Anzeige

Freizeit

Bayreuths “Neuer Weg” – Die ehemalige Armensiedlung

Woher kommen eigentlich die siedlungsgeschichtlichen Namen der Bayreuther Ortsteile? In Teil 27 der Serie widmet sich bt-Hobbyhistoriker Stephan Müller dem “Neuen Weg”.


Der Bayreuther Ortsteil “Neuer Weg”

Den Ortsteil rund um die Wiesenstraße und die Mainstraße nennen viele Einheimische noch heute “Neuer Weg” beziehungsweise in Mundart “Neia Wech”. Im Mittelalter hieß diese kleine “Vorstadt”, die das Bayreuther Armenviertel war, tatsächlich “Neuer Weg”.

Es war eine Anhäufung von armseligen Behausungen vor der nördlichen Stadtmauer in einem sumpfigen Gelände jenseits des Roten Mains, der hier in zwei Armen “Altbach” und “Armung” dahinfloss. Die Behausungen waren kaum von den daneben stehenden Städeln, Schafställen oder Schuppen zu unterscheiden.

Armenviertel als “Vorstadt” zu Bayreuth

Die Menschen im “Neuen Weg” standen zu den Bürgern innerhalb der Stadtmauer in einem ziemlichen Gegensatz. Alle Elemente, die man innerhalb der Ringmauern nicht haben wollte, mussten vor den Mauern und Toren bleiben. Soweit sie Landfremde oder Untertanen anderer Herren waren, unterstanden sie einem eigenen Gericht. Die Vorstadt hatte häufig unter Hochwassern zu leiden.

Der Rote Main hat übrigens auch noch vor einem Jahrhundert Angst und Schrecken verbreitet. So nahm das berüchtigte Jahrhundert-Hochwasser im Jahr 1909 vor im Armenviertel katastrophale Ausmaße an. Gravuren in Sandsteinen und Pegelstriche mit der Höhenangabe deuteten bis in die heutige Zeit auf die Spuren der damaligen Überschwemmung hin.

Im Jahr 1444 wurde ein Stück des Neuen Weges – etwa am heutigen Luitpoldplatz – gepflastert, um den “Durchgangsverkehr” von der Hohen Straße zur “Alten Heerstraße” nach Bindlach und Gefrees durch das sumpfige Gelände zu vereinfachen.


Text: Stephan Müller