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Private Kranken­versicherung für Selbstständige: Lohnt sich der Wechsel?

Als Freelancer profitiert man von vielen Vorteilen. Freie Arbeitseinteilung, Wahl des Arbeitsortes und die Entscheidung der Versicherungsfrage. Im Gegensatz zu Arbeitnehmern sind Selbstständige versicherungsfrei. Dennoch sollten sich Freiberufler zweifelsfrei absichern: Ist gesetzlich oder privat besser?

Wer sich für das Abenteuer Selbstständigkeit entscheidet, muss auf viele Faktoren achten. Ein gutes Geschäftsmodell, permanente Akquise von Neukunden und ein gewisses Maß an Selbstdisziplin gehören zu den Grundausstattungen, die digitale Nomaden und Freelancer mitbringen sollten. Zwar ist eine ausgeglichene Work-Life-Balance einer der Hauptgründe, warum der Wunsch nach einem ungebundenen Arbeiten in den vergangenen Jahren so merklich angestiegen ist, doch ohne stetigen Nachschub an Projekten geht es nicht.

Zudem müssen sich Freiberufler mit organisatorischen und grundlegenden Themen befassen, die sonst der Arbeitgeber für sie übernimmt. Neben der einfachen Steuererklärung spielt auch das Thema der Krankenversicherung eine größere Rolle. Während Angestellte automatisch in die gesetzliche Versicherung aufgenommen werden, steht es Freiberuflern frei zu entscheiden, ob sie vielleicht doch eher in die private Krankenversicherung möchten.

Wo liegen die Unterschiede?

In erster Linie unterscheiden sich die beiden Versicherungsarten von der Höhe der Beiträge. Der Mindestbetrag der gesetzlichen Krankenkassen beträgt derzeit 153 Euro. Die Gesamthöhe wird jedoch daran bemessen, welche Einnahmen zu erwarten sind und können dementsprechend höher ausfallen. Der fixe Betrag gilt dauerhaft und kann jährlich angepasst werden. Im Gegensatz dazu setzt die private Krankenversicherung auf Flexibilität. Je nach Finanzlage und angekündigtem Einkommen lassen sich die monatlichen Beträge anpassen und problemlos verändern. Monate mit einem geringeren Einkommen können somit besser ausgeglichen werden und stärkere Monate dienen als guter Puffer.

Während die gesetzliche Versicherung keine Voraussetzungen für die Aufnahme verlangt, gibt es in der privaten Absicherung allerdings verschiedene Faktoren, die teilweise erfüllt werden müssen. Einige der Bedingungen der Vollversicherung auf Privatbasis sind dabei eine gewisse Einkommensschwelle und eine Befreiung der Pflicht der gesetzlichen Krankenversicherung. Wer sich für die Privatvariante entscheidet, der sollte sich zudem bewusst darüber sein, dass eine schnelle Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung je nach Alter und Gesundheitszustand deutlich komplizierter ausfällt. Im Zweifel warten zudem deutlich höhere Monatsbeiträge.

Vorausschauend über Lebensplanung entscheiden

Die grundlegenden Faktoren geben eine gewisse Richtung vor, welche Versicherung für Selbstständige infrage kommt. Persönliche Faktoren, die vom Versicherungsnehmer selbst bewertet werden müssen, runden die Entscheidungsfindung ab. Gibt es Vorerkrankungen, die eine Aufnahme in die Privatversicherung erschweren? Wie steht es um die Familienplanung? Kinder und Partner werden in der gesetzlichen Krankenkasse beitragsfrei mitversichert. Dieser Punkt entfällt, wer sich für eine Privatvorsorge entscheidet. Steht keine Familienplanung ins Haus, muss sich über diesen Punkt keine Gedanken gemacht werden.

Abwägen, rechnen, auswählen: Die Wahl der Versicherung sollte keineswegs überstürzt getroffen werden. Auf langfristige Planungen oder absehbaren Lebenswandel muss Rücksicht genommen werden, um die passende Versicherung zu finden. Nur so kann ein optimaler Schutz gewährleistet sein, der jedem Geldbeutel passt und sich in Lebensumstände fügt. Freelancer sollten sich die Zeit nehmen, um die einzelnen Faktoren ausreichend zu bewerten oder einen Experten zu kontaktieren, der offene Fragen beantwortet. Ist die Entscheidung getroffen, ist ein Zurück deutlich schwieriger zu gestalten. Lieber auf eine gute Recherche setzen als auf einen kostenintensiven Schnellschuss, der kein Zurück kennt.