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Integrierte Leiststelle stellt KI-Live-Übersetzer vor
Bei einem Notruf kann jede Sekunde über Leben und Tod entscheiden. Sprachbarrieren sind daher ein großes Problem für Rettungskräfte und Hilferufende. „Asgard“ löst dieses Problem mit modernster Technik.
Sprachbarrieren im Notfall – lebensgefährlich
Im Alltag können Sprachbarrieren eine Einladung sein etwas dazuzulernen. Nur braucht das Zeit und Ruhe. Genau die Dinge, die man in einem Notfall nicht hat. Besteht bei einem Notruf eine unüberwindbare Sprachbarriere, kann das im schlimmsten Fall sogar Leben kosten.
Im Einzugsbereich der Integrierten Leitstelle Bayreuth/Kulmbach werden nicht-polizeiliche Notrufe für beide Landkreise, wo etwa 250.000 Menschen leben, angenommen und an die entsprechenden Einsatzkräfte weitergegeben. Dort kämpft man schon lange mit diesem Problem. Doch nun gibt es Abhilfe.
Am Freitag, den 26. September wurde in der ILS das neue System „ASGARD“ vorgestellt. Markus Ruckdeschel, Kreisgeschäftsführer des BRK Kreisverbandes, erklärt die Funktionsweise:
„ASGARD ist eine Software-Anwendung, die unseren Disponenten hier in der Leitstelle die Möglichkeit gibt, in beide Richtungen simultan mit Notrufenden zu sprechen, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind. Als integrierte Leitstelle ziehen wir uns damit nicht auf die Amtssprache Deutsch zurück. Bisher mussten wir uns mit Übersetzern, die wir dazugeholt haben, helfen, was natürlich in zeitkritischen Situationen schwierig ist. Mit der neuen Technologie schaffen wir das jetzt ‚just in time‘.“
Bei einer Live-Demonstration mit einem simulierten Notruf auf Russisch wurde das System eindrucksvoll vorgeführt. Die KI erkennt, welche Sprache am anderen Ende gesprochen wird und gibt dem zuständigen Mitarbeiter in der Leitstelle Textbausteine auf Deutsch vor, die er auswählen kann. Daraus wird dann in der Sprache des Anrufers eine Antwort generiert. Das soll die Leitstelle alle Informationen erhalten um die Rettungskräfte an den richtigen Ort zu schicken.
Schnelle Hilfe für alle
Durch die Anwendung der KI wird nicht nur die öffentliche Sicherheit gefestigt, sondern auch ein Beitrag zur Gleichbehandlung geleistet. Landrat Florian Wiedemann betonte in seiner Rede:
„Es ist ein beruhigender Gedanke, dass Menschen, egal ob sie aus Bayreuth, aus Barcelona oder Bagdad stammen, im Ernstfall nun verstanden werden und schnell Hilfe bekommen. Dass Notrufe künftig in Echtzeit übersetzt werden können und Verständigung in über 400 Sprachen möglich ist, ist nicht nur eine technische Innovation. Es ist ein starkes Signal an unsere Gesellschaft. Wir lassen niemanden allein – unabhängig von Herkunft und Sprache.“
Entwickelt wurde die Software von der österreichischen Firma „Frequentis“, die auf sicherheitskritische Informations- und Kommunikationssysteme spezialisiert ist. Laut Staatssekretär Sandro Kirchner ist „ASGARD“ schon seit Längerem bei der ILS als Pilotprojekt im Probe-Einsatz und wurde nun offiziell in Betrieb genommen. Doch die Entwicklung sei noch nicht am Ende. „Frequentis“ arbeitet weiter daran, die KI zu verbessern, bis sie in der Lage sein wird, in Echtzeit zu übersetzen.
Bayreuth ist bunt
Als Transitland und Tourismusregion hat der Landkreis Bayreuth regen Durchgangsverkehr. Darüber hinaus ist die Stadtbevölkerung zu einem nicht unerheblichen Anteil international durchmischt. Oberbürgermeister Thomas Ebersberger nennt reale Zahlen:
„Wir haben in Bayreuth bei ungefähr 73.500 Einwohnern, über zwölftausend Menschen mit einem ausländischen Pass. Wir haben dazu etwa achttausend, die in Russland geboren sind und viele andere, die mittlerweile die deutsche Staatsangehörigkeit haben.“
Natürlich sprechen viele dieser Menschen perfektes Deutsch, Englisch oder beide Sprachen. Dennoch zeigen die Zahlen, dass ein beträchtlicher Anteil der Bevölkerung von dem neuen System profitieren könnte.












Blaulicht Symbolbild: Pixabay.
Foto: André Wermescher