Glosse: Ferrari fahren und Zeche prellen

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Peter Krügel. Foto: Thorsten Gütling

Peter Krügel (44) ist Website-Manager beim Bayreuther Tagblatt. Der Helmbrechtser pendelt täglich rund 80 Kilometer auf der A9 zur Arbeit und zurück. Während dessen ist genug Zeit, sich über Gott und die Welt Gedanken zu machen. Diesmal bewegt Krügel die Frage, was einen Ferrari-Fahrer dazu treibt, an der Tanke die Zeche zu prellen.

 

 

Ja so ein Auto ist ein teures Vergnügen. Das wird mir regelmäßig – einmal in der Woche – bewusst.

Bewaffnet mit einer Tankpistole steh ich also mal wieder an der Zapfsäule und denk mir, wie wiedersinnig das doch ist, da werd ich quasi ausgenommen wie eine Weihnachtsgans – von Staat und Mineralölkonzernen – und muss die Pistole auch noch selber halten.

Das wär doch auch an der Tankstelle mal was: “Oh Herr Krügel, schön, dass Sie ihren wöchentlichen Tankstopp mit knapp 70 Euro wieder bei uns verbringen, darf ich ihnen einen Kaffee anbieten? Milch, Zucker?”

Aber es hilft ja nichts, wir sind aufeinander angewiesen – ich und mein treuer Wagen. Ohne mich stünde er nur rum oder wäre in schlechten Händen und ohne ihn säße ich einfach in den kalten, rauhen fränkischen Highlands fest. Die hohen Kosten nehm ich also hin.

Das muss doch nicht sein dachte sich hingegen der etwas ältere Fahrer eines Ferrari, der mit seinem stolzen Gestüt – immerhin toben da so um die 600 Pferdestärken oder mehr unter der Haube – in die Rastanlage Frankenwald eingaloppierte um seinen durstigen Pferdchen einen erfrischenden Umtrunk zu spendieren. Ein kühner Blick in den Geldbeutel jedoch offenbarte Schreckliches. Geld fand sich offenbar keines in der Börse.

Tja dann halt nicht – sprach der Kutscher, tankte voll und verschwand. Bar jeglicher Freude blickte der Kassierer der Staubwolke nach und griff zum Telefon um die Polizei anzurufen, die machte sich dann auch gleich auf den Weg um nach dem 250.000 Euro teuren Gefährt samt eiligem Fahrer zu fahnden.

Rund 65 Kilometer weiter gelang es dann den Sünder einzufangen. Das traf sich gut, denn man wollte den Herren ohnehin mal in anderen Angelegenheiten sprechen. Es mag pingelig klingen, aber hartnäckig eine Lapalie von 10 Euro nicht zu zahlen kann zu einem Haftbefehl führen.

Die Polizei bot dem armen Mann daher an, bei ihr zu übernachten, da wäre bestimmt auch ein Schluck zum Trinken und ein kleiner Imbiss drin. Allerdings bemühte der verarmte Ferrari-Pilot eine Bekannte aus dem fernen Niedersachsen, die dem 65-Jährigen mit 10 Euro aushalf.

Aber vielleicht macht ihm die Justiz ja wegen der Versicherungs-Geschichte und dem Tankbetrug noch ein Angebot, dass er dann einfach nicht ausschlagen kann – wer weiß.

Die vielen Pferdchen aus dem Gestüt Ferrari jedenfalls werden die Weiten der Autobahn wohl zunächst nicht mehr durchstreifen und ob sie ihren Herren so schnell wieder sehen werden, steht auch in den Sternen.

Text: Peter Krüger