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bt-Filmkritik: Once upon a time in Hollywood

Jede Woche sieht sich bt-Filmkritiker Alex Bauer zusammen mit zwei Lesern des Bayreuther Tagblatts den neusten Kino-Film an. Dieses mal war mit „Once upon a time in Hollywood“ der neue Film von Quentin Tarantino an der Reihe.


Darum geht’s:


Das sagt Pamela Meier:


Die Meinung von Axel Walker:


bt-Filmkritiker Alex Bauer findet:

bt- Filmkritiker Alex Bauer.

Kurz nach der Preview von „Once upon a time in Hollywood“ war ich irgendwie enttäuscht, ähnlich wie damals bei „The Hateful Eight“.

Damals konnte mich die Story nicht abholen, die Dialoge waren teilweise nervtötend lang und am Ende litt mein Bild von guten Tarantino-Filmen wieder einmal. Denn schon „Django Unchained“ hatte der Sache einen ordentlichen Knacks verpasst. Und nun also die dritte Tarantino-Enttäuschung in Folge?

Naja, nicht ganz. Der Soundtrack ist wie immer hervorragend und passt wie die Faust aufs Auge zum Los Angeles Ende der 60er Jahre, das Tarantino grandios in Szene setzt. An den Kostümen, der Musik, der Welt drumherum merkt man, dass er ein detailverrückter Mensch ist. Dafür kann man ihn nur feiern.

Der Glamour Hollywoods, das Hippie-Leben, das Ende der großen Cowboyfilmzeit, Tarantinos geliebte Italo-Western dürfen auch nicht fehlen, viele Anspielungen auf großartige Filme und Schauspieler, Tarantino packt alles rein, was geht. Und das macht er hervorragend, keine Frage.

Zugleich verabschiedet er sich aber auch von einer „zusammenhängenden“ großen Geschichte, wie das beispielsweise in „Inglorious Basterds“ der Fall war und lässt den Zuschauer recht lange im Dunkeln, wohin die Reise überhaupt führen wird. Klar ist nur, dass es irgendwas mit dem Mord an der Schauspielerin Sharon Tate zu tun hat, die von Mitgliedern der Charles-Manson-Gang getötet wurde.

Der vermeintliche Weg dorthin dauert aber ziemlich lange, eigentlich sogar viel zu lange. Tarantino reiht eine lose und schräge Geschichte an die nächste, die er – wie immer – vollpackt mit ellenlangen Dialogen der Protagonisten. Das hätte auch knackiger gehen können, ohne auf seine geliebten Dialoge verzichten zu müssen und trübt etwas das Gesamtbild.

Schauspielertechnisch bietet Tarantino alles auf, was Rang und Namen hat. In den Hauptrollen dabei: Leonardo DiCaprio als abgehalfteter Westerndarsteller Rick Dalton und Brad Pitt als dessen Stuntman Cliff Booth, der versucht, seine Schäfchen ins trockene zu bringen, bevor sein Chef und guter Kumpel Rick völlig von der Bildfläche verschwindet. Dabei gefällt Pitt mehr, vielleicht auch weil seine Rolle einfacher gestrickt ist.

Margie Robbie darf den Part von Tate übernehmen, Al Pacino ist auch wieder einmal zu sehen und die Tarantino-Dauerbrenner Bruce Dern, Kurt Russell, und Michael Madsen dürfen auch in kleinen Rollen dabei sein. Und ehrlich: da ist jede Rolle wirklich gut besetzt und macht auch Spaß.

Mit einer Ausnahne: Martial-Arts-Filmstar Bruce Lee als arroganten Dummkopf darzustellen, wirkt völlig deplatziert und ist wirklich nicht lustig. Sowas hat Tarantino auch eigentlich nicht nötig. Dass Tarantino die reale Geschichte am Ende wieder umdeutet und daraus seine Geschichte macht, kennt man schon aus „Inglorious Basterds“.

Für viele wird „Once upon a time in Hollywood“ ein Meisterwerk sein, ich bleibe zwiegespalten zurück. Sehenswert ist der Film allemal, auch weil Tarantino immer noch Filme macht, die so gar nicht dem üblichen Hollywood-Schnickschnack folgen.

4 von 5 Sterne