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Kinokritik

“Berlin Berlin” als Film – “Klamauk ahoi”

Die Kinos sind zu, zig Filme wurden verschoben. Und so kommt es, dass manche dieser Filme jetzt auch bei den Streamingdiensten landen, wie “Berlin Berlin”. bt-Kinokritiker Alex Bauer geht mit dem Streifen hart ins Gericht.

Die Kinos sind zu, zig Filme wurden verschoben. Und so kommt es, dass manche dieser Filme jetzt auch bei den Streamingdiensten landen, wie “Berlin Berlin”. bt-Kinokritiker Alex Bauer geht mit dem Streifen hart ins Gericht.

Von der Serie zum Film

“Berlin Berlin” kennen vielleicht noch die einen oder anderen aus dem Programm im ARD. Also die, die zwischen 2002 und 2005 im Teenageralter waren und die wilden Geschichten von Hauptprotagonistin Lolle (Felicitas Woll) ansatzweise witzig fanden. 15 Jahre später hätte jetzt, warum auch immer, ein Kinofilm kommen sollen. Auf dem Blatt ist das gefühlt 14 Jahre zu spät. Da war nämlich der Hype um die Serie vorbei. Und man fragt sich wirklich, was sich die Macher dabei gedacht haben, diesen Zombie des Vorabendprogramms aus dem Sarg zu ziehen. Aber gut, egal.

Der Inhalt

Zum Inhalt: Lolle ist jetzt Ende Dreißig, fast schon seriös und steht vor dem nächsten großen Schritt in ihrem Leben: ihre Heirat mit “Hart”, ihrem besten Freund, mit dem sie eine eigene Comicfirma hat. Am Altar taucht aber On-Off-Liebe Sven auf, die Hochzeit platzt und ab da läuft so einiges schief. Mit Dana (Janina Uhse), die sie während ihrer aufgebrummten Sozialstunden kennenlernt, begibt sie sich fortan auf einen chaotischen Road Trip. Hätte bestimmt lustig werden können. Doch vom Charme und Witz der Serie ist herzlich wenig übrig geblieben. Stattdessen gibt es sehr viele platte Dialoge, schlechte Witze und Lolles Sprüche aus dem Off wirken oft einfach nur deplatziert.

Viel Klamauk

Hinzu kommen noch Figuren aus der Vergangenheit – beispielsweise der schräge Harald, der in einer Hippie-FKK-Kommune im Wald lebt. Oder Rosalie, mit der Lolle mal in einer WG wohnte und die nun eine forsche Club-Betreiberin ist. Ja. Naja. Das wirkt doch alles sehr gezwungen und immer ein Stück weit zu überdreht. Wenn man auf Teufel komm raus versucht, witzig zu sein, kommt meist das Gegenteil dabei raus. Und lachen kann man in dieser Komödie leider viel zu selten. Das machen auch die Gastauftritte nicht wett. Christian Tramitz darf einen frustrierten Lehrer spielen, wirkt aber – wie seine Rolle auch – lustlos. Armin Rohde darf auch mal wieder als schräge Type in einem Film auftauchen – diesmal als Crystal Meth kochender Ossi aus dem Harz, der mit Handgranaten um sich schmeißt. Ja. Richtig gehört. Klamauk ahoi.

Fazit

Achso, in Berliner Wäldern leben anscheinend wieder Braunbären, die Smartphones fressen und sich in den Schlaf singen lassen. Zum Glück ist der Film nach 80 Minuten vorbei. Fazit: Berlin Berlin als Spielfilm kann man sich sparen. Der vermiest nämlich nur eine wirklich witzige Serie, die damals berechtigt in hohen Tönen gelobt wurde und zeigte, dass deutsches Fernsehen auch jung und anders sein kann.

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bt- Filmkritiker Alex Bauer.

Text: Alex Bauer

Bayreuther Tagblatt - Redaktion

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