Musik

B-Kwem: Der Mann aus Eisen – Rap vom Bindlacher Schrottplatz

Sebastian Leben steht mitten auf einem Schrottplatz, in seiner Hand hat er einen Hammer. Zwischen Autowracks und rostenden Stahlteilen erzählt der Rapper aus seinem Leben.

Stein und Marmor bricht, doch die Gitter sicher nicht!

(B-Kwem)

Sebastian Leben steht mitten auf einem Schrottplatz. Seine Brusthaare wuchern aus seinem weißen Unterhemd heraus. In seiner Hand trägt der 32-Jährige einen Hammer. Zwischen Autowracks und verrostenden Metallteilen gibt Leben seine Zeilen zum besten, denn er hat etwas zu erzählen.

Sebastian Leben ist von Beruf Journalist. Doch der Auftritt auf dem Schrotplatz Bilsheim Bindlach hat nichts mit seinem Beruf zu tun, denn der 32-Jährige ist auch Rapper. Unter dem Namen B-Kwem gibt er seit Jahren seine Raps zum Besten. In Folge 6 des bt-Hip-Hop-Podcasts “RaPod” spricht der MC mit Frederik Eichstädt und Johannes “Quasi” Besold über sein neues Musikvideo vom Schrottplatz, die Grenzen der Rapmusik und über seinen Werdegang in seiner Heimat Freiburg und Bayreuth.

Das Podcast-Interview mit B-Kwem zum Anhören

Mehr zur neuen Folge gibt’s unter dem Artikel mit B-Kwem.

Stahl gegen Stahl

Ich finde ein Schrottplatz hat einen geilen Flavor. Im Hintergrund der Schrott, Metall und der Dreck. Das hat perfekt zu meinem Track gepasst.

“Mann aus Eisen” ist nicht das erste Musikvideo von B-Kwem. Doch es ist ein besonderes. Und deshalb hat sich Sebastian Leben dafür auch mit einem besonderen Filmemacher zusammengetan. Der heißt Toxic Tuba und kommt auch aus Bayreuth. Was B-Kwem dabei wichtig war: Rapvideos stehen für gewöhnlich nicht auf seiner Agenda. Das sei Leben wichtig, denn sein Video solle nicht so aussehen, wie jedes andere eben auch.

Der Track dahinter ist robust und ehrlich. B-Kwem rappt vom Leben, ohne dabei in pathetische Phrasen zu verfallen. Fortlaufend hämmert der Künstler seine Worte in den Takt und schmiedet dabei allerlei Metaphern zu Metallen in seine Strophen ein, um den Hörern seine Botschaften einzuhämmern.

Dabei heraus kommen Erkenntnisse wie, dass alles zu Ende gehe wie Eisenerz oder Menschen sich von der Industrie verbiegen lassen als ob sie aus Blech wären. Man sieht, da hat sich jemand etwas dabei gedacht: beim Text und beim Video.

Rap vom Schrottplatz mit B-Kwem. Foto: Privat.

Die Golden Era im Schwarzwald

Leben selbst wurde in den 90er Jahren mit Hip Hop sozialisiert. In seiner Heimat Freiburg fand er den Zugang zur “Hamburger Schule” von Gruppen wie Dynamite Deluxe, den Beginnern oder Eins Zwo. Da man sich die Zeit nicht nur mit Skateboardfahren vertreiben könne, habe der Schwarzwälder damals auch schnell damit angefangen selbst Texte zu schreiben, die er dann auch später auch, zusammen mit seiner Crew BPM, den Leuten präsentierte.

Die Musik der Deutschrap Golden Era hat mich einfach geflasht und bis heute nicht mehr losgelassen.

(B-Kwem über seine Verbindung zum Hip Hip)

Live on Stage. Foto: Manuel Ciccarelli.

Vom Breisgau nach Oberfranken

2012 führte der Weg des Journalisten und Rappers dann nach Bayreuth. Das war anfangs natürlich schon etwas komisch. So ganz ohne Freunde und Bekannte müsse man schon sehen, wie man Kontakte knüpfen und sich in der Hip Hop Szene einen Namen machen könne.

Doch Leben ist ein offener Mensch. Auf einer Release Party von Desto & Nasher lernte er die ersten Bayreuther Künstler kennen. Außerdem stattete er auch direkt dem Hip Hop Store Coast2Coast einen Besuch ab. Nach einigen Freestyle-Sessions und Treffen, kamen dann auch die ersten Auftritte. Natürlich ganz ohne die alte BPM-Crew. Damals musste sich Leben erstmal gewöhnen.

Natürlich ist das etwas völlig anderes ob man jetzt, wie der Wu Tang Clan, mit mehreren Leuten auf der Bühne steht und ordentlich Action machen kann, oder ob man alleine auftritt.

Alles ist möglich

An Rap schätzt der 32-Jährige, dass man in der Musik wirklich alles machen könne. Wichtig sei dabei, dass es einem gewissen Anspruch gerecht wird. Entweder textlich oder eben technisch. Man könne nämlich durchaus auch mal härtere Texte bringen, solange die dann, von den Reimen und dem Sprachgefühl her, gut umgesetzt sind.

Im Rap kann man im selben Lied einen imaginären Gegner beleidigen und Kafka oder Willy Brandt zitieren.

Generell setze sich Leben lyrisch und musikalisch keine Grenzen. Er selbst hatte auch schon das ein oder andere mal Zeilen geschrieben, die sicher nicht nach Jedermanns Geschmack seien. Für ihn sei das alles in Ordnung, solange es sich in einem rechtlich vernünftigen Rahmen bewegt.

Wenn Nazis anfangen, sich Rap zu eigen zu machen, muss man schon aufpassen.

Sebastian Leben aka. B-Kwem auf dem steilen Weg nach oben. Foto: Privat.

Das ist B-Kwem

NameSebastian Leben
CrewsBPM, Stamp865
AliasB-Kwem
Geboren1986
Erstes Rap-AlbumNana – Nana
Bisher letztes Rap-AlbumOriginal Junk (Superjunk)
Bestes Rap-Album nationalTorch – Blauer Samt
Tua – grau
Olli Banjo – Kopfdisco
Bestes Rap-Album internationalNas – I am (werde ich dafür jetzt gehasst?)
WuTang – 36 Chambers
Eminem – The Marshall Mathers LP (dafür auch?)
Einflussreichste KünstlerZu Beginn alles aus Hamburg wie Dendemann, Sam, AB, etc, dann alles von Curse bis KIZ und von Blumentopf bis Imbiss Bronkko
Bestes Rap-Zitat"Einzige Mukke, wo man das, was man sagt auch verkörpern muss“ (Megaloh)

„In jeder Cypher rede ich von Torch, doch meine Feinde sehen eher aus wie Beatrix von Storch“ (Fatoni)
Bestes MusikvideoOtto Normal „Spitter“ ist sensationell, aber auch das neue B-kwem Video ist toll 😉 Checkt auch das neue von Old Zac...
Dieser Künstler sollte erfolgreicher seinAlles aus Bayreuth, weil hier viele echt gut und fleißig sind. Vor allem Desto & Nasher und meine Stamp Jungs natürlich, Superphad hat als Produzent mindestens internationales Format, wenn nicht Universum!
Rap ist für mich......zunächst mal nur 1 von 4 HipHop Elementen. Außerdem: Entertainment, Ausdrucksform, Spielwiese und Tool, um sich in den Mittelpunkt zu Drängen. 🙂
Wieso mache ich RapVor allem für die Bühne, da spielt die Musik!
Worüber rappe ichDas ist ja das Schöne: Rap darf alles! Von Beleidigungen bis Belehrungen, von sinnlos bis sinnvoll, Message bis Bullshit. Und alles ist legitim und kann cool sein. Kann also auch bei mir alles mal vorkommen. Von mit viel Hirn bis zu mit viel Eiern und von over the top bis zu unter der Gürtellinie.
Mit diesem Trend in der Musik kann ich gar nichts anfangenImmer gleiche Beats, gleicher Sound, gleicher Flavor, gleiche Inhalte. Nicht nur über Jahre hinweg, sondern auch immer mehr Artists machen mit. Irgendwann klingen alle gleich. Und dann sich aber jedes Mal so feiern, als hätte man das Rad neu erfunden.
Würde ich nicht rappen, ...würde ich allen auf den Sack gehen. Aber wenn man das Geschwätz in Reime verpackt, ist es irgendwie ok...

Untergrund Kings

Im Intro zur neuen RaPod-Folge sprechen die Moderatoren Frederik und Quasi über “Untergrundkings” im deutschen Rap. Sie küren jeweils ihre Top 5 der Künstler, die in der Untergrund-Szene einen hohen Stellenwert haben, ohne es zum großen Ruhm geschafft zu haben. Eine Spotify-Playlist mit Liedern dieser Künstler, gibt’s hier!


Mehr zum RaPod

Der RaPod ist ein regelmäßig erscheinendes Podcast-Format von Frederik Eichstädt und Johannes “Quasi” Besold. Mehr Infos dazu finden Sie in Kürze auf unserer Website.

Die RaPod-Moderatoren Frederik Eichstädt und Johannes “Quasi” Besold. Foto: Carolin Richter.

Bayreuther Tagblatt - Frederik Eichstädt

 bt-Redakteur Online/Multimedia
Frederik Eichstädt