
Zentrales Element des Abends der „Letzten Nacht der Kultur“ ist eine Podiumsdiskussion, erklärt Wünschmann. Mit dabei sind Björn Rodday, der Leiter des Friedrichsforums, Michael Semmelmann von Saalmitte und Kollektiv Tongranulat sowie die Nürnberger Künstlerin und Journalistin Maria Trunk, die sich auf Stadtkultur-Entwicklung spezialisiert hat. Auch Designerin Lena Wenz bringt eine Stimme mit. Moderiert wird das Gespräch von Jens Wagner vom Kunst- und Kulturhaus neuneinhalb und Fergus Wünschmann selbst. Auch der neue Oberbürgermeister habe sein Kommen zur diesjährigen Veranstaltung bereits zugesagt.
Die Runde will klären, welche zukunftsfähigen Konzepte es für die freie Szene geben könnte. Laut Veranstalter geht es darum, wie Bayreuth weiterhin eine bunte und lebenswerte Stadt bleiben kann, obwohl freie Künstlerinnen und Künstler vor neuen finanziellen Hürden stehen.
Musik, Kunstaktionen und Buffet ab 18 Uhr
Neben der Diskussion bietet der Abend ein musikalisches Programm. Ab 18 Uhr eröffnet der Musiker Emrah mit einem Oud-Ensemble den Abend und nimmt das Publikum mit auf eine Reise in die Welt der Vierteltöne.
Um 20 Uhr lädt die Stadtmission Bayreuth zu einem ungewöhnlichen Buffet mit Bohnen-Gerichten ein, das seit Jahresbeginn Teil des Festspiel-Programms im Jean Paul Artspace ist.
Die Podiumsdiskussion startet um 20.30 Uhr.
Gegen 22 Uhr übernimmt die Band Orischas, die mit Wurzeln in Benin, Togo, der Demokratischen Republik Kongo, Brasilien und Deutschland westafrikanische Rhythmen und Tanzmusik präsentiert.
Wer möchte, kann außerdem Teil der „living sculptures“ von Künstler Micha Krenz werden. Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, Porzellan mitzubringen und ihr Ohr als Wachsabdruck festhalten zu lassen.
Wünschmann bezeichnet den Abend als Zeichen der Hoffnung und des Zusammenseins für eine Szene, die auch künftig Raum zum Ausprobieren braucht.












Symbolbild © Anna – stock.adobe.com
QUELLE: Photo by Patty Brito on Unsplash