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Finanzen

Kreditgründe in Deutschland: Wofür wir einen Kredit aufnehmen

In den vergangenen 10 Jahren sind Kredite in der Gesellschaft vollends angekommen. Nahmen viele Menschen in den Sechzigern und Siebzigern Kredite nur in absoluten Ausnahmefällen, der Hausfinanzierung, auf, sind Kredite heute völlig normal. Doch für welche Zwecke werden die Darlehen eigentlich aufgenommen? Dieser Artikel schaut sich einmal die häufigsten Kreditgründe an. Da Baufinanzierungen aufgrund ihrer Höhe und ihrer Ansprüche von den Konsumentenkrediten getrennt werden, tauchen sie in diesem Fall nicht mit auf.

  1. Autokauf: Einer der häufigsten Kreditgründe

Ein großer Teil der Kreditaufnahmen befasst sich mit dem Kauf eines neuen Fahrzeugs. Genau genommen entfallen 58 Prozent der aufgenommenen Kredite auf diesen Verwendungszweck. Konkret heißt das:

  • Gebrauchtwagen – 32 Prozent der Kredite werden für den Gebrauchtwagenkauf aufgenommen. Allerdings ist aus den Statistiken nicht ersichtlich, ob auch Jahres- und Vorführwagen mit in die Gebrauchtwagen aufgenommen wurden. Da diese Fahrzeuge faktisch keine Neuwagen mehr sind, dürften sie jedoch mit unter Gebrauchtwagenkäufe zählen.
  • Neuwagen – mit 26 Prozent stellen die Neuwagen eine weitere große Säule.

Bei Autokäufen ist die Kreditaufnahme verständlich, denn die Kosten der Anschaffung sind meistens nicht aus dem eigenen Einkommen oder Vermögen zu stemmen. Die wenigsten Autokäufer haben das Geld tatsächlich angespart, die meisten müssen eine Finanzierung nutzen. Diese ist auf zwei Wegen möglich:

  • Händlerfinanzierung – alle Händler und Autohäuser bieten eigene Finanzierungsmodelle an. Es ist sinnvoll, sich diese wenigstens einmal anzusehen, denn so lassen sie sich mit dem Kredit von einer Bank vergleichen. Händler selbst können oft kaum Spielraum bieten, da sie Vorverträge mit den Autobanken abgeschlossen haben. Je nach Autohaus spielt der Konzern eine weitere Rolle, denn oft verhandelt der für die Händler mit den Banken vor.
  • Freier Autokredit – er lässt sich online leicht finden und noch einfacher vergleichen. Autokredite trumpfen meist mit sehr niedrigen Zinsen auf, da das Auto als Sicherheit hinterlegt wird. In der Praxis bedeutet das, dass der Autobrief der Bank übergeben Diese gibt ihn nach der letzten bezahlten Rate wieder heraus. Wer dies nicht möchte, der muss mit höheren Zinsen rechnen, da die Sicherheit fehlt.

Auch bei Autokrediten gilt es, die Details zu vergleichen. Der Autobrief ist die eine Sache, doch die Bestimmung über das Fahrzeug eine andere. Manche Banken verbieten vertraglich beispielsweise den Verkauf, andere erlauben ihn generell oder nach einer erfolgten Rücksprache.

  1. Kredite für die Küche und für Möbel

Rund 17 Prozent der Kredite werden für Möbel und die Küche aufgenommen. Auch dies ist verständlich, denn gerade Küchen gehen schnell in die Tausende. Aus den Statistiken wird nicht deutlich, wie hoch der durchschnittliche Kredit in diesem Bereich ist und wo die untere und obere Grenze liegt. Es ist allerdings davon auszugehen, dass die Anschaffungen sich zumeist im Bereich ab 2.500 Euro bewegen. Anschaffungen unterhalb der Summe werden zwar auch finanziert, doch dürften dahinter Darlehen ohne genaueren Verwendungszweck oder schlichte Umzugskredite stecken. Aber worauf sollten Kreditnehmer bei diesen Krediten achten?

  • Angebote einholen – die sind gerade bei der Küchenanschaffung notwendig. Ohne Angebote ist es nicht möglich, den Kreditvergleich durchzuführen, immerhin muss die Summe bekannt sein. Zudem wird nun ersichtlich, ob der Küchenhändler ebenfalls Finanzierungen bietet. Gerade die Küchenstudios bieten eigene Finanzierungsmodelle an. Zwar sind auch die oft teurer als auf dem freien Markt, doch schadet es nie, sie mit in den Vergleich einzubeziehen.
  • Kreditvergleich – wieder sollten entsprechende Kredite miteinander verglichen werden. Online lässt sich der Punkt »Küche/Möbel« meist schon als Verwendungszweck auswählen.
  • Sicherheiten – nun kommt es darauf an. Bei kleineren Krediten ist meist keine Sicherheit notwendig, sofern die finanzielle Situation des Kunden keinen besonderen Anlass gibt. Bei hochwertigen Küchen kann auch diese als Sicherheit genutzt werden.

Natürlich kauft nicht jeder eine Maßküche oder eine Küche aus dem Küchenstudio. Es gibt durchaus brauchbare Küchenzeilen für unter 1.000 Euro. Für die erste Wohnung reichen sie meist völlig aus. Dasselbe gilt für den Möbelkauf. Je nach Größe der Wohnung oder dem eigenen Bedarf ist auch hier ein Gesamtpreis von unter 2.000 Euro möglich. Viele Verbraucher möchten bei solchen Summen keinen Kredit aufnehmen, zumal sie noch im Hinterkopf haben, dass früher Banken Kredite erst ab mindestens 2.500 Euro vergaben. Das hat sich heute geändert – wie auch die Finanzierungsmöglichkeit. Aber sollten Möbel händlerfinanziert werden, damit kein Kredit aufgenommen werden muss? Es kommt darauf an:

  • Ein Händler – sollten alle Möbel bei einem einzelnen Händler gekauft werden, so kann die Finanzierung eventuell infrage kommen. Allerdings müssen die Konditionen gut verglichen werden, auch mit denen passender Kredite.
  • Mehrere Händler – nun ist eine Finanzierung über Händler zwar möglich, doch nicht ratsam. Das Problem ist die Unübersichtlichkeit. Bei Händler A werden monatlich 20,00 Euro gezahlt, bei Händler B 30,00 Euro – alles mit verschiedenen Laufzeiten. Es geschieht schnell, dass einmal eine Rate durchrutscht und es ärgerlich wird. Zudem schätzen viele Menschen diese eigentlich kleinen Raten falsch ein. Dabei summieren sie sich zu einer teils stattlichen Summe, die im Gesamten doch ein finanzielles Loch reißt.

Zuletzt ist es so, dass eine neue Einrichtung nicht bei Möbeln endet. Oft kommen weitere Anschaffungen dazu, die wiederum im Ratenkauf finanziert werden. Sobald dies der Fall ist, empfiehlt sich immer ein Konsumentenkredit. Er ist günstiger, spart Bankgebühren durch die entfallenden Mehrfachbuchungen, und er lässt sich bestens auf die eigene Situation abstimmen.

Tipp: Möbelhäuser und Küchenstudios bieten durchaus Rabatte für Barzahler. Wer einen Kredit aufnimmt, gilt als Barzahler, da die Kaufsumme auf einen Schlag bezahlt wird. Zusätzlich lassen sich Kosten sparen, wenn Vorführobjekte gekauft werden. Dies ist zwar nicht immer möglich, aber eine Nachfrage beim Händler lohnt sich dennoch.

  1. Ablösung von Krediten: Schulden günstiger machen

Nicht jeder Kredit dient der Anschaffung von Gütern. Einige sind rein dafür gedacht, Schulden abzubauen oder umzuschulden:

  • Ablöse/Umschuldung – 16 Prozent aller Kredite werden aufgenommen, um einen laufenden Ratenkredit abzulösen und somit eine Umschuldung zu betreiben.
  • Dispoablöse – 12 Prozent der Kredite dienen der Ablöse des Dispokredits.

Aber weshalb kann es sich lohnen, einen neuen Kredit aufzunehmen, wenn doch der alte noch läuft? Viele Kredite haben längere Laufzeiten. Je höher die aufgenommene Summe ausfällt, desto länger läuft in der Regel ein Kredit. Da sich die Zinsstruktur in den vergangenen Jahren deutlich verändert hat, kann es nun sein, dass der neue Kredit wesentlich günstigere Zinsen bietet. Verbraucher sparen also durch die Ablöse bares Geld. Aber wie funktioniert eine Umschuldung?

  • Kreditvergleich – er muss natürlich zuerst durchgeführt werden. Gleichzeitig sollte geprüft werden, ob Kosten für den Altkredit anfallen, wenn dieser umgeschuldet wird. Wichtig ist, schon bei der Kreditauswahl den Verwendungszweck »Umschuldung/Ablöse« auszuwählen. Kredite dieser Art erfordern geringere Sicherheiten und sind günstiger. Der Grund liegt in der Tatsache, dass ja praktisch keine neuen Schulden aufgenommen werden. Kreditnehmer tauschen lediglich einen alten Kredit gegen einen neuen.
  • Umschuldung – meist wird der Kredit aufgenommen und die Banken führen die Ablöse untereinander durch. Das Geld für Kreditablösen geht selten auf das Konto des Kreditnehmers ein, sondern wird direkt an die Bank, die den abzulösenden Kredit führt, überwiesen. Eine Ausnahme sind Ablösungen von Ratenfinanzierungen: Diese Summe wird natürlich auf das Kundenkonto überwiesen.
  • Wichtig – die Formalitäten rund um die Ablöse des Kredits müssen vorab in Erfahrung gebracht werden. Vielfach fällt eine Vorfälligkeitsentschädigung an, die unbedingt in das Sparpotenzial mit eingerechnet werden sollte. Je nachdem, wie lange der Kredit bereits läuft oder wie die Firmenpolitik ist, wird auf diese Entschädigung aber auch verzichtet. Eine vorherige Abklärung ist dennoch nötig.

Der Ablösekredit beläuft sich auf die Restsumme des Altkredits. Dies ist ein weiterer Spargrund, denn nicht der Anfangskredit wird eins zu eins ersetzt, sondern der Kreditstand zum Zeitpunkt der Umschuldung.

Die Ablöse des Dispokredits kann nur jedem Verbraucher angeraten werden. Wer sich länger als drei Monate im Dispo befindet, der hat es nicht nur schwer, eigenständig wieder auf die Habenseite zurückzukehren, sondern er zahlt teils Zinsen von bis zu 10 Prozent. Kaum ein Verbraucherdarlehen bietet solch schlechte Konditionen, und wenn, ist ohnehin Vorsicht geboten. Für die Ablöse ist wieder ein Kreditvergleich notwendig, dieses Mal mit der Angabe der Dispoablöse. Und dann? Die Umschuldung ist einfach:

  • Kreditabschluss – am Anfang steht der neue Kreditvertrag. Es wird immer wieder dazu geraten, die Kreditsumme ein wenig höher anzusetzen als die Höhe des genutzten Dispos nach allen Abzügen des Monats. Wer beispielsweise mit 1.500 Euro im Minus ist, bis zum Monatsende noch 700,00 Euro Abzüge hat, nimmt möglichst 2.500 – 3.000 Euro auf. Der Überschuss kann nun als Puffer in der Not beiseitegelegt werden. So lässt sich verhindern, künftig gleich wieder in den teuren Kreditrahmen zu rutschen.
  • Ablöse – anders als Ratenkredite gibt es bei dem Dispokredit keinerlei Regelungen zur Ablöse. Sie geschieht schlichtweg bei einem Geldeingang in der entsprechenden Höhe. Sobald also der Kredit auf das Konto überwiesen wurde, ist die Umschuldung geschehen.

Ob es rein psychische Gründe hat, ist ungewiss. Doch vielen Menschen fällt es spielend leicht, die Raten eines echten Ratenkredits zu begleichen, nicht aber denselben Betrag monatlich auf dem Konto stehen zu lassen und somit den Dispo ohne einen Kredit abzubezahlen. Banken bieten die Ablösekredite recht gerne an, denn wieder macht ein Kunde keine neuen Schulden, stattdessen löst er bestehende Schulden ab. Der nun abgelöste Dispokredit bietet dem Kreditgeber zugleich Sicherheit, da der Notpuffer im Ernstfall weiterhin besteht.

  1. Fazit – Kredite erfreuen sich wachsender Beliebtheit

    Der Kauf eines Autos ist für viele Bürger schlichtweg existenziell. Es ist notwendig, um der Arbeit nachgehen zu können, und wer im ländlichen Raum lebt, der hat oft gar keine Chance, auf einen Wagen zu verzichten. Die Anschaffungskosten orientieren sich jedoch nicht an die wichtigen Bedürfnisse, denn sie sind für jedermann hoch. Eine Finanzierung des Fahrzeugs ist also fast immer notwendig und dies sagen die Kreditstatistiken auch aus. Auch Möbel- und Küchenkäufe sind durchaus gute Finanzierungsgründe. Hingegen sind Umschuldungen und Ablösen von Darlehen und Dispokrediten schlichtweg ratsam. Bei langjährigen Krediten können Verbraucher teils deutlich sparen und wer die Kosten eines Dispokredits nicht länger tragen muss, der hat letztendlich mehr Geld in der Tasche.