Selbstheilung: Bayreuther Biochemiker forschen mit Würmern

Planarien oder sogenannte Strudelwürmer haben eine besondere Gabe: Sie können abgetrennte Teile ihres Körpers wieder herstellen. Diese Regeneration wird durch spezielle Proteine ermöglicht. Biochemiker der Universität Bayreuth haben diese Proteine deswegen genauer erforscht.

Das Bayreuther Forscherteam rund um Biochemiker Dr. Claus Kuhn verwendete Plattwürmer der Spezies „Schmidtea mediterranea“ bei den Studien. In den Stammzellen dieser Tiere befanden sich zwei unterschiedliche Proteine. Sie sorgen dafür, dass die Würmer lebensfähig sind und sich immer wieder regenerieren können.

Für stabile Erb-Informationen

Wie die Bayreuther Forscher herausgefunden haben, sorgen die Proteine durch diverse Prozesse dafür, dass die Erbinformationen in den Stammzellen der Würmer stabilisiert werden. Zwar wirken diese Proteine in wenigen Zellen des Menschen, genauer gesagt in dessen Keimzellen, ähnlich. Allerdings sind sie bei den Würmern in viel größerer Zahl vorhanden und wirken bei unterschiedlichen Typen von Zellen, statt nur bei einer bestimmten. Durch diese Vielseitigkeit seien die Würmer besonders gut zur Forschung geeignet, wie Kuhn sagt.

Außerdem fanden die Forscher eine weitere Funktion: An den Punkten, an denen die Proteine angedockt haben, wurden teilweise Moleküle gebildet, die Informationen zu einer Verknüpfung von mehreren Proteinen enthielten. Weitere Funktionen der Proteine werden noch erforscht.

Das gibt es nur in Bayreuth: Neuer Studiengang Sportökologie

Ob Mountainbiking, Kanufahren oder Bergwandern – viele populäre Outdoor-Sportarten haben Folgen für Natur und Umwelt. Mit diesen Wechselwirkungen befasst sich jetzt Prof. Dr. Manuel Steinbauer an der Universität Bayreuth. Er hat er die deutschlandweit erste und einzige Professur für Sportökologie inne.

Zukunftsweisende Verbindungen zwischen unterschiedlichen Wissenschaftsgebieten zu schaffen, war schon immer ein Markenzeichen der Universität Bayreuth.

(Prof. Dr. Manuel Steinbauer)

Der Prof:

Von 2004 bis 2009 hat Steinbauer an der Universität Bayreuth Geoökologie sowie Global Change Ecology studiert und anschließend bei Prof. Dr. Carl Beierkuhnlein mit einer Arbeit zur Biodiversität promoviert. Anschließend wechselte er als Postdoc an die Universität Aarhus in Dänemark, 2018 erhielt er eine Professur an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Mit der Übernahme der neuen Professur ist er jetzt an seine alte Uni zurückgekehrt. Aufgrund seiner Forschungserfahrungen in der Ökologie und der Klimafolgenforschung wird er zugleich mit einer weiteren Forschungseinrichtung auf dem Bayreuther Campus eng zusammenarbeiten: dem Bayreuther Zentrum für Ökologie und Umweltforschung (BayCEER).

Das Fach:

Forschung und Lehre in der Sportökologie erstrecken sich auf eine Vielzahl natur-, kultur- und wirtschaftswissenschaftlicher Themen: Dazu zählen beispielsweise der Sporttourismus und seine Auswirkungen auf Ökosysteme, die umweltverträgliche Gestaltung von Sportstätten oder die Wechselwirkungen zwischen Sportverhalten, Naturerlebnis und Gesundheitszustand. Bei allen diesen Themen soll für die Bayreuther Sportökologie der Gedanke der Nachhaltigkeit – in ökologischer, sozialer und ökonomischer Hinsicht – im Vordergrund stehen. Die Digitalisierung spielt dabei eine zentrale Rolle.

Sowohl die Sport- und Gesundheitswissenschaften als auch die Ökologie gehören heute zu den Forschungsgebieten mit der am schnellsten steigenden Verfügbarkeit großer Datensätze (…) Die Gewinnung und Analyse von Messdaten an den Schnittstellen von Gesundheit, Outdoor-Sport und Umwelt wird ein wichtiger Schwerpunkt der Bayreuther Sportökologie sein.

(Prof. Dr. Manuel Steinbauer)

 

Künstliche Intelligenz: Nie wieder auf dem Smartphone vertippen

Eine Gruppe Bayreuther Nachwuchswissenschaftler forscht zu Mensch-Computer-Interaktion und Künstlicher Intelligenz. Das Zentrum Digitalisierung Bayern (ZD.B) fördert die Gruppe, die von Medieninformatiker Dr. Daniel Buschek geleitet wird.

Viele intelligente Systeme sind heute nur sehr bedingt interaktiv. Oft zwingen sie Menschen in eine passive Konsumentenrolle, etwa durch Vorschläge, die man nur annehmen kann oder eben nicht, oder zielen darauf ab, menschliche Einflussnahme ganz zu ersetzen.

Künstliche Intelligenz soll Mensch nicht ersetzen

Die neue Forschungsgruppe an der Universität Bayreuth verfolgt hier die gegensätzliche Vision: Anwender führen in aktiver Rolle intelligente Systeme als digitale Werkzeuge. Sie sollen den Menschen nicht ersetzen, sondern ihm helfen, Aufgaben effizienter und effektiver bewältigen zu können. Ein Beispiel:

Wie müsste eine intelligente E-Mail-App aussehen, die nicht nur Wörter vorschlägt oder ungefragt korrigiert, sondern mich wirklich beim effizienten Verfassen von klaren Texten unterstützt?

(Dr. Daniel Buschek, Leiter der Forschungsgruppe)

Die Universität Bayreuth, so Buschek, biete eine spannende Themenlandschaft mit vielen Anknüpfungspunkten für solche Forschung, die im Spektrum zwischen Mensch-Computer-Interaktion und intelligenten Systemen angesiedelt ist.

Forschung zu Interaktiven Intelligenten Systemen

An der LMU entwickelte Buschek intelligente Nutzerschnittstellen für mobile Geräte, die von den Verhaltensweisen des Nutzers lernen und sich daran anpassen. So können beispielsweise Eingabefehler wie Vertippen auf Smartphones reduziert werden, indem individuelle Charakteristika der Fingerplatzierung bei der Touch-Eingabe berücksichtigt werden.

Innovation aus Bayreuth: Windeln ade!

Das Bayreuther Forscherteam Jannik Lockl und Tristan Zürl sagt Inkontinenz den Kampf an. Die beiden haben einen Sensor entwickelt, der den Füllstand der Blase misst. Per App sehen Inkontinenz-Patienten, wann es Zeit ist, zur Toilette zu gehen. Das teilt die Universität Bayreuth in einer Pressemitteilung mit.

Das kann „inContAlert“

Jannik Lockl, Wirtschaftsinformatiker an der Uni Bayreuth, erklärt die gemeinsame Produktidee: „‚inContAlert‘ ist ein Sensor, der den Füllstand der Blase misst, der dann in einer App angezeigt wird. Der Inkontinenzpatient kann so auf seinem Handy nachschauen, wann der nächste Zeitpunkt zum Aufsuchen der Toilette ist – oder er wird benachrichtigt, bevor es zum ungewollten Urinverlust kommt.“

Inkontinenzpatienten müssen so nicht mehr präventiv die Blase entleeren oder aus Schutz vor drohendem Urinverlust beispielsweise Windeln tragen.

(Tristan Zürl, Ingenieur und Mit-Entwickler des Sensors)

Von Inkontinenz sind in Deutschland mehr als fünf Millionen Menschen betroffen, wobei bis zu 20 Prozent davon an einer neurogenen Blase leiden. In diesem speziellen Fall gibt es zwei Szenarien: Ab einem kritischen Füllstand kann es dazu kommen, dass sich die Blase unkontrolliert entleert, oder dass sie verkrampft und sich so der Urin ins Nierenbecken zurückstaut. Das kann zu gravierenden gesundheitlichen Schäden führen.

„Nicht nur aufgrund des gesellschaftlichen Gesichtsverlusts eines ungewollten Urinabgangs ist es uns deshalb ein großes Anliegen, dieses Problem schnellstmöglich zu lösen“, sagt Jannik Lockl. „Gerade Querschnitts-, Multiple Sklerose- und Parkinson-Patienten leiden täglich unter dieser Gefahr, welche bald der Vergangenheit angehören soll.“

Gewinner des „Medical Valley Awards“

Für ihre Produktidee wurden die Bayreuther Forscher nun mit dem „Medical Valley Award“ ausgezeichnet und von der Jury für die „Pre-Seed“-Förderung des Bayerischen Wirtschaftsministeriums empfohlen. Lockl und Zürl haben Aussicht auf 250.000 Euro, um ihr Konzept mit dem Geld gründungsreif zu entwickeln.

Schönster Campus: Uni Bayreuth in den Top 5

In erster Linie werden auf der Internetseite StudyCheck Fragen rund ums Studium diskutiert. Hin und wieder  werden von StudyCheck aber auch Umfragen erstellt. So wie in diesem Fall: Bei der Frage nach Deutschlands schönsten Campus landete die Uni Bayreuth auf den 4. Platz. 20.000 Studenten stimmten ab.

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Lesen Sie auch:

Stimmen zum Campus Bayreuth:

An der wunderschönen Campus-Universität Bayreuth findet jeder Studierende top Bedingungen vor.

(Tobias, StudyCheck-Nutzer)


Die Uni Bayreuth ist familiär. Der Campus verbindet.

(Louisa, StudyCheck-Nutzerin)


Überzeugend finde ich insbesondere das in Deutschland doch recht seltene Konzept einer Campus-Uni.

(Martina, StudyCheck-Nutzerin)

 

Neue Fakultät: Das kann in Kulmbach künftig studiert werden

In Kulmbach ist die Fakultät VII der Uni Bayreuth eröffnet worden. Der vollständige Name der neuen Einrichtung lautet Fakultät für Lebenswissenschaften: Lebensmittel, Ernährung und Gesundheit. Bis 2025 sollen in Kulmbach bis zu 1.000 junge Menschen studieren und 22 Professuren etabliert werden. Erforscht werden in Kulmbach Zusammenhänge zwischen Krankheitsrisiko und Lebensweise, der Einfluss von individuellen, kulturellen oder sozioökonomischen Faktoren auf die Gesundheit und die Versorgung der Menschen mit gesunden Lebensmitteln.

Studienbeginn schon im nächsten Jahr

In Kulmbach sollen Studiengänge wie der Master „Food Quality and Safety“ angeboten werden, die es so an keiner anderen Universität in Deutschland gibt und die teilweise bereits im Oktober 2020 starten.

In Kulmbach gibt es weitere Einrichtungen zur Lebensmittelforschung, darunter das Max-Rubner-Institut sowie das neu gegründete Institut für authentische Lebensmittel, sowie Behörden wie das Kompetenzzentrum Ernährung (KErn) und die bayerische Kontrollbehörde für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen. Diese sollen nun so schnell wie möglich mit der neuen Fakultät verzahnt werden.

Die weiteren Studiengänge

Dann soll ein zweiter Masterstudiengang folgen, „Global Food, Nutrition and Health“. Beide Studiengänge werden interdisziplinär ausgestaltet sein und in englischer Sprache angeboten. Die Einführung eines deutschsprachigen Studiengangs „Lebensmittel- und Gesundheitswissenschaften“ wird folgen können, sobald die Fakultät personell gewachsen ist. Außerdem bereits in Planung: „Molecular Food and Health Science“ (Bachelor, naturwissenschaftlich, englischsprachig), „Lebensmittel- und Gesundheitswissenschaften“ (Master, interdisziplinär, deutschsprachig), „Health, Food and Society“ (Master, englischsprachig) und „Molecular Food and Health Science“ (Master, englischsprachig).

Diese Interdisziplinarität und fachliche Tiefe lobte auch Bernd Sibler, Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst:

„Kulmbach ist als Hot Spot in Sachen Ernährung und Lebensmittel der ideale Standort für die Errichtung einer lebenswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bayreuth auf einem eigenen Hochschulcampus.“

Prof. Dr. Stephan Clemens, Gründungsdekan der Fakultät VII, sagte zur Eröffnung:

„Wir möchten mit dieser Fakultät neue Wege gehen. Ganz unterschiedliche Fächer von der Biochemie bis zur Soziologie sollen gemeinsam an Fragen arbeiten, die zu den großen globalen Herausforderungen gehören.“


Der Weg zum Campus Kulmbach

  • Juni 2017: Auf Anfrage der Stadt Kulmbach Erarbeitung einer Vorlage für die Kabinettssitzung; erste Skizze einer Life Science-Fakultät mit dem Schwerpunkt „Lebensmittel, Ernährung und Gesundheit“
  • Juni 2017: Verkündung des Plans bei einer Kabinettssitzung in Kulmbach
  • Juli 2017 bis Juni 2018: Konzeptarbeiten durch zwei hochkarätig besetzte Planungsgruppen, eine universitätsinterne und einen externen Beirat
  • Juli 2018: Die Bayerische Staatsregierung billigt das Konzept mit einem Volumen von 136 Millionen Euro für fünf Jahre.
  • Ende 2018: Start Planung Neubau Campus und Lehrgebäude
  • Mitte 2019: Erste Stellenausschreibungen und Berufungsverfahren
  • Ende 2019: Anmietung und Ertüchtigung weiterer Funktionsflächen (Büros, Lehrräume, Labore)
  • Oktober 2020: Beginn WS 2020/21; Start eines englischsprachigen Masterstudiengangs; erste Studierende an der Fakultät VII für Lebenswissenschaften: Lebensmittel, Ernährung und Gesundheit auf dem Campus Kulmbach, bzw. noch auf Interimsflächen
  • Derzeit: Management von Infrastruktur (Bau-, Verkehrs-, Glasfasernetz-Planung) zur Vorbereitung des Betriebs sowie Start der Studiengänge-Entwicklung und Berufungsplanung der ersten Professuren

 

Bayreuths Beste: Spaziergang mit Nobelpreisträgern

Ein Master-Student und ein Doktorand der Uni Bayreuth dürfen sich im Juli mit der Weltelite der Forschung austauschen. Sie gehören zu den Teilnehmern der 69. Lindauer Nobelpreisträgertagung, die am Bodensee stattfindet.

70 Jahre alte Idee

In diesem Jahr ist die Tagung der Physik gewidmet. Mehr als 40 Nobelpreisträger werden über Kosmologie, Laserphysik, Dunkle Materie und Gravitationswellen sprechen. Die Idee der Tagung ist seit fast 70 Jahren der Gedankenaustausch zwischen preisgekrönten und künftigen Spitzenforschern. Unter anderem gibt es sogenannte „Science Walks“. Je ein Nobelpreisträger und zehn Nachwuchswissenschaftler kommen dabei bei einem Spaziergang persönlich ins Gespräch.

Nur 37 Bayern sind dabei

In diesem Jahr konnte das Physikalische Institut der Universität Bayreuth mit Felix Sommer (22) und Winfried Schmidt (24) zwei Teilnehmer nominieren. Ins Auswahlverfahren kommen nur ausgezeichnete Studenten und Wissenschaftler unter 35 Jahren. Sie müssen ein mehrstufiges internationales Auswahlverfahren absolvieren, an dem rund 140 Wissenschaftsakademien, Universitäten, Stiftungen und forschende Unternehmen beteiligt sind. In Lindau treffen Schmidt und Sommer auf fast 600 Nachwuchswissenschaftler aus 88 Ländern, davon 162 Teilnehmer von deutschen Institutionen, darunter 37 aus Bayern.