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Boxtrainer Schoberth: Im Ring mit dem Michalczewski-Besieger

Man kennt ihn als den Mann mit dem Zahnstocher. Und einer sehr direkten, aber immer gut gemeinten Art. Seit er mit 17 Jahren aufgehört hat zu rauchen, steckt der Zahnstocher im Mundwinkel. Sport oder rauchen, das war die Entscheidung. Seine Tochter hat ausgerechnet, dass er ungefähr 28 000 Zahnstocher verbraucht hat – und das war vor drei Jahren.

Von Mädels und Damen

Im Boxstudio BCB Bayreuth gibt es zwei Gruppen Trainierende. Es gibt die Mädels und es gibt die Damen. Die Damen sind die weiblichen Boxer. Die Mädels sind die Jungs und Männer. Die, die sich regelmäßig den ein oder anderen Spruch anhören müssen. Von Samthandschuhen hat Gerhard Schoberth in dem Zusammenhang noch nichts gehört. Und das ist auch gut so.

Können wir AC/DC hören, Gerhardt?

Sprüche wie „Du kannst höchstens einem gefesselten Mann einen Boxhieb verpassen“ oder „Na, du Hässlichkeit“ sind an der Tagesordnung. Aber immer mit einem liebevollen Zwinkern. Denn dass Gerhard Schoberth seine Arbeit mag, daran besteht kein Zweifeln. Er hat mehrere Schützlinge, die er trainiert. Und in dem Boxstudio, indem er als Trainer arbeitet, hat wirklich jeder seinen Platz. Das Alter reicht von fünf bis über 60 Jahre. Die jungen Boxer bringen oft auch ihre Geschwister mit. Es ist eine familiäre Atmosphäre und das zu Metal und Rockmusik, die ihm seine Tochter extra zusammenstellt. Und wenn die Musik zu schräg wird, wünscht sich der ein oder andere einfach die AC/DC-Platte.

Foto: red.

Eine ziemlich linke Sau

Auf Aufklebern im Studio stehen Dinge wie „Rassismus führt zum Verlust Ihres Mitgefühls“ neben „Die Freiheit der Meinung ist UNANtazBAR“ und dem Ausschnitt eines Leserkommentars zu „Fluchtursachen sind doch wir“. Gerhard Schoberth ist eine „ziemlich linke Sau“, das sagt er selber und arbeitet gerne mit Geflüchteten zusammen. Er ist für alle offen.

„Wenn man ihnen feindlich gegenüber steht, das funktioniert einfach nicht.“

„Die sind vor Elend und Not geflüchtet. Da müssen wir ihnen doch eine Chance geben hier zu leben.“ Vorurteile kennt Schoberth nicht. Man merkt, dass er sich mit den Machtverhältnissen in der Welt beschäftigt, dem Ungleichgewicht zwischen den Industrienationen und den Schwellenländern, dem Reichtum der Wenigen.

Viermal Deutscher Meister

1996 beendete Schoberth seine aktive Boxer-Karriere – mit 33 Jahren. Und hat in seiner Amateurlaufbahn dreimal Darius Michalczewski, den Weltmeister im Halbschwergewicht, geschlagen. Auch Sven Ottke stand er im ring gegenüber. Von dem spricht er mit großer Hochachtung. Insgesamt war Schoberth viermal Deutscher Meister und kann auf 250 Amateurkämpfe zurück blicken. Als Jugendlicher hat er zunächst mit Kickboxen angefangen. Im Nachhinein das Beste, was ihm passieren konnte, erzählt er, denn davor habe er sich oft geprügelt.

Der Tod ist der einzige Demokrat

Schoberth erzählt von seinem Vater, der immer gesagt hatbe, dass der Tod der einzige Demokrat sei. „Wir werden geboren und wir sterben, das steht fest. Mitnehmen kann man nichts.“ Man muss direkt an das Lied „Das letzte Hemd hat leider keine Taschen“ aus dem Film „Soulkitchen“ denken:

„Drum laß uns schnell den kleinen Rest vernaschen. Im Himmel braucht der Mensch bestimmt, bestimmt kein Geld.“

Foto: red. Seine Pokale stehen eingestaubt in der Ecke. Gerhard Schoberth ist niemand, der sich profilieren muss.

Bayreuth treu geblieben

Auch während seiner aktiven Boxzeit unter anderem beim CSC Frankfurt hat Schoberth immer in Bayreuth gelebt. Warum er nie weggezogen sei, der Karriere wegen? „Ich hab hier in Bayreuth meine große Liebe gefunden“, ist die Antwort, er möchte nirgendwo anders leben.