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Wirtschaft

Geniale Erfindung: Warum die Telefone einer Bayreuther Firma nicht mehr still stehen

Eine Heizung ohne Heizkörper, Heizschlangen oder Ähnlichem: Gibt es nicht? Gibt es wohl. Das bt hat den Erfinder aus Bayreuth besucht. 

Es war ein Fernsehbeitrag im Programm des Mitteldeutschen Rundfunks (mdr) vor wenigen Wochen: Seitdem stehen die Telefone bei der FutureCarbon GmbH in Bayreuth nicht mehr still. In dem Beitrag ging es um die Erfindung von Dr. Walter Schütz und seinem Team. Sehr vereinfacht gesagt, baut die FutureCarbon GmbH Heizungen ohne Heizkörper. Das bt hat ihn in seiner Firma besucht. Mit dem neuen Jahr müssen Öfen, die Baujahr 1995 und älter sind, die sogenannte Feuerschau durch den Kaminkehrer bestehen.

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FutureCarbon aus Bayreuth: Heizung neu gedacht

Die Energiewende in Deutschland läuft: für manche zu langsam, für andere ist sie ein Ärgernis. In diesem Spannungsfeld steht FutureCarbon. Meist für die Industrie, wird dort an neuen Materialien gearbeitet. Einiges davon wird unter der Marke Carbo e-Therm vertrieben und stellt eine innovative Heizlösung dar. Obwohl: Heizung trifft die Sache nicht ganz – nicht in der Form, wie wir sie kennen.

Carbo e-Therm Heizsysteme bestehen streng genommen aus einem Trägermaterial wie beispielsweise Gipskarton, Folie, Glasfasergitter oder einer Vliestapete, welche mit einer Heizfarbe beschichtet werden. Diese Heizfarbe besteht aus Kohlenstoff, ist schwarz und weist eine sehr hohe elektrische Leitfähigkeit auf. Kupferbänder dienen als Elektroden, durch die eine ungefährliche 24V Niederspannung geleitet wird und damit innerhalb kürzester Zeit das komplette Heizelement angenehm erwärmt. Geregelt wird die Wärmeübergabe mittels eines Raumthermostats.

Strahlung statt Konvektion: So funktioniert die innovative Heizung von FutureCarbon aus Bayreuth

Das physikalische Prinzip hinter der innovativen Heizung ist das der Glühbirne. Nur dass der Strom nicht durch einen Glühdraht, sondern durch die elektrisch leitfähige Heizfarbe geleitet wird, welche sich durch den definierten Widerstand erwärmt. Dadurch wird eine angenehme Strahlungswärme an den Raum abgegeben. Strahlungswärme folgt dem Prinzip der Sonne und wird daher von den Nutzern als sehr behaglich empfunden. Kennt jeder, besonders im Winter: Obwohl es draußen kalt ist, wird es uns warm wenn die Sonne scheint.

Eine geniale Idee aus Bayreuth: Das sind die Möglichkeiten

Die FutureCarbon GmbH gibt es seit 2002 in Bayreuth, seit drei Jahren arbeitet Walter Schütz mit seinem Team intensiv an der Heizung.

Das Problem: Die Wand einfach mit der Kohlenstoff-Farbe zu streichen, reicht nicht. Genau wie ein Heizungsbauer seine Arbeit exakt plant, muss diese Farbe exakt aufgetragen werden. Deswegen gibt es vorgefertigte, bereits beschichtete Produkte. Ein komplettes Heizsystem für einen Raum von bis zu 40 Quadratmetern kostet rund 1.700 Euro.

„Eine Fußbodenheizung braucht sehr lange, bis sie warm wird“, erklärt Schütz. Für eine Fußbodenheizung unter einem Parkett gibt es das System aus Kupferbänder und Kohlenstoffschicht als einfach verlegbare verfügbare Folie. Laminat oben drauf: fertig. Für das Bad hat FutureCarbon ein Gitternetz entwickelt, das auf derselben Technik basiert. Darauf kommen Fliesenkleber und Fliesen: fertig. Für Wände und Decken werden Heiztapeten und Trockenbauplatten mit integrierter Kohlenstoff-Heizbeschichtung hergestellt. Somit kann in einem Arbeitsschritt Wandbelag und Heizung installiert werden. Das Portfolio ermöglicht, ein Gebäude vollumfänglich mit den Produkten Carbo e-Therm zu beheizen.

„Den Schalter im Kopf umlegen“: Für wen sich Heizen mit Strom lohnt

„Allgemein lohnt es sich für alle Neubauten“, erklärt Walter Schütz. Niedrige Anschaffungs- sowie Wartungskosten würden sich den etwas höheren Verbrauchskosten gegenrechnen lassen.

Wer eine Photovoltaikanlage auf dem Dach hat, der kann den selbst produzierten Strom für die Heizung aus Kohlenstoff-Farbe verwenden. Darum geht es letzten Endes: das Klimaziel der CO2 Neutralität. „Wir müssen den Schalter im Kopf der Menschen umlegen“, sagt Walter Schütz. Wer Ökostrom bezieht, für den ist diese Art zu heizen eigentlich nur die logische Konsequenz.

„Wir müssen jetzt Endkunden und Handwerker zusammenbringen“, erklärt Walter Schütz. Nach dem Fernsehbeitrag würden viele Anfragen kommen, sowohl von Endkunden wie auch von Handwerkern, doch das reiche noch nicht. „Öl- oder Gasheizung ist ein Auslaufmodell. Es geht darum, dass der Handwerker diese Heizung auch einbauen kann, allein schon, dass er weiß, dass es sie gibt.“

Kohlenstoff-Heizung aus Bayreuth: Was man damit noch machen kann

FutureCarbon arbeitet unter anderem auch für die Automobilbranche. Das Prinzip dieser Heizung auf das Auto übertragen bedeutet schnell verfügbare Strahlungswärme im Innenraum, statt durch den Motor eines Verbrenners erwärmte Luft, die ins Auto-Innere geblasen wird. Außerdem gibt es die Idee, die Kohlenstoff-Farbe auf die Tragflächen von Flugzeugen aufzubringen. Der Vorteil: Man muss sie nicht mehr enteisen.

Bayreuther Tagblatt - Raphael Weiß

 bt-Redakteur Online/Multimedia
Raphael Weiß