Glosse: Loriot und das Klopapier

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Peter Krügel. Foto: Thorsten Gütling

Peter Krügel (44) ist seit fast 20 Jahren Webentwickler. Da es auf seinem Arbeitsweg mittlerweile fast täglich Stau gibt hat er genug Zeit, sich über Gott und die Welt Gedanken zu machen. Diesmal bewegt Krügel die Frage, was wohl Loriot dazu gesagt hätte, dass sich in einem oberbayerischem Dorf nun eine vor zwölf Jahren irrtümlich bestellte Lkw-Ladung Klopapier dem Ende zu neigt.

 

Bernhard-Viktor Christoph-Carl oder kurz Vicco von Bülow war ein ausgesprochen vielseitiger Mensch dessen humorige Geschichten sich meist um zwischenmenschliche Kommunikationsstörungen drehten.

So sagte er selbst einmal:

„Kommunikationsgestörte interessieren mich am allermeisten. Alles, was ich als komisch empfinde, entsteht aus der zerbröselten Kommunikation, aus dem Aneinander-vorbei-Reden.“

An ihn in seiner großartigen Rolle des Heinrich Lohse in Pappa ante Portas musste ich sofort denken, als ich von dieser Sache mit dem Klopapier las.

In einer langen Reihe gegenseitiger Urheberrechts-Verletzungen hat das Leben, wie es halt nun mal so ist, die Geschichte von Loriot einfach übernommen und ein wenig verfremdet ohne den ursprünglichen  Autoren namentlich zu nennen. Loriot hätte wohl nichts dagegen gehabt.

In der schönen Gemeinde Fuchstal im bayerischen Landkreis Landsberg neigte sich das Klopapier seinem Ende zu. Neues Wischwerkzeug musste her und – da es ja, wie wir im obigen Video von Herrn Lose erläutert bekommen haben, kaufmännisch nicht zu vertreten ist, einzelne Blätter zu kaufen – wurde verantwortungsbewusst in der Familienpackung bestellt. In der sehr, sehr großen Familienpackung. Immerhin wollten ja alle öffentlichen Toiletten der Gemeinde versorgt sein. Dem Steuerzahler wurden durch die vernünftige Einkaufsstrategie satte 1000 Euro gespart.

Als der Sattelschlepper mit der ersten Ladung auf dem Gelände des Bauhofs eintraf, reagierte man dort allerdings nicht ganz so entspannt, wie Herr Lose.

Ganz im Gegenteil, eine gewisse Hektik bemächtigte sich der Angestellten, die nicht nur eine angedrohte zweite Jumbo-Multi-Familienpackung abbestellen, sondern die schon erhaltene Lieferung möglichst eilig von der Bildfläche verschwinden lassen mussten. Wahrscheinlich lag es irgendwie in der Luft, dass die Freude über die Ersparnis verhalten ausfallen könnte.

“Das ist eigentlich an mir vorbeigegangen. Das haben die Burschen alle sauber vertuscht. Der Kollege im Hause hat sofort unsere Bauhof-Mitarbeiter, unseren Wasserwart angerufen – und die haben das Ganze dann verräumt”, so Fuchstals Bürgermeister Erwin Karg im BR.

So ganz vertuschen konnte man die Sache natürlich nicht, wer genau hinsah – und es war wohl schwer zu übersehen – der entdeckte eindeutige Indizien des aus dem Ruder gelaufenen Sparkaufes.

Der Passauer Neuen Presse gegenüber sagt der Bürgermeister „Überall, wo du reingeschaut hast – in jedem Schrank, in jeder Schublade – war Klopapier.“

Jawoll, in den Schulen, bei den Feuerwehren und Verwaltungsgebäuden hätte man sich so richtig freuen können, denn Klopapier war reichlich da. Einlagig, verfärbt von Sonnenlicht und teilweise brüchig geworden. Gehasst haben es die Bürger und so mancher, der regelmäßig in den solchermaßen bestückten Toiletten zu tun hatte, brachte sein eigenes Arbeitsmaterial mit.

Nicht zuletzt wegen dieser Art der Sabotage waren zwölf Jahre nötig, bis das letzte Blatt verbraucht, die Spuren des Fehlkaufs endgültig verwischt waren und die Gemeinde – von diesem Fluch befreit – erlöst aufatmen konnte. Es gibt sie also doch, diese Geschichten, die Loriot nicht besser hätte erzählen können, die sich aber tatsächlich abgespielt haben.

Zeit, einen Moment inne zu halten und dem großen Komiker und seiner kongenialen Partnerin Evelyn Hamann zu gedenken.