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Bildungslücken füllen

„Salon Spezial“ in Bayreuth erinnert an Pionierin der Gleichberechtigung: Dr. Elisabeth Selbert

Zum 130. Geburtstag und 40. Todestag von Dr. Elisabeth Selbert widmet Bayreuth der Mitgestalterin des Grundgesetzes einen „Salon Spezial“. Lesungen, Diskussionen und Ausstellungen rücken ihr Wirken in den Mittelpunkt.

Jubiläumsjahr für eine Wegbereiterin der Demokratie

Im Jahr 2026 wird in Bayreuth nicht nur der Festspielsommer begangen – auch an eine zentrale Persönlichkeit der deutschen Demokratiegeschichte wird erinnert: Elisabeth Selbert. Die Juristin, geboren 1896, wäre in diesem Jahr 130 Jahre alt geworden; zugleich jährt sich ihr Todestag zum 40. Mal.

Als eine der vier „Mütter des Grundgesetzes“ setzte Selbert 1948/49 im Parlamentarischen Rat durch, dass der Satz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ in Artikel 3 Absatz 2 des Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschlandaufgenommen wurde. Ihr Engagement gilt als Meilenstein für die rechtliche Gleichstellung in Deutschland.

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„Salon Spezial“ im RW21

Mit einem „Elisabeth Selbert Salon Spezial 2026“ widmen sich die RW21 Stadtbibliothek Bayreuth, die Volkshochschule sowie weitere Kooperationspartner dem Leben und Wirken der Sozialdemokratin. Ziel ist es, Selberts Bedeutung stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Der Veranstaltungstag bietet ein vielseitiges Programm für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Neben einer Einführung und Beiträgen junger Menschen, die Selberts Biografie vorstellen, ist ein „vielstimmiger Salon“ mit Lesungen, Kunst, Performance und Austausch geplant. Auch spontane Wortmeldungen aus dem Publikum sind vorgesehen.

Diskussion über Gleichberechtigung heute

Am Nachmittag steht eine Diskussionsrunde im Mittelpunkt. Unter dem Leitgedanken „Gleichberechtigung – Wo stehen wir?“ soll über Fortschritte, bestehende Herausforderungen und die Rolle der Erinnerungskultur gesprochen werden. Dabei geht es auch um die Frage, welchen Platz bedeutende Frauen im kollektiven Gedächtnis und im Bildungssystem einnehmen.

Ergänzt wird das Programm durch ganztägige Aktionen: Eine Postkarteninitiative wirbt dafür, Elisabeth Selbert stärker im Lehrplan zu verankern. Zudem zeigen Kinder Kunstwerke in der Bibliothek, während die Volkshochschule die Ausstellung „Rebellinnen – Frauen verändern die Welt“ präsentiert.

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Engagement mit nachhaltiger Wirkung

Elisabeth Selbert hatte ihren Antrag zur Gleichberechtigung im Parlamentarischen Rat erst nach öffentlichem Druck durchsetzen können. Nachdem ihr Vorschlag mehrfach abgelehnt worden war, mobilisierte sie Frauen in den westdeutschen Besatzungszonen und Berlin, wodurch der entscheidende Passus schließlich ins Grundgesetz aufgenommen wurde.

Für ihr Engagement erhielt sie 1956 das Bundesverdienstkreuz. Seit 1983 vergibt das Land Hessen zudem den Elisabeth-Selbert-Preis für besondere Leistungen im Bereich der Chancengleichheit.

Der „Salon Spezial“ ist öffentlich zugänglich, der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Ziel der Veranstaltung ist es, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Gleichberechtigung miteinander ins Gespräch zu bringen.