Glosse: Wir retten die Welt – aber eher so theoretisch

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Peter Krügel. Foto: Thorsten Gütling

Peter Krügel (44) ist seit fast 20 Jahren Webentwickler. Da es auf seinem Arbeitsweg mittlerweile fast täglich Stau gibt hat er genug Zeit, sich über Gott und die Welt Gedanken zu machen. Diesmal fragt sich unser Techniker, wann wir eigentlich mal damit anfangen wollen die Welt zu retten anstatt immer nur darüber zu reden.

 

 

 

Sie haben es ja sicherlich schon mitbekommen – die Welt geht unter. Es ist nicht so ein auf wackliger Faktenlage dahergelaufener und mal eben so dahinprophezeiter Weltuntergang  und auch kein fernes Ende.

Schuld an der Misere ist nicht der Mensch allein, aber wir tragen tüchtig zur Beschleunigung des Vorgangs bei.

So rund 100 Jahre lang  haben wir es mal so richtig Krachen lassen, mit lauter Mucke und knatternden Motoren -und schwupps, schon ist die Kugel, zumindest was ihre Eigenschaft als Lebensraum für viele Tierchen und Pflänzchen, also auch uns Menschen angeht, ziemlich hinüber. In wiederum rund 100 Jahren wird es für uns ziemlich ungemütlich werden und noch mal 100 Jahre später könnte es wirklich für den Menschen vorbei sein. So zwei Jahrhunderte sind Erdgeschichtlich gleich um die Ecke.

Wir sind zu viele Menschen, wir produzieren zu viel Müll, verbraten zu viele Ressourcen und dezimieren zu viel Wälder, Wiesen und Tierarten.

“Ihr habt es echt mal drauf gehabt!” werden unsere Kinder und Enkel dereinst über uns sagen, wenn sie überhaupt noch was sagen.

Es vergeht fast kein Tag an dem nicht irgendwo in den Medien jemand erklärt wie sehr wir jetzt Anstrengungen unternehmen müssen um die Kurve noch zu kriegen. Zur Rettung der Welt verzichten wir auf Plastik-Trinkhalme und wir hoffen darauf, dass wir endlich mal Elektro-Autos angeboten bekommen, die wir uns auch leisten können und die wir in einer vernünftigen Zeit aufgeladen bekommen und – ach ja – Reichweite sollten sie auch haben und Ladestationen bräuchten wir noch.

So lange das noch nicht soweit ist, versuchen wir es im Kleinen und gehen schon mal mit gutem Beispiel voran – oder auch nicht.

Eine große Open-Air Ausstellung mit dem schönen Namen Auto-Frühling klingt zwar irgendwie nach Aufbruch, dem erblühen des Lebens, nach duftenden Wiesen und lustig singenden Vögeln – hat aber erwartungsgemäß vor allem mit Verbrennungsmotoren und einer weiteren Schädigung  unseres Lebensraums zu tun.

Dass für dieses Event dann auch Fahrradständer in der Innenstadt weichen müssen, verstärkt den Eindruck, dass das kein so richtig leuchtendes Beispiel für mehr Umweltschutz und Umdenken wird.

Wenn wir das mit dem Welt retten weiterhin mit solchem Elan und Enthusiasmus angehen, dann kann das noch heiter werden.