Maibaumklau: Die größten Aufreger der vergangenen Jahre

Zuletzt aktualisiert am

Jeder kennt sie: die Tradition des Maibaumaufstellens. Und ein jeder weiß auch, dass der Baum in den Nächten vor dem 1. Mai gut bewacht werden muss. Denn wird er das nicht, ist er schneller weg als man schauen kann. Doch Vorsicht! Beim Stehlen gibt es einige Regeln zu beachten.

15 Regeln für den Maibaumklau

  1. Der Baum muss bereits gefällt sein. Bäume dürfen nicht aus dem Wald gestohlen werden, da es sich sonst um Holzdiebstahl handelt.
  2. Der Maibaum darf erst dann gestohlen werden, wenn er sich innerhalb des Ortes befindet, denn erst dann gilt er als Maibaum.
  3. Der Maibaum des eigenen Ortes ist tabu.
  4. Der Baum muss heimlich und unentdeckt gestohlen werden.
  5. Der Baum darf nicht zersägt oder beschädigt werden.
  6. Gewalt ist tabu. Wenn ein Maibaumhüter seine Hand auf den Baum legt, darf er von den Dieben nicht mehr angerührt werden.
  7. Werden die Diebe innerhalb der Gemeindegrenze überrascht, müssen sie ihre Beute kampflos zurückgeben.
  8. Aufgestellte Bäume dürfen nicht mehr gestohlen werden.
  9. Tafeln und Kränze dürfen nicht geklaut werden.
  10. War der Diebstahl erfolgreich, wird über die Auslöse verhandelt. Die Justiz ist rauszuhalten.
  11. Traditionell spendieren die Bestohlenen eine Brotzeit und Bier.
  12. Nach der Auslösung ist wieder Friede.
  13. Scheitern die Verhandlungen, stellen ihn die neuen Besitzer als Schandmal und als zusätzlichen Segensbringer für ihren eigenen Ort auf. Nach einigen Wochen wird er dann zersägt und versteigert.
  14. Es ist erlaubt einen bereits geklauten Maibaum zu stehlen, entweder von Dritten oder von den Beklauten selbst.
  15. Traditionsgemäß helfen die Maibaumdiebe nach Rückgabe des Baumes den Bestohlenen beim Aufstellen.

Weisheiten zum 1. Mai

Heimatpfleger Adrian Roßner aus Zell hat ein paar Weisheiten von früher parat.

  • Eine davon besagt: Wer sich im Maitau wäscht, bekommt frische und jugendliche Haut.
  • Und wer barfuß über eine taufrische Wiese läuft, bleibt das ganze Jahr gesund.
  • Wer am 1. Mai ausbuttert, dem geht die Butter das ganze Jahr nicht aus.
  • Am 1. Mai sollte man bunte Kleidung tragen und den Frühling zelebrieren, denn die Tristesse des Winters ist vorbei.

Berühmte Maibäume aus Bayreuth und Umgebung

Foto: Pixabay

Gleich mehrere Maibaumdiebstähle haben in den vergangenen Jahren in Bayreuth und Umgebung für Aufsehen gesorgt. Nicht jeder findet es lustig, wenn der eigene Baum gestohlen wird. Manchmal endet die Tradition auch mit Ärger und verhärteten Fronten.

1. Burschen klauen Gartenschau-Maibaum

Dieser Maibaumklau sorgte für Aufsehen: 2016 stibitzten rund 15 Männer aus dem Landkreis Bayreuth den unbewachten Baum vom Gartenschaugelände. In der Nacht zum 1. Mai bekam Landrat Hermann Hübner eine SMS. Gegen eine Ablöse bekomme er den Baum zurück. Die Verhandlungen waren erfolgreich: Der wohl berühmteste Maibaumklau in Bayreuth kostete dem Landrat eine Brotzeit. Dafür halfen die Diebe, wie es sich gehört, am 1. Mai beim Aufstellen.

2. Zoff um Speichersdorfer Maibaum

Weniger reibungslos verlief die Auslöse des Speichersdorfer Maibaums 2017. Der Burschen- und Madlaverein aus Kemnath hatte ihn gestohlen. Zwischen den Dieben und den Speichersdorfer Burschen entfachte ein heftiger Streit. Die Bestohlenen warfen den Kemnathern vor, sich nicht an die Traditionen zu halten. Denn die Kemnather entwendeten den Baum bereits in der Nacht zum 21. April, nicht erst in der Woche vor dem Maifeiertag. Außerdem waren den Speichersdorfern die Forderungen der Diebe zu hoch. Der Burschen- und Madlaverein wollte für den Stamm eine Spende für den Kindergarten, den Verein und Bier. Zwischenzeitlich boten sie den Baum sogar auf Ebay als Brennholz an. Einig wurden sich die beiden Parteien nicht. Die Speichersdorfer schlugen sich lieber einen neuen Baum.

3. Mistelgau: Anzeige statt Auslöse

Von wegen Brauchtum: Völlig übertrieben fand der Mistelgauer Hummeltrachen-Erhaltungsverein die Auslöse-Forderung von einer Gruppe Jugendlicher aus Gesees, die 2014 ihren Maibaum stahlen. Die Geseeser verlangten 150 Liter Bier und eine ausgiebige Brotzeit. Außerdem sei der Baum nicht als Maibaum zu erkennen gewesen und hätte deshalb nicht gestohlen werden dürfen, sagte der Verein damals. Der Maibaumklau sorgte für Aufsehen. Denn: Die Mistelgauer erstatteten Anzeige gegen Unbekannt, zogen diese wenig später aber wieder zurück. Von der Vorgehensweise der Jugendlichen hielten sie dennoch nichts.

Die Tradition

Bereits aus dem 13. Jahrhundert gibt es erste Hinweise auf den Brauch des Maibaumaufstellens. “Wann genau die Tradition entstanden ist, kann man aber nicht mit Sicherheit sagen”, sagt Heimatforscher Adrian Roßner. Er weiß vom sogenannten “Maienstecken”, aus dem sich das Maibaumaufstellen entwickelt haben könnte. Junge Burschen stellten eine kleine Birke in den Garten ihrer Angebeteten, um ihr Interesse an der Dame zu bekunden.

Traditionell wird der Maibaum in der Mitte des Ortes aufgestellt. Alle kommen zusammen, um gemeinsam zu feiern. Foto: Pixabay

“Später wurde ein Baum in der Mitte des Ortes aufgestellt. Als Symbol für das Erwachen der Liebe und der Natur  im Frühjahr und als Zeichen der Gemeinschaft.” Roßner vermutet, dass der Brauch vor allem auch aus dem Bereich der Landwirtschaft kommt. Die Menschen waren aufeinander angewiesen. Gemeinsam stellten sie den Maibaum auf, gemeinsam ernteten sie in den kommenden Monaten die Felder. Sie feierten den Frühling und die Gemeinschaft. Die Menschen besonnen sich auf Traditionen zurück. “Sie dachten, wenn sie die Natur zu schätzen wissen, wird sie ihnen wohl gesonnen sein und ertragreiche Ernte bringen.”

Der Schmuck

Traditionell werden die Maibäume mit bunten Bändern geschmückt, die die tristen Wintermonate vergessen lassen sollen und den Frühling willkommen heißen. Die Tafeln ehren die Gewerke und drücken die Wertschätzung der Menschen gegenüber dem Handwerk aus. “Solche Zunftbäume bleiben häufig bis zu einem Dreiviertel Jahr stehen statt nur vier Wochen”, erklärt Roßner.

Die Tafeln des Bayreuther Maibaums ehren das Handwerk. Foto: Pixabay