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Beunruhigend: Die Kehrseite der Digitalisierung

Jeder kennt sie, jeder nutzt sie und jeder liebt sie: die Vorteile der Digitalisierung. Kein Wunder, niemand kann sich ihr im täglichen Leben ohne Weiteres entziehen. Doch es gibt auch eine Schattenseite.

Die Digitalisierung betrifft inzwischen alle Lebensbereiche. Freundschaften und Partnersuche finden digital statt – über Whats-App, Facebook, Tinder und Co. –, in der Berufswelt würden die meisten Arbeitnehmer ohne Computer und digitale Technik acht Stunden nur Däumchen drehen, es gibt kaum ein Unternehmen, dass keinen Onlineauftritt hat, und auch in der Freizeit und zu Hause sind Streaming-Dienste, soziale Netzwerke, Onlineshops und Apps für jede nur denkbare Situation nicht mehr wegzudenken.

Immer mehr Menschen nutzen Streaming-Dienste. Dadurch steigt auch der Energieverbrauch enorm. Foto: Pixabay

Doch der digitale Fortschritt hat auch eine Schattenseite, die kaum jemand beachtet: einen enormen Energieverbrauch. Der Energiebedarf, der für die Produktion und den Betrieb von Smartphones, Computern und Servern benötigt wird, wächst stetig. Laut einer Studie des französischen Think-Tanks „The Shift Project“ steigt der Verbrauch jedes Jahr um neun Prozent. Zum Großteil dafür verantwortlich sein, soll laut der Studie, die enorme Zunahme des Streamings.

Die derzeitige digitale Umstellung wirkt sich mehr auf die globale Erwärmung aus, als sie zu verhindern hilft. Handlungsbedarf ist daher dringend.

(Auszug aus der Studie „Lean ICT – Towards Digital Sobriety“)

Auswirkungen auf das Klima

Wie aus der Studie hervorgeht, verbrauchen zehn Minuten Video-Streaming in HD auf einem Smartphone ebenso viel Energie wie ein Herd mit zwei Kilowatt Leistung, der fünf Minuten lang auf höchster Stufe läuft. Dadurch seien Digitaltechnologien mittlerweile für 3,7 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich – während auf den zivilen Luftverkehr im Jahr 2018 lediglich zwei Prozent der Emissionen entfielen. Der Digital-Anteil an den weltweiten Emissionen könnte bis 2025 auf mehr als acht Prozent steigen, was höher wäre, als der aktuelle Anteil von Autos und Motorrädern, wie die Forscher herausfanden.

Digital schlank werden

Digitales Fasten liegt im Trend. So unaufhaltsam der digitale Wandel auch ist, und so unverzichtbar Smartphone und Co. auch sind, die Energiefresser zehren nicht nur am Stromnetz sondern häufig auch am Nervenkostüm ihrer Nutzer.

Mit ein paar einfachen Tipps gelingt es, nicht nur Energie zu sparen und somit die Umwelt zu schonen sondern auch die eigenen Reserven, um besser zur Ruhe zu kommen.

  1. Das Smartphone gehört nicht ins Bett
  2. Handy weg beim Essen
  3. Bei Verabredungen ist das Smartphone tabu
  4. Push-Benachrichtigungen ausschalten

Bernd Rothammel, Leiter des Klimaschutzmanagements am Landratsamt, rät, schon bei der Wahl der elektronischen Geräte auf den Energieverbrauch zu achten: „Ein Laptop ist zum Beispiel energiesparender als ein Desktop-Computer.“

Hinter dem Internet steckt eine weltweite Infrastruktur mit Datenleitungen, tausenden Servern, Rechenzentren, Mobilfunkmasten und Satelliten mit entsprechend hohem Energiebedarf. Laut „New York Times“ verbrauchen allein die Datenzentren von Google so viel Strom wie eine 200.000-Einwohnern-Stadt, sagt Rothammel.

Klimafreundlich im Internet surfen

Einfach und effektiv sei es, sich einen E-Mail-Anbieter zu suchen, der energieeffiziente Server nutzt, die mit Öko-Strom betrieben werden. Bereits für etwa einen Euro im Monat kann jeder saubere E-Mails bekommen.

Eine Suchanfrage bei einer konventionellen Suchmaschine verbraucht soviel Strom, dass man damit eine LED-Lampe eine Stunde lang betreiben könnte.

(Bernd Rothammel, Leiter des Klimaschutzmanagements)

Auch hier gibt es klimafreundliche Alternativen zu Google und Co. So arbeitet die deutsche Suchmaschine Ecosia nach eigenen Angaben CO2 neutral. Die Einnahmen werden für Baumpflanzaktionen eingesetzt. So wurden schon über 50 Millionen Bäume gepflanzt.

Die Kehrseite des Wohlstands der Gesellschaft und der schnell wachsenden Wirtschaft, sind deren klimaschädliche Treibhausgasemissionen. Dennoch bringe die Digitalisierung auch positive Effekte mit sich, die dem Klimawandel entgegenlaufen, sagt Rothammel. Als Beispiele nennt er Videokonferenzen im Berufsalltag, die Geschäftsreisen ersetzen, oder dass weniger Bücher gedruckt werden müssen und somit Holz gespart wird, wenn vermehrt online gelesen wird.