Tierpark Röhrensee: Seltene Vögel und aufmüpfige Gänse

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King Loui und Frau Horst sind Manuela Wengerts absolute Lieblinge im Tierpark Röhrensee. Sobald die Tierpflegerin das Häuschen der beiden Hawaiigänse betritt und ihre Namen ruft, kommen sie angewatschelt. Natürlich hoffen die Tiere, dass Manuela Wengert ihnen etwas Leckeres mitgebracht hat. Ganz oben auf der Liste ihrer Lieblingsspeise steht Salat. Davon verdrücken King Loui und Frau Horst gerne auch einmal vier Köpfe pro Tag. Im Video über dem Text erzählt die Tierpflegerin von ihren Lieblingstieren.

Frau Horst und King Loui (vorne) sind sehr zutrauliche Hawaiigänse. Fotos: Redaktion

Die Hawaiigänse sind richtig zutraulich. Deshalb mag die Tierpflegerin die beiden auch so gerne. Doch King Loui heißt nicht umsonst so. Er ist oft auch ziemlich frech, angeberisch und furchtlos. Zum Beispiel wenn er früh am Morgen auf dem großen Stein in seinem Gehege steht, die Flügel weit ausgebreitet von sich streckt und den sterbenden Schwan spielt. Und wer nicht aufpasst und seine Finger ins Gehege steckt, wird auch mal gezwickt.

Seit vier Jahren betreut Manuela Wengert die Tiere in Bayreuth. Vielleicht versteht sie sich auch so gut mit dem Hawaiigänserich, weil er – wie sie selbst – aus Berlin kommt. “Wir müssen zusammenhalten, oder King Loui?”, fragt die Tierpflegerin ihren Liebling und lacht.

Seltene und sehenswerte Tiere

King Loui und Frau Horst sind das beste Beispiel dafür, dass im Tierpark nicht nur die Lieblinge der Besucher ein schönes zu Hause gefunden haben. Natürlich sind die weißen Esel, Hirsche, Kängurus und Ziegen, die auch gestreichelt werden dürfen, hübsch anzusehen, doch der Park hat noch viel mehr zu bieten.

Manche Tiere werden kaum wahr genommen. Dabei sind viele seltene Exemplare, teilweise sogar vom Aussterben bedroht und mindestens genauso sehenswert, wie die Publikumsmagnete vom Röhrensee. Auch die Hawaiigänse sind sehr selten. “1950 gab es nur noch 30 Tiere”, sagt Robert Pfeifer, der Leiter des Stadtgartenamts.

Wir hoffen, dass die beiden nächstes Jahr auch Nachwuchs bekommen. Brutzeit ist von November bis Februar.

(Manuela Wengert, Tierpflegerin)

Nachwuchs bei vielen Arten

Bei den Temminck-Tragopanen hat es mit dem Nachwuchs schon geklappt. Drei Junge hüpfen mit ihren Eltern zur Zeit in der Voliere umher. Die männlichen Hühnervögel aus Asien sind auffällig orange-rot gefärbt. Das Federkleid der Weibchen ist wie bei den meisten Vögeln unauffällig braun.

Das Männchen ist bunt gefärbt.

“Weil die Wälder in West-China gerodet werden, sind viele Tier- und Pflanzenarten, auch der Temminck-Tragopan, gefährdet”, sagt Pfeifer. Durch die Nachzucht, die am Röhrensee seit zirka sechs Jahren jedes Jahr klappt, sind die Bestände zumindest in den Tierparks gesichert.

Ihre Voliere teilt sich die Hühnervogel-Familie mit anderen Arten aus Asien. Zum Beispiel mit den Mandarinstaren, die ebenfalls Nachwuchs haben, und mit den Orient-Turteltauben.

Wenn das Gehege groß genug ist, funktioniert das gut. Wir achten natürlich darauf, dass nur Tiere aus der gleichen Lebenswelt zusammenleben. Die Vögel stammen alle aus Asien.

(Robert Pfeifer, Leiter des Stadtgartenamts)

Auch viele der Pflanzen stammen aus der jeweiligen Gegend, sodass sich die Tiere heimisch fühlen. Erst vor Kurzem pflanzte das Stadtgartenamt Sumpfporst und Königsfarn aus Ostasien.

Park lockt frei lebende Tiere an

In ihren Gehegen haben die Tiere viele Möglichkeiten, sich zu verstecken. “Sie sollen nicht direkt auf dem Präsentierteller sein. Außerdem lohnt es sich, stehen zu bleiben und Ausschau nach den Vögeln zu halten”, sagt Pfeifer. Einmal am Röhrensee innehalten und einen Blick auf die Kranichinsel werfen – auch das lohnt sich. Dort entdecken die Besucher zwei männliche Weißnackenkraniche. Auch diese Art ist selten. Die Kraniche stammen aus einem Erhaltungszucht-Programm. Der Tierpark hat sie aus dem Zoo Leipzig aufgenommen. Die Männchen werden, wenn sie von einem anderen Tierpark gebraucht werden, zur Zucht zur Verfügung gestellt.

Auf der Kranichinsel leben die beiden Weißnackenkraniche.

In der Voliere gegenüber leben einige Nachtreiher. Auf der Roten Liste werden sie in Deutschland unter “stark gefährdet” geführt. Umso mehr freut sich der Leiter des Stadtgartenamtes darüber, dass sich vor wenigen Tagen ein frei lebender Nachtreiher zu seinen Artgenossen gesellt hat. “Der Nachtreiher saß außerhalb der Voliere auf einem Holzstumpf im See. Wir dachten erst, dass das Gehege ein Loch hat und haben alles abgesucht. Aber in der Voliere hat kein Tier gefehlt”, erzählt Pfeifer. Der Nachtreiher hat sich also erst im Tierpark angesiedelt und stammt nicht aus dem ursprünglichen Bestand des Tierparks.

Der frei lebende Nachtreiher (rechts) hat sich in der Nähe seiner Artgenossen niedergelassen.

Schwarz bis in die Knochen

Hühner mit schwarzem Gefieder mögen nicht so selten sein. Am Röhrensee leben ganz besondere schwarze Hühner: Cemani-Hühner. An ihnen ist einfach alles schwarz – das Gefieder, der Schnabel, die Augen, der Kamm, das Fleisch, die Haut und sogar die Knochen. Lediglich die Eier sind cremefarben. Pfeifer erklärt: “Der Grund dafür nennt sich Hypermelanismus.” Eine übermäßige Einlagerung von Melanin ist also für die Färbung verantwortlich.

Bei ihrem Freund, dem weißen Esel, fühlen sich die schwarzen Cemani-Hühner pudelwohl.

40 Arten, 250 Tiere

Im Tierpark am Röhrensee leben zwischen 150 und 250 Tieren, je nachdem wie viele Jungtiere gerade zur Welt gekommen sind. Robert Pfeifer fällt es, anders als Manuela Wengert, schwer, sich für ein Lieblingstier zu entscheiden. “Ich mag und kenne alle Tiere.” Und dann lässt er doch durchblicken, dass er mit den chinesischen Vögeln vielleicht ein kleines bisschen mehr sympathisiert als mit anderen.

Sie sind so interessant, weil sie so vielgestaltig sind, zum Beispiel in ihrem Gesang. Außerdem sind sie in freier Natur bedroht und im Tierpark ein bisschen wie Botschafter für den Naturschutz.

(Robert Pfeifer, Leiter des Stadtgartenamts)