Glosse: Wenn Sparfüchse am Werk sind

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Peter Krügel. Foto: Thorsten Gütling

Peter Krügel (44) ist Website-Manager beim Bayreuther Tagblatt. Der Helmbrechtser pendelt täglich rund 80 Kilometer auf der A9 zur Arbeit und zurück. Während dessen ist genug Zeit, sich über Gott und die Welt Gedanken zu machen. Diesmal bewegt Krügel die Frage, was so mit den Steuern passiert, die er treu und brav zahlt.

 

 

Sie kennen das sicherlich: Man schaut so aus dem Autofenster, denkt an nichts böses und sieht mitten auf der Wiese, merkwürdig deplatziert wirkend, etwas sehr eigenartiges. Eine Autobahnbrücke, ganz einsam und alleine, ohne jeglichen Straßenanschluss steht sie einfach so da.

So heißen solche Bauwerke praktischerweise auch: “Soda”-Brücken. Es gibt gewisse bautechnische Gründe weshalb man tunlichst mit der Brücke anfängt bevor die eigentliche Fahrbahn gebaut wird und in vielen Fällen lohnt sich etwas Geduld – so ein paar Jährchen – und aus der vermeintlichen Steuermittelverschwendung wird ein herzerwärmend sinnvolles Projekt.

Die Bayreuther durften ein solches Wunder ja selbst erleben mit der Brücke zwischen Bindlach und Ramsenthal. Ja gut die Brücke wurde ein klitzeklein wenig teurer als geplant, aber immerhin lagen drei Jahre zwischen Bau und Fertigstellung, da verändert sich schon mal die Preisgestaltung.

In anderen Fällen hat man sich in den Wirrungen von Zuständigkeiten und Haushalten ein wenig vergaloppiert. Die schöne Knete ist weg, die Fläche sinnfrei verschandelt, der Steuerzahler zürnt – die Brücke bleibt einfach so da.

Jetzt könnte man sich ja eigentlich freuen, wenn jemand – anders herum – kein Geld verschwenden will, sondern fälschlicherweise ausgegebenes Geld wieder zurückholen will. Hach allein der Gedanke wärmt mich schon.

So schickten sich die Jobcenter an, Geld zurückzufordern das zuvor fälschlich an Bezieher von Arbeitslosengeld II gezahlt wurde.  Immerhin gelang es den Jobcentern auch 18 Millionen Euro zurück in die Kasse zu holen.

So weit, so gut. Und hätte man zuvor einem einzelnen, oder einigen wenigen Bürgern diese Summe zu viel ausgezahlt, wäre von den 18 Millionen auch bestimmt noch was übrig geblieben. Jedoch, zum Ungemach der Steuerzahler, ging es um viele, viele Kleinbeträge. 60 Millionen Euro hat man sich den Prozess der Rückforderung kosten lassen ohne dass während dessen wenigstens mal einer gelacht hätte. Denn Steuermittelverschwendung ist ein bürokratischer und zutiefst humorloser Prozess  – aber meist sehr gut gemeint.