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Zuletzt aktualisiert am 14. November 2024 | 14:39

bt im Gespräch

„Ich bin ein Optimist“ – Wolfram Brehm im bt-Interview

von Katharina Müller-Sanke

„Die Lage ist besser als die Stimmung“, betont Wolfram Brehm im bt-Interview. Er bezeichnet sich selbst als Optimisten, aber er betont auch, was Deutschland und die deutsche Wirtschaft dringend brauchen, um wieder auf Kurs zu kommen.

Wolfram Brehm, Hauptgeschäftsführer der IHK für Oberfranken in Bayreuth. ©Katharina Müller-Sanke
Wolfram Brehm, Hauptgeschäftsführer der IHK für Oberfranken in Bayreuth. ©Katharina Müller-Sanke

„Uns fehlt Planungssicherheit“, das betont Wolfram Brehm von der Industrie- und Handelskammer für Oberfranken im Gespräch immer wieder. „Es muss gar nicht unbedingt alles billiger werden für die Unternehmen. Aber sie müssen wissen, wann sich ihre Investitionen amortisieren und wie die Rahmenbedingungen sind“, so Brehm. Unsicherheit sei aktuell das größte Problem. „Wenn die Unternehmen mit mehreren Standorten nicht wissen, wie es bei uns weitergeht, dann investieren sie außerhalb“.

Das wirtschaftliche Blatt wendet sich

Doch wie ist es dazu gekommen? „Wir hatten jetzt über 10 Jahre lang wirtschaftliche Boomzeiten“, sagt Brehm und verweist darauf, dass es politisch in dieser Zeit vor allem darum gegangen sei, das Geld richtig auszugeben. Die Steuereinnahmen wurden jährlich nach oben korrigiert. Nun wendet sich das Blatt. Grund dafür sind natürlich auch die externen Schocks der letzten Jahre – Kriege, der Gas-Stopp und so weiter. Für die konnte die Regierung natürlich nichts.

Kleine Fehlentscheidungen – große Auswirkungen

Doch dazugekommen seien dann ein paar Fehlentscheidungen, die sich massiv ausgewirkt hätten. Als Beispiel nennt Brehm den Wärmepumpenmarkt. Im Landkreis Kulmbach sind gleich zwei weltweit agierende Wärmepumpenhersteller betroffen, die beide angeschlagen sind, obwohl der Wärmepumpenmarkt eigentlich boomen müsste. Doch nach der Diskussion ums Heizungsgesetz haben sich viele Bauherren noch kurzfristig für Öl- oder Gasheizungen entschieden und durch die aktuell wieder steigenden Zinsen wird ohnehin weniger gebaut. „Es ist so frustrierend, wenn Du weißt, der Markt wird kommen, du hast das richtige Produkt und dann wirst Du von politischen Maßnahmen in deiner Handlungsfähigkeit begrenzt“, so Brehm.

Eine Schuld will er der aktuellen Regierung aber nicht geben. „Jeder der Politik macht, tut das, um das Beste zu erreichen für das Land. Daran habe ich keinen Zweifel. Doch die Agenda schnell durchzusetzen, während die Lage an den Weltmärkten so schwierig ist, war riskant. Wir brauchen wieder mehr langfristige Strategien und Klarheit“, sagt er.

Doch nicht nur die Lage im eigenen Land sorgt bekanntlich für Verunsicherung. Welche Maßnahmen Donald Trump als US-Präsident durchsetzen wird, ist ebenfalls unklar. Viele haben Angst vor Zöllen. Die werden bisher insbesondere eingesetzt, um Wettbewerbsnachteile auszugleichen, zum Beispiel wenn in anderen Ländern eine bestimmte Branche subventioniert wird. Das gilt zum Beispiel bei China und der Solarindustrie. Die Europäische Union verlangt hier Strafzölle als Ausgleich. Gemeinhin ist sich die Weltgemeinschaft einig, dass der Welthandel etwas Gutes ist und möglichst wenig behindert werden sollte. Deutschland als Exportnation setzt auf den Welthandel. Wenn da nun durch Amerika Einschnitte drohen – wie sie jetzt ins Spiel gebracht wurden, verunsichert das Unternehmen noch weiter.

„Trotzdem bin ich Optimist“ – Wirtschaft ist Wandel

Deutschland ist nach wie vor eine der stärksten Volkswirtschaften der Welt, betont Wolfram Brehm und verweist auf mehrere Wirtschaftszweige, die gut laufen. Dass das Auto unsere Leitindustrie ist – wie es ja lange der Fall war, werde sich vielleicht ändern. Aber zum Beispiel im Bereich Gesundheitswesen und  Gesundheitstechnik gebe es zukunftsweisende Unternehmen – er denkt dabei an Raumedic in Helmbrechts oder im Bereich Biotechnologie an das Kulmbacher Unternehmen axolab.

Was wir brauchen: Zuversicht

Auf die Neuwahlen auf Bundesebene setzt Brehm durchaus Hoffnung. Diese könnten seiner Einschätzung nach auch eine Kehrtwende in den Köpfen der Menschen bewirken. Er spricht von einer möglichen Aufbruchstimmung. Aktuell sehen viele schwarz. Die Stimmung bei Unternehmensumfragen ist durchwachsen. „Aber die Stimmung ist schlechter als die tatsächliche Lage – das zeigen die Zahlen auch“, so Brehm. Die „German Angst“ dominiert das Denken vieler Menschen.

Reden wir uns selbst schlecht?, fragen wir uns.

„Es ist nicht alles so schlecht wie es dargestellt wird, aber die German Angst gehört auch irgendwie dazu: Wir denken einfach auch immer an die negativen Auswirkungen und bereiten uns darauf vor. Das hat uns auch dahin gebracht, wo wir heute sind“, gibt Brehm zu bedenken und erinnert daran, dass in jeder Schwierigkeit und jedem Wandel auch eine Chance steckt.

„In Sicherheitsfragen zum Beispiel haben wir uns lange von Amerika abhängig gemacht. Jetzt geht es aktuell darum, dass wir da selbst mehr tun müssen und investieren: Eine gute Chance für heimische Betriebe“. Investitionen bedeuten ja auch immer, dass Unternehmen vor Ort Aufträge bekommen. Sei es im Bereich Wehrtechnik, in der Bauwirtschaft oder bei Uniformen.

Was würde er sich wünschen?

Was also ist zu tun rund um einen Aufbruch in der Wirtschaft? Was wollen die Industrie, die Dienstleistungen und der Handel von der Politik? Dass es langfristig Stabilität braucht, ist klar. Aber was ginge kurzfristig? „Einfach mal nichts machen – das würde helfen. Ein Moratorium und einfach mal ein halbes Jahr nichts tun insbesondere auf europäischer Ebene: keine neuen Regelungen, keine neue Berichtspflichten“, zählt er auf und auch die hohen Steuern insbesondere auf Energie könnte man aussetzen. So könnte man guten Willen zeigen und dann auch relativ schnell den positiven Hebel im Hirn der Menschen umlegen. Für ein gemeinsames Gefühl von: Packen wir es an.




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