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Baustelle

Neues Heizkonzept statt Geothermie für die Staatliche Berufsschule I in Bayreuth

Das geplante Geothermie-Konzept für die Staatliche Berufsschule I in Bayreuth musste wegen ungünstiger geologischer Bedingungen verworfen werden. Stattdessen wird nun ein innovatives Energiekonzept mit Eisspeicher, Sole-Wasser-Wärmepumpe und Rückkühlern vorgeschlagen.

Der Neubau der Staatlichen Berufsschule I in Bayreuth ist eines der größten aktuellen Bauprojekte der Stadt. Der offizielle Spatenstich erfolgte im März 2023 – mit prominenter Beteiligung von Ministerpräsident Markus Söder, Oberbürgermeister Thomas Ebersberger und Schulleiter Manfred Müller.

Das Neubauprojekt wird mit rund 132 Millionen Euro veranschlagt und stellt damit das größte und teuerste Schulbauvorhaben in der jüngeren Stadtgeschichte dar. Der erste Bauabschnitt soll bis 2026 fertiggestellt sein, gefolgt von zwei weiteren Abschnitten bis 2028. Die Gesamtfertigstellung des Projekts ist für Anfang 2029 geplant.

Das ursprüngliche Energiekonzept für die Staatliche Berufsschule I basierte auf einem innovativen System mit Hochleistungsenergiepfählen (HEP) zur geothermischen Nutzung, einer Sole-Wasser-Wärmepumpe und einem Rückkühler. Aufgrund der hydrogeologischen Gegebenheiten (Arthesik) kann dieses Konzept nicht weiterverfolgt werden.

Schon gelesen? Richtfest für Bayreuths größtes Bauprojekt: 132 Millionen Euro.

Alternative Varianten für die Energieversorgung

Das Fachplanungsbüro Heizung/Kälte hat im Anschluss verschiedene Alternativen geprüft:

  1. Eisspeicher + Sole-Wasser-Wärmepumpe + Rückkühler
  2. Eisspeicher + Sole-Wasser-Wärmepumpe + PVT-System
  3. Eisspeicher + Sole-Wasser-Wärmepumpe + Energiezäune
  4. GeoCollect + Sole-Wasser-Wärmepumpe + Rückkühler
  5. Luft-Wasser-Wärmepumpe als alternatives Gesamtsystem

Bewertung und Favorisierung durch BAURCONSULT

Nach intensiver Analyse blieben Variante 1 (Eisspeicher + Sole-Wasser-Wärmepumpe + Rückkühler) und Variante 5 als Favoriten. Variante 1 überzeugt besonders durch:

  • Geringere Betriebskosten
  • Bessere Schallwerte
  • Positive vergaberechtliche Rahmenbedingungen mit der Firma Rücktec
  • Optimierten Bauablauf

Das System mit Eisspeicher, Sole-Wasser-Wärmepumpe und Rückkühler soll die Kosten im Vergleich zu den ursprünglich geplanten Hochleistungsenergiepfählen deutlich reduzieren.

Diskussion zum Energiekonzept der Berufsschule: Stimmen und Einschätzungen

Stefan Specht (CSU) unterstützt den Vorschlag

Stefan Specht lobt den fundierten Bericht und hält das Eisspeicher-System für sehr überzeugend, gerade angesichts der Außentemperaturen. Er freut sich, dass trotz des Ausfalls der Geothermiepläne ein hoch innovatives Konzept umgesetzt werden kann, das optimal zum Gebäudekonzept passt. Seine Fraktion stimmt Variante 1 vollumfänglich zu.

Thomas Bauske (SPD) stellt Fragen zur Vernetzung und Speicherlösung

Thomas Bauske begrüßt den Bericht, weist aber auf eine offene Frage hin: Es fehle ein übergeordnetes Energiekonzept, insbesondere im Hinblick auf die Einbindung der Photovoltaikanlage. Er fragt, warum kein zusätzlicher Speicher vorgesehen ist und bittet um Klärung, wie der erzeugte Solarstrom optimal genutzt wird.

Die Vertreter von BAURCONSULT erklären, dass die PV-Anlage aufgrund des ganzjährigen hohen Strombedarfs (Serverräume, Datentechnik, Lüftung) vollständig ausgelastet ist, auch in den Ferien. Daher sei ein zusätzlicher Speicher nicht notwendig.

Sabine Steininger (Die Grünen) zeigt Skepsis und fordert Erfahrungswerte

Sabine Steininger bittet um konkrete Beispiele für den hohen Energieverbrauch in Ferienzeiten und äußert Zweifel an der Wirtschaftlichkeit des neuen Konzepts. Sie fragt nach vergleichbaren Projekten und verlässlichen Erfahrungswerten, um eine fundierte Empfehlung abgeben zu können.

BAURCONSULT verweist auf ein Bürogebäude mit ähnlichem Speichersystem und positiven Erfahrungswerten. Dank fortschreitender Forschung und Zusammenarbeit mit Marktführern wie Viessmann sei das Konzept technisch ausgereift.

Georg Kempf (BG) begrüßt zukunftsorientiertes Energiekonzept

Georg Kempf unterstreicht die Bedeutung eines modernen, zukunftsfähigen Energiekonzepts für die Berufsschule. Er betont, dass auf veraltete Heizsysteme verzichtet wird und bewertet den Vorschlag als sinnvoll und zukunftsweisend.

Christopher Süss (JB) fragt nach Lebensdauer und Sanierungskosten

Christopher Süss erkundigt sich nach der Nutzungsdauer der Anlage und den möglichen Kosten für Reparaturen oder Sanierungen. Er möchte wissen, ob Ersatzinvestitionen gut planbar sind.

BAURCONSULT bestätigt, dass Wärmepumpen eine lange Lebensdauer haben und ein kompletter Austausch selten nötig ist. Der Eisspeicher aus Beton ermöglicht zudem eine unkomplizierte Wiederverwendung der Infrastruktur, was Sanierungen erleichtert und Kosten senkt.

Stephanie Anna Kollmer (CSU) hinterfragt Leitungslänge und Energieverluste

Stephanie Anna Kollmer spricht die ca. 70 Meter lange Leitungstrasse vom Eisspeicher zur Energiezentrale an. Sie fragt nach möglichen Energieverlusten und der Zugänglichkeit für Wartung.

Aufgrund der geraden Trassenführung und fehlender Höhenunterschiede sind Druck- und Energieverluste minimal, so BAURCONSULT. Der Erdreichboden wirkt zudem als Wärmekorrektor und reduziert Energieverluste weiter.

Beschlussvorschlag der Verwaltung zum neuen Energiekonzept

Der Stadtentwicklungsausschuss nimmt Kenntnis vom Bericht des Fachplaners Heizung/Kälte, des Architekten und Projektsteuerers sowie des Referats Planen und Bauen. Da das geplante Geothermiekonzept nicht umgesetzt werden kann, wird das neue System aus Eis-Energiespeicher, Sole-Wasser-Wärmepumpe und Rückkühler umgesetzt.