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Busausfälle am Montag

Streik-Frust in Bayreuth: Trifft es die Schwächsten am härtesten?

Der ÖPNV-Streik trifft Bayreuth zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Nach zahlreichen wetterbedingten Ausfällen sorgt nun die Taktung des Streikfahrplans für massiven Unmut. Besonders brisant: Während der Takt am Nachmittag nur verdoppelt wird, müssen Schulkinder mittags teils viermal so lange warten wie üblich. Ein Kommentar zur schwierigen Balance zwischen Streikrecht und Zumutbarkeit.

Der angekündigte Busstreik in Bayreuth sorgt für massiven Unmut in der Bevölkerung. Und das nicht nur, weil in den vergangenen Wochen ohnehin auffällig viele Busse ausgefallen sind. Sondern weil dieser Streiktag besonders Familien hart trifft.

Eltern besonders belastet

In der vergangenen Woche sind die Busse wegen des Wetters mehrmals ausgefallen. Nachdem im Nachbarlandkreis Kulmbach am Mittwoch und in der Vorwoche in der benachbarten Oberpfalz die Schule ausgefallen ist, sind die Eltern auch in Bayreuth in Hab-Acht Stellung. Und nun kommt zu den Ausfällen wegen des Wetters auch ein Streiktag dazu.

Natürlich gilt: Streik ist ein Grundrecht. Beschäftigte im öffentlichen Nahverkehr dürfen und sollen für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen. Das ist legitim und wichtig. Doch ebenso legitim ist die Frage, wie gestreikt wird – und wen die Folgen am härtesten treffen.

In Bayreuth ist sogar eine Petition gegen den Streik gestartet worden

Kälte, Ausfälle, Frust: Warum der Ärger so groß ist

Viele Bayreutherinnen und Bayreuther erleben den ÖPNV derzeit ohnehin als unzuverlässig. Auch wenn das natürlich nicht die Schuld der Busfahrer ist, sondern am Winterwetter liegt. Wenn dann ausgerechnet an einem Wintertag Busse noch seltener fahren, wächst der Frust schnell. Lange Wartezeiten an zugigen Haltestellen sind unangenehm für alle – aber für eine Gruppe ganz besonders.

Ausgerechnet Schulkinder sind am stärksten betroffen

Eine Mutter hat sich dazu mit deutlichen Worten an die Redaktion gewandt. Ihr Beispiel zeigt, wie ungleich die Belastung verteilt ist:

„Laut Streikfahrplan fährt die Buslinie 301 ab dem ZOH nach Laineck zur Schulschlusszeit am Mittag nur noch alle 80 Minuten statt wie üblich alle 20 Minuten.“

Am späteren Nachmittag wird der Takt ebenfalls reduziert, allerdings nur auf alle 40 Minuten.

Hier ist der ausführliche Streikfahrplan

Die Konsequenz ist offensichtlich:

„Damit sind ausgerechnet Schulkinder auf dem Heimweg am stärksten betroffen. Sie müssen ein viermal so langes Warten hinnehmen, während Erwachsene am Nachmittag lediglich doppelt so lange auf den Bus warten müssen.“

Die Stadtwerke tun sicher alles dafür den Verkehr so gut es geht aufrecht zu erhalten. Für Kinder sind allerdings 80 Minuten Wartezeit auf dem Heimweg von der Schule eine heftige Belastung. Die Alternative? Eltern müssen schon wieder frei nehmen und die Kinder von der Schule abholen.

Keine Alternative

Von Seiten des Kultusministeriums heißt es in einer Stellungnahme am Wochenende, dass Kinder, wenn sie durch die Streiks nicht zur Schule kommen können oder zu spät kommen, entschuldigt sind. Auch das bedeutet aber wieder: Die Kinder müssen betreut werden.

Stattdessen werden viele Kinder daher an Haltestellen stehen, warten teils über eine Stunde, steigen in überfüllte Busse. Vor allem jetzt im Winter, wenn es auch noch kalt ist und die Wartezeit sich in die Länge zieht.

Balance finden

Akzeptanz für Arbeitskämpfe entsteht nicht nur durch Verständnis für die Forderungen – sondern auch durch Fairness bei den Folgen. Und genau hier liegt der wunde Punkt dieses Streikmontags. Denn wenn am Ende diejenigen den längsten Atem brauchen, die sich am wenigsten wehren können, läuft etwas schief.