Finanzen

Jugend und Finanzen: 60 Prozent der Generation Z wissen nicht, was ein Investmentfonds ist

Betriebliche Altersvorsorge, private Geldanlage, Steuern: Wenn Studienabsolventen oder Azubis ins Berufsleben starten, müssen sie das erste Mal im Leben eigene finanzielle Entscheidungen treffen.

Beim nötigen Know-how dafür ist allerdings noch viel Luft nach oben, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Umfrage des Bankenverbandes deckt Wissensdefizite auf

Eine repräsentative Jungendstudie des Bundesverbands deutscher Banken bringt es an den Tag: 60 Prozent der befragten Studienteilnehmer zwischen 14 und 24 Jahren können nicht erklären, was sich hinter dem Begriff „Investmentfonds“ versteckt.

Beim Begriff „Inflationsrate“ sieht es ähnlich aus: Er ist 44 Prozent der Befragten unbekannt. Die Frage nach der aktuellen Höhe der Rate haben 86 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Studie falsch beantwortet.

Außerdem wurde nach der Rolle der Europäischen Zentralbank (EZB) in der Eurozone gefragt. Hier wussten 68 Prozent der Befragten nicht, dass die EZB für die Preisstabilität in der EU verantwortlich ist. In älteren Studien des Bankenverbandes waren das nur 40 (2018) beziehungsweise 53 Prozent (2015).

Mangelnde Finanzbildung an den Schulen

Eine der mutmaßlichen Hauptursachen für diesen Mangel an Finanzwissen deckt die Jugendstudie ebenfalls auf: Ein Wirtschafts-Unterricht findet an den Schulen kaum statt, Bildungsauftrag hin oder her.

38 Prozent der Befragten haben laut Umfrage an ihrer Schule „nicht so viel gelernt“, und weitere 30 Prozent „so gut wie gar nichts“. Diese offensichtliche Bildungslücke ist der Generation Z durchaus bewusst: So wünschen sich 76 Prozent der befragten Jugendlichen, dass die Vermittlung von wirtschaftlichen Zusammenhängen an den Schulen einen höheren Stellenwert erhält.

77 Prozent werden hier sogar noch konkreter: Sie wünschen sich explizit ein eigenes Schulfach, das sich mit Wirtschaftsthemen befasst. Dabei wünschen sich 87 Prozent der Befragten, dass der Umgang mit Geld im Unterricht mehr behandelt wird. 81 Prozent fordern mehr Infos zur Altersvorsorge, und 76 Prozent wollen laut Studie mehr über unser Wirtschaftssystem sowie die Rolle der Unternehmen darin wissen.

74 Prozent sind in Bezug auf das Finanzsystem und die Rolle der Banken besonders wissbegierig, und 73 Prozent der Befragten wollen mehr über die Möglichkeiten der Geldanlage erfahren. Gerade der letzte Punkt ist für die Jugendlichen extrem wichtig, müssen sie doch aufgrund sinkender gesetzlicher Renten mehr private Altersvorsorge betreiben als ältere Generationen.

Persönliche Finanzberatung ist gefragter denn je

Bei diesen Prozentzahlen wundert es nicht, dass die Generationen Y und Z einen erhöhten Beratungsbedarf haben, wie eine Studie der tecis Finanzdienstleistungen AG zeigt. Der Finanzdienstleister hat in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut YouGov herausgefunden, dass dabei für 60 Prozent der 18- bis 39-jährigen Umfrageteilnehmer die persönliche Finanzberatung absoluten Vorrang vor allen anderen Informationsquellen hat.
34 Prozent von ihnen erwarten, dass der Berater sie umfassend und nachvollziehbar über alle relevanten Finanzprodukte informiert. Die Entscheidung für ein Produkt wollen sie dennoch allein treffen.
44 Prozent der in der tecis-Studie Befragten beziehen ihre Informationen ausschließlich aus dem Beratungsgespräch, und mit 20 Prozent recherchiert weniger als ein Viertel von ihnen völlig selbstständig, wenn es um die Geldanlage geht. An der repräsentativen tecis-Umfrage nahmen 5.069 Personen teil, Umfragezeitraum war der November 2020.