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Wohnkonzepte neu gedacht

Zuhause alt werden:
Wie sich die Generation 60+ in Oberfranken neu organisiert

Bayreuth 3 Die eigenen vier Wände sind für die meisten Menschen mehr als nur ein Ort zum Wohnen. Sie bedeuten Sicherheit, Vertrautheit und ein Stück Identität. Gerade im Alter gewinnt dieser Aspekt an Bedeutung. Daran geknüpft ist der Wunsch, auch mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen im Alter möglichst lange in der vertrauten Wohnsituation bleiben zu können.

Auch in Oberfranken zeigt sich derzeit ein klarer Trend: Die Generation 60+ vollzieht einen grundlegenden Wandel, der den Wunsch nach Eigenständigkeit in vertrauter Umgebung abbildet. Mit Eigeninitiative, nachhaltigen Wohnraumanpassungen und kreativen Lebenssituationen werden Lösungen geschaffen, die es ermöglichen, mit Würde, Selbstbestimmung und Lebensqualität im gewohnten Umfeld durch den Herbst des Lebens zu gehen.

Die Wohnsituation älterer Menschen im Wandel

Deutschland wird älter, auch in Oberfranken. Nach Berechnungen des Bayerischen Landesamtes für Statistik wird der Anteil der Menschen, die 60 Jahre oder älter sind, von 2022 bis 2042 von 28,1 Prozent auf 31,3 Prozent steigen (Quelle: www.demografie-leitfaden-bayern.de).

Viele dieser Menschen leben in Einfamilienhäusern, die in den 1970er- bis 1990er-Jahren gebaut wurden. Im Stil der damaligen Zeiten bieten sie mit großzügigem Wohnraum, waren aber in ihrer Ausgestaltung wenig auf den Lebensmittelpunkt im Alter ausgerichtet. Die meisten Bestandsbauten der sogenannten Generation der Babyboomer führen über mehrere Etagen und sind mit Garten, Kellertreppe und Badewanne ausgestattet.

Was in jungen Jahren als Traum vom Eigenheim galt, wird im Alter schnell zur Herausforderung:

Stufen, enge Flure und hohe Schwellen erschweren die Mobilität und mit voranschreitenden körperlichen Beschwerden kann nicht selten das Obergeschoss kaum noch genutzt werden.

Der Abschied vom häufig noch selbst errichteten Zuhause ist für die meisten Menschen keine gern gewählte Option. Der Trend geht deshalb zu einer nachhaltigen und barrierefreien Umgestaltung der bestehenden Wohnsituation.

Ein deutlicher Trend zeigt:

Die Menschen in der Region machen mobil für die Zukunft: Sie bauen um, organisieren sich neu 3 und erhalten dadurch nicht nur ihre Wohnqualität, sondern auch ihre Eigenständigkeit.

Umbauten und Anpassungen: Barrierefrei leben, ohne umzuziehen

Im Rahmen der Novelle des Behindertengleichstellungsgesetzes des Bundes (BGG) von 2016 ist barrierefreies Bauen in Deutschland zur Maxime geworden. Umfangreiche Standards für nachhaltiges Bauen über Generationen hinweg haben die Entwicklung von neuem Wohnraum grundlegend verändert.

Ein barrierefreies Zuhause muss jedoch kein Neubau sein. Mit oft verhältnismäßig überschaubarem Aufwand lassen sich viele ältere Häuser an die Bedürfnisse im Alter anpassen.

Wesentliche Umbaumaßnahmen mit großer Wirkung sind:

Treppenlifte oder Plattformlifte

Die mehrere Etagen überwindbar machen

Begehbare Duschen statt Badewanne

Mit rutschhemmenden Fliesen und Haltegriffen

Türverbreiterungen

Um mit Rollator oder Rollstuhl passieren zu können

Rampen an Hauseingängen

Um barrierefreien Zugang zu ermöglichen

Automatische Türöffner und Lichtsysteme

Die Bewegungen erkennen und zusätzliche Sicherheit bieten

Förderprogramme wie die der KfW-Bank oder regionale Initiativen in Oberfranken unterstützen solche Maßnahmen finanziell.

Dennoch bleiben für viele Eigentümer Kosten übrig, die sie selbst tragen müssen.

Finanzierung mit Flexibilität: Warum Planung Spielraum braucht

Wer sein Zuhause altersgerecht umbauen möchte, muss häufig in Vorleistung gehen, selbst wenn Fördermöglichkeiten in die Planung miteinbezogen werden können. Die Kosten für einen barrierefreien Badumbau liegen schnell bei 10.000 Euro oder mehr, ein Treppenlift schlägt mit 5.000 bis 15.000 Euro zu Buche.

Barrierefreier Badumbau

Durchschnittliche Kosten für eine komplette Umgestaltung

Treppenlift

Je nach Länge und Komplexität der Installation

Nicht immer sind ausreichend liquide Rücklagen vorhanden, um die erforderlichen Vorleistungen tätigen zu können. Langfristige wirtschaftliche Verbindlichkeiten sind für die Generation 60+ häufig ebenso wenig sinnvoll.

Ein zunehmend beliebtes Modell ist in diesem Kontext die Finanzierung über einen flexiblen Kredit, der sich über einen anpassbaren Rückzahlungsplan optimal an die wirtschaftliche Gesamtsituation anpasst. Ein Kredit mit Sondertilgung, bei dem zusätzlich zur monatlichen Rate auch außerplanmäßige Rückzahlungen möglich sind, lässt sich beispielsweise gut mit einer Förderung kombinieren. Dabei kann die Verbindlichkeit schneller ausgeglichen werden, wenn Fördergelder nachträglich fließen. So bleibt die Schuldensumme flexibel steuerbar 3 zum Beispiel, wenn eine Versicherung ausgezahlt wird, ein Verkaufserlös vorliegt oder Familienangehörige unterstützen.

Das ermöglicht es älteren Menschen, Investitionen ins eigene Zuhause zu tätigen, ohne sich langfristig finanziell zu belasten.

Mehrgenerationenhäuser als Lebensmodell der Zukunft?

Neben baulichen Anpassungen an ihrer bestehenden Wohnsituation denken Seniorinnen und Senioren heute noch grundlegender um:

Das Konzept des Mehrgenerationenhauses erlebt eine Renaissance 3 auch jenseits staatlich geförderter Pilotprojekte.

In Städten wie Hof, Kulmbach oder Forchheim entstehen zunehmend Wohnprojekte, bei denen mehrere Generationen unter einem Dach oder auf einem Grundstück leben 3 mit getrennter Privatsphäre, aber gemeinschaftlicher Struktur.

Vorteile für Ältere

  • Familiäre Nähe
  • Unterstützung im Alltag
  • Lebendiger Austausch

Vorteile für Jüngere

  • Zugang zu günstigem Wohnraum
  • Unterstützung bei der Kinderbetreuung
  • Soziale Stabilität

Gerade in ländlichen Regionen Oberfrankens, wo Leerstand und Abwanderung reale Herausforderungen darstellen, könnten solche Projekte neue Impulse geben.

Die Rolle der Kommunen: Unterstützung durch Beratung und Netzwerk

Viele Städte und Gemeinden in Oberfranken haben die Zeichen der Zeit erkannt. In Bayreuth etwa bietet die Wohnberatung für Senioren der Diakonie kompetente Hilfe bei der Planung altersgerechter Umbaumaßnahmen. Die Stadt Coburg unterstützt mit ihrem Projekt Mehrgenerationenhaus Coburg der AWO den Austausch zwischen mehreren Generationen, Ehrenamtlichen, Pflegedienstleistern und Unterstützern.

Wohnberatung

individuelle Beratung zu altersgerechten Umbaumaßnahmen

Digitale Plattformen

Barrierefreie Informationsangebote und Wohnungsbörsen

Netzwerke

Vernetzung von Senioren, Ehrenamtlichen und Dienstleistern

Förderprogramme

Finanzielle Unterstützung für barrierefreie Umbauten

Auch auf digitaler Ebene entstehen neue Netzwerke: Städtische Plattformen setzen auf barrierefreie und leicht verständliche Angebote und zeigen, wo barrierefreie Wohnungen verfügbar sind oder wo sich Unterstützungsangebote bündeln.

Selbstbestimmt und aktiv 3 auch mit Einschränkungen

Was sich in Oberfranken gerade abzeichnet, ist mehr als eine Anpassung an demografische Entwicklungen. Es ist ein grundlegender Kulturwandel.

Die Generation 60+ möchte in ihren grundlegenden Bedürfnissen ernst genommen werden 3 auch und vor allem als Gestalter ihres Lebensraums. Sie organisiert sich, investiert in Autonomie und sucht aktiv nach Lösungen, um Würde, Komfort und Sicherheit im Alter zu bewahren.

Dabei ist „Zuhause alt werden“ längst keine Frage des Stillstands mehr. Heute steht das Konzept für neue Dynamiken und strukturellen Wandel 3 im Denken, im Wohnen, im sozialen Miteinander.