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Schockanruf-Prozess in Hof geplatzt: Angeklagter fehlt nach angeblichem Angriff
Im Schockanruf-Prozess am Landgericht Hof hat sich am Montagmorgen (17.08.2026) der Prozessauftakt verzögert – ausgerechnet weil einer der beiden Angeklagten zu Verhandlungsbeginn fehlte. Der Fall reiht sich in eine Serie von Schockanruf-Betrügereien ein, die auch die Region Bayreuth seit Monaten beschäftigt.
Verhandelt wird gegen zwei mutmaßliche Hintermänner des Betrügernetzwerks, das bereits mehrfach vor Gerichten in Oberfranken stand. Die Ermittlungen gehen unter anderem auf den spektakulär gescheiterten Betrugsversuch an einem pensionierten Polizisten in Hof zurück.
Was am Montag vor Gericht passierte
Um neun Uhr sollte die Verhandlung beginnen. Der erste Angeklagte war pünktlich da – er kam direkt aus der Untersuchungshaft in den Gerichtssaal. Der zweite Platz auf der Anklagebank blieb jedoch leer.
Der fehlende Mann gab an, im Vorfeld mehrfach geschlagen und bedroht worden zu sein. Zum eigentlichen Verhandlungsbeginn habe er sich noch am Frankfurter Hauptbahnhof aufgehalten. Weil nicht beide Angeklagten erschienen waren, konnte der Prozess nicht wie geplant stattfinden. Das Gericht vertagte die Verhandlung auf einen neuen Termin.
Der Fall, der alles ins Rollen brachte
Ausgangspunkt der Ermittlungen war ein Vorfall im Herbst 2025: Betrüger versuchten, den pensionierten Polizisten Gottfried Burri in Hof per Schockanruf um seine Wertsachen zu bringen. Statt sich täuschen zu lassen, drehte der 71-Jährige den Spieß um, lockte den Geldabholer in eine Falle und hielt ihn bis zum Eintreffen der Polizei fest.
Der damals überwältigte, 21 Jahre alte Abholer wurde bereits zuvor rechtskräftig verurteilt. Erst kürzlich, am 5. August 2026, verurteilte das Landgericht Hof auch einen sogenannten Strippenzieher des Netzwerks zu drei Jahren und acht Monaten Haft – er hatte Geldabholer in Deutschland koordiniert und das erbeutete Geld übernommen. Der aktuelle Prozess gegen die beiden mutmaßlichen Hintermänner ist damit bereits das dritte Verfahren in derselben Ermittlungsserie.
Schockanrufe sind auch in der Region Bayreuth ein Dauerthema
Die Masche ist in Oberfranken alles andere als neu. Erst im Dezember 2025 hatte die Kripo Hof im Zusammenhang mit demselben Netzwerk den mutmaßlichen Kopf einer Schockanruf-Bande festgenommen. Auch das Landgericht Bayreuth hat bereits Abholer verurteilt, etwa im Fall einer Rentnerin aus Gefrees, die die Betrüger 2023 selbst in eine Falle lockte.
Wie hartnäckig die Betrugsmasche bleibt, zeigt sich auch an aktuellen Fällen: Erst kürzlich wurde in Heinersreuth sogar ein Kind Ziel eines Schockanrufs. Sparkassen und Bankmitarbeiter in der Region gelten inzwischen als wichtige Frühwarner, weil sie auffällige Bargeldabhebungen älterer Kundinnen und Kunden erkennen können.
Häufige Fragen
Was ist ein Schockanruf?
Bei einem Schockanruf geben sich Betrüger am Telefon meist als Polizisten, Staatsanwälte oder Verwandte aus und behaupten, ein Familienmitglied habe einen schweren Unfall verursacht. Nur eine hohe Geldsumme könne angeblich eine Haftstrafe verhindern.
Worum geht es im aktuellen Prozess am Landgericht Hof?
Zwei Männer müssen sich als mutmaßliche Hintermänner des Schockanruf-Netzwerks verantworten, das unter anderem hinter dem gescheiterten Betrugsversuch an einem pensionierten Polizisten in Hof steckte.
Warum wurde die Verhandlung vertagt?
Einer der beiden Angeklagten erschien nicht rechtzeitig zum Verhandlungsbeginn. Er gab an, zuvor geschlagen und bedroht worden zu sein und sich zum geplanten Sitzungsstart noch in Frankfurt aufgehalten zu haben.
Was ist mit den anderen Beteiligten des Netzwerks passiert?
Der ursprüngliche Geldabholer wurde bereits verurteilt, ein sogenannter Strippenzieher des Netzwerks erhielt am 5. August 2026 eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und acht Monaten. Weitere Gerichtstermine im Zusammenhang mit dem Netzwerk sind angekündigt.
Wann geht der Prozess weiter?
Ein neuer Verhandlungstermin stand zum Zeitpunkt der Berichterstattung noch nicht fest.












Symbolbild: Pixabay
Vanessa, Daniela und Chrissy im Familienstübla ©Katharina Müller-Sanke