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Sicherheit am Arbeitsplatz
Sicherheit am Arbeitsplatz ist das Fundament für ein produktives und gesundes Arbeitsleben. Dabei kann man unter anderem zwischen physischer Handarbeit und digitaler Vernetzung unterscheiden, denn dementsprechend variieren die Anforderungen. Ob auf der windgepeitschten Baustelle oder im klimatisierten Großraumbüro: Das Ziel bleibt dasselbe, nämlich die körperliche und geistige Unversehrtheit der Mitarbeitenden zu gewährleisten.
Sichtbarkeit als Lebensretter
Wenn im Handwerk, im Straßenbau oder im Gleisbereich gearbeitet wird, steht der Schutz vor äußeren Einwirkungen an erster Stelle. Ein entscheidendes Element ist hierbei die Warnschutzkleidung. Dabei handelt es sich um eine einfache wie effektive passive Sicherheitsmaßnahme, die darauf ausgelegt ist, die Anwesenheit von Personen bei allen Lichtverhältnissen deutlich zu signalisieren. Sei es nachts im Scheinwerferlicht von Autos oder bei hellem Tageslicht. Vor allem wird die Kleidung wesentlich, wenn Mensch und schwere Maschine aufeinandertreffen, etwa im Tiefbau oder bei der Instandhaltung von Schienenwegen.
Gemäß der Norm EN ISO 20471 wird Warnkleidung in drei Klassen unterteilt, basierend auf der Fläche des fluoreszierenden Hintergrundmaterials und der reflektierenden Streifen: Klasse 1 stellt dabei das niedrigste Schutzniveau dar und besteht häufig aus einer Weste, die über der üblichen Kleidung getragen wird. Klasse 2 gilt als Standard für Arbeiten im öffentlichen Straßenraum bei ausreichenden Sichtverhältnissen und Geschwindigkeiten bis 60 km/h. Die höchste Stufe ist Klasse 3, die für Arbeiten unter Hochgeschwindigkeitsverkehr, extremer Witterung oder bei Nachtarbeit vorgeschrieben ist. Hier muss oft der gesamte Torso sowie Arme oder Beine bedeckt sein.
Zu beachten ist, dass es nicht allein um Farbe und Reflexion, sondern auch um die Sauberkeit und den Zustand der Kleidung geht. Ist diese zerschlissen oder dreckig, verlieren die Reflektoren an Leuchtkraft und damit Sicherheit. Moderner Arbeitsschutz verbindet diese Funktionalität zudem mit Atmungsaktivität und Ergonomie, um einen möglichst hohen Tragekomfort zu gewährleisten.
Sicherheit in Netzwerken
Während auf der Baustelle die physische Sichtbarkeit zählt, rückt im modernen Büro- und Cloud-Alltag eine ganz andere Dimension der Sicherheit in den Fokus: die Sicherheit in Netzwerken. Die Gefahr kommt hier nicht von einem Bagger, sondern durch ein Datenpaket, das unbemerkt die Firewall passiert.
Ein Unternehmen ohne robustes Sicherheitskonzept für seine Netzwerke ist heute quasi schutzlos. Ein sicheres Netzwerk basiert meist auf dem Zero-Trust-Prinzip, bei dem gilt: Vertraue niemandem, verifiziere jeden. Und das idealerweise permanent, um zu prüfen, ob der Zugriff berechtigt ist. Verschlüsselung ist dabei essentiell, um Dateien sicher zu übertragen. Eine Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA), wie beispielsweise über einen Code auf dem Smartphone, ist eine weitere Hürde gegen den Zugriff von Dritten. Darüber hinaus findet eine Segmentierung statt, sodass ein infizierter Rechner nicht direkt das gesamte Firmennetzwerk angreift.
Ergonomie
Sicherheit im Büro bedeutet außerdem die Prävention von schleichenden Langzeitschäden. Die Ergonomie nimmt hier eine zentrale Rolle ein. Zwar führt ein falsch eingerichteter Arbeitsplatz nicht sofort zum Ausfall, aber nach fünf oder zehn Jahren können Bandscheibenvorfällen oder chronischen Nackenschmerzen einsetzen. Diese Muskel-Skelett-Erkrankungen sind statistisch gesehen einer der Hauptgründe für lange Fehlzeiten und lassen sich leicht vermeiden.
Ein ergonomischer Fokus liegt auf der Ausrichtung des Körpers zum Gerät. Der Monitor sollte so positioniert sein, dass die Oberkante auf Augenhöhe liegt. Denn wenn man den gesamten Tag mit leicht geneigtem Kopf auf den Bildschirm herabblickt, kann dies zu einem steifen Nacken führen. Auch die Position von Tastatur und Maus ist entscheidend: Die Unterarme sollten locker aufliegen können, ohne dass die Schultern hochgezogen werden müssen.
Wichtig zu wissen ist, dass auch ein ergonomischer und teurer Stuhl den Rücken nicht rettet, wenn man darin täglich acht Stunden sitzt. Hier gilt: Die beste Sitzposition ist immer die nächste. Dynamisches Sitzen, Steh-Sitz-Tische und der regelmäßige Gang zum Drucker oder zur Kaffeemaschine sind essentiell, um die Bandscheiben zu versorgen und die Durchblutung anzukurbeln.
Handwerk
Zurück in die Werkstatt oder auf die Montage. Hier sind die Gefahren greifbarer, aber auch die Routine ist tückisch. „Das hab ich schon tausendmal so gemacht“ ist oft der Satz, der kurz vor dem Unfall fällt. Neben der Warnschutzkleidung ist die Persönliche Schutzausrüstung (PSA) wesentlich. Dazu gehören je nach Umfeld Gehörschutz ab einem Lärmpegel von 85 Dezibel, einem Atemschutz gegen Feinstaub und Dämpfe durch FFP-Masken und ein Fußschutz durch Sicherheitsschuhe mit Stahl- oder Verbundstoffkappen und durchtrittsicheren Sohlen.
Interessant ist die Entwicklung hin zur smarten PSA, die zwar futuristisch klingen, aber Unfälle vorbeugen können. Es gibt beispielsweise Handschuhe, die vor Quetschgefahren warnen, oder Exoskelette, die Handwerker etwa beim Überkopf-Arbeiten massiv entlasten.
Psychische Gesundheit
Ein oft vergessener Aspekt der Sicherheit ist die psychische Verfassung. Ein gestresster, übermüdeter oder unter Druck gesetzter Mitarbeiter macht Fehler, sei es am Computer oder an der Kreissäge. Psychische Sicherheit bedeutet in diesem Kontext auch, dass im Team eine Kultur herrscht, in der man Fehler zugeben kann, ohne sofort gerügt oder degradiert zu werden. Wenn jemand eine Gefahrenstelle sieht und sich nicht sicher genug fühlt, diese mitzuteilen, ist das ein systemisches und unnötiges Sicherheitsrisiko.
Zeitdruck ist der größte Feind der Sicherheit. Wenn die Deadline im Nacken sitzt, werden teilweise Sicherungen überbrückt, Leitern nicht richtig gesichert oder Schutzbrillen weggelassen. Eine echte Sicherheitskultur zeichnet sich dadurch aus, dass die Leitungsebene klar kommuniziert: Sicherheit geht vor Schnelligkeit. Immer.












Die Spitzen der drei oberfränkischen Wirtschaftskammern fordern Vorfahrt für die Wirtschaft. Von links: Wolfram Brehm (Hauptgeschäftsführer IHK für Oberfranken Bayreuth), Matthias Graßmann (Präsident Handwerkskammer für Oberfranken), Michael Waasner (Präsident IHK für Oberfranken Bayreuth), Andreas Engel (Präsident IHK zu Coburg), Siegmar Schnabel (Hauptgeschäftsführer IHK zu Coburg) und Reinhard Bauer (Hauptgeschäftsführer Handwerkskammer für Oberfranken). © IHK für Oberfranken Bayreuth
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