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„Public Viewing“ in Bayreuth – ab 22 Uhr nur leises Jubeln
Die WM in Nordamerika bringt für deutsche Fans lange Fußballnächte mit sich. Die meisten Spiele beginnen erst, wenn in Bayreuth bereits Nachtruhe gilt. Die neue Bundes-WM-Lärmschutzverordnung greift hier nicht. Was das für Public Viewing in Bayreuther Gaststätten und jubelnde Fans bedeutet.
Zwei Spiele der WM 2026 sind bereits gelaufen: Mexiko schlägt Südafrika 2:0 in Mexiko-Stadt, Südkorea trifft ein Tor mehr als Tschechien und gewinnt 2:1 in Guadalajara. Abpfiff der beiden Spiele zur deutschen Zeit? Um 21 Uhr nachts beziehungsweise 4 Uhr morgens. Als nächstes treffen Kanada und Bosnien-Herzegowina um 21 Uhr deutscher Zeit in Toronto aufeinander. Die Zeitverschiebung macht die WM für deutsche Fans zur Nachtveranstaltung.
Die Bundesregierung hat eine WM-Lärmschutzverordnung erlassen, die es erlaubt, die Nachtruhe für mitfiebernde Fans hinauszuschieben und Raum zum Jubeln zu schaffen. In Bayreuth wird – anders als beim Nachbarn Kulmbach mit seinem Marktplatz – von dieser Sonderregelung kein Gebrauch gemacht. Der Versuch, den La-Spezia-Platz als zentralen Public-Viewing-Ort zu etablieren ist an Sicherheits- und logistischen Schwierigkeiten gescheitert.
Das heißt jedoch nicht, dass in Bayreuth jeder alleine Fußball schauen muss. Es gibt viele Orte, an denen man die WM gemeinsam verfolgen kann, drinnen etwa in der Kulturbühne Reichshof oder draußen auf Freischankflächen in der Innenstadt. Hier gelten allerdings die üblichen strengen Nachtruhe-Bedingungen. Ab 22 Uhr gilt ein Immissionsrichtwert von 45 dB am Empfänger, also etwa am geöffneten Fenster eines Nachbarn. Das entspricht ungefähr der Lautstärke einer normalen Unterhaltung.
Über 80 Prozent der Spiele überschreiten die 22-Uhr-Grenze
Von insgesamt 104 WM-Spielen beginnen 68 um 22 Uhr oder später. Die durchschnittliche Spieldauer liegt bei etwa 116 Minuten, einschließlich der zwei zusätzlichen Trinkpausen. Das bedeutet: Alle Spiele, die ab 20:30 Uhr beginnen, laufen über 22 Uhr hinaus und fallen damit unter die Nachtruhe der Lärmschutzverordnung.
Damit fallen rund 90 der Spiele unter die 45-dB-Regelung der allgemeinen Verwaltungsvorschrift „Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm“ (TA Lärm).
Von den deutschen Spielen sind bisher nur die Anstoßzeiten der ersten drei Gruppenspiele bekannt. Nur eines davon erfüllt die Bedingungen für eine höhere Lautstärke. Das erste Spiel gegen Curaçao beginnt um 19 Uhr, die beiden anderen erst um 22 Uhr.
Sollten die Fußballgötter Deutschland gnädig sein und wir den ersten Platz in der Gruppe belegen, würde das Achtelfinalspiel um 22:30 Uhr stattfinden. Als Zweiter wäre es um 19 Uhr. Als Dritter sind die Chancen hoch, dass das deutsche Team erst nach 22 Uhr spielt.
Warum greift die Bundes-WM-Lärmschutzverordnung nicht?
Wie das Amt für Umwelt- und Klimaschutz in Bayreuth mitteilt, greift die Sonderregelung zur Ausweitung der Lärmschutzverordnung nur dann, wenn es sich um einen öffentlichen Platz handelt, etwa den Marktplatz. Für private Gaststätten ist ein Antrag auf eine Sondergenehmigung daher nicht möglich. Die Nutzung der Freischankflächen vor Kneipen, Restaurants und in Biergärten fällt somit nicht unter die Ausnahme. Vereinfacht gesagt ist das also kein offizielles Public Viewing.
Wer die Nachtruhe stört, macht sich gegenüber umliegenden Nachbarn anzeigbar. Das liegt vor allem daran, dass sich diese Innenstadt-Lokale in sogenannten Mischgebieten befinden, wo Betriebe und Wohnhäuser nebeneinander stehen. Die Nachtruhe dient als Grenze, damit auch diejenigen, die schlafen müssen, einen gewissen Halt haben – nach 22 Uhr ist Ruhe.
Sollte eine Anzeige wegen Ruhestörung erfolgen, ist das Geräusch am betroffenen Haus zu messen, erklärt die Stadt: „einen halben Meter vor dem geöffneten Fenster eines schutzbedürftigen Raumes; hierzu zählen alle zum dauerhaften Aufenthalt bestimmten Räume.“
Macht die Nachtruhe WM-Übertragungen weniger attraktiv?
Für Betreiber muss ein Sportpaket gekauft, GEMA-Gebühren bezahlt und um eine Genehmigung gebeten werden; eine Investition, die sich für viele in Bayreuth aber anscheinend lohnt. Die WM zieht Menschen an: ein Gewinn für Betreiber, aber auch für Menschen, die die Spiele gesellig zusammen verfolgen wollen. Mit den späten Anstoßzeiten und der Strenge der Nachtruhe macht es für manchen Betreiber am Ende aber einfach keinen Sinn mehr.
Zum Beispiel hat das Palace in der Kanzleistraße einen Antrag gestellt, um den schönen Platz vor dem Shisha-Lokal zum „Public-Viewing“-Spot zu machen. Nach Erhalt der Antwort von der Stadt ist der Betreiber jedoch unschlüssig, ob es sich überhaupt lohnt, etwas zu zeigen – besonders mit Blick auf die Umgebung, wo Lärm bereits zum Thema geworden sei.
Genehmigt wurde der Antrag zwar, doch das Ordnungsamt machte klar, dass die normalen Lärmbestimmungen gelten. Da der Betrieb nicht als öffentlicher Platz eingestuft werden könne, gebe es keine Möglichkeit für eine Ausnahme, erklärt der stellvertretende Pressesprecher der Stadt, Steffen Huber. Dies liege nicht in der Entscheidungsgewalt der Stadt.
„Für ein gewisses Ungleichgewicht und die unterschiedliche Handhabung zwischen klassischer Gastronomie und öffentlichen Fernsehdarbietungen (Public Viewing) kann die Stadt Bayreuth keine Verantwortung übernehmen, versteht jedoch den Unmut entsprechender Gaststättenbetreiber.“
Anzeigbar, ja – aber trotzdem jubeln?
Wenn das eigene Team das entscheidende Tor schießt, kann es beim Jubel kurzzeitig auch lauter werden. Ob das in jedem Fall innerhalb der geltenden Lärmgrenzwerte bleibt, hängt vom jeweiligen Umfeld und dessen Toleranz ab.
Wie die Erfahrung uns lehrt, lautet die Antwort auf solche Fragen: manchmal so, manchmal so. Im Fall des Palace offenbar nicht so gnädig. Im Fall der Bar am Kirchplatz oder bei Leon’s, beide ebenfalls in der Kanzleistraße, vielleicht etwas toleranter gegenüber der Geräuschkulisse?
Jedenfalls gibt es viele Orte in der Innenstadt, an denen die Handhabung der Anbieter in nächster Zeit getestet werden wird.
Am Sonntag spielt Deutschland – wann? Zum Glück um 19 Uhr.












Foto: SpVgg Bayreuth
Sie haben den Umzug gestemmt: Archivarin Carolin Baumann (rechts) und ihr Team. © Stefanie Schweinstetter