Igel zuhause aufnehmen? Besser nicht!

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Igel fressen sich nach und nach ihr Fettpolster an und suchen sich dann einen Ort, wo sie sich zum Winterschlaf zurück ziehen können. Etwa fünf bis sechs Monate können die Tiere so verbringen. Ihre Körperfunktionen laufen in dieser Zeit auf Sparflamme. Doch oft reagieren Menschen besorgt, wenn sie einen besonders kleinen Igel in den Wintermonaten in Bewegung sehen – zurecht?

Wie man sich in diesem Fall verhalten soll, erklärt Peter Ille, der Geschäftsstellenleiter des Bund Naturschutz Bayreuth, im Video über dem Text.

Verändertes Klima: Igel länger aktiv

Büsche dienen als Rückzugsort für die Igel. Foto: Carolin Richter

Die Temperaturen zu Beginn des Winters, würden statistisch gesehen immer wärmer werden, erklärt Peter Ille. “Deswegen braucht man sich auch keine Sorgen machen, wenn einem im Dezember noch Igel begegnen. Sie sind noch dabei sich ihr Fettpolster anzufressen”, erklärt er. Der Igel würde selbst wissen, wann der geeignete Zeitpunkt ist, in den Winterschlaf übergehen.

“Es ist normal, dass Tiere, die im Mai geboren wurden, dann noch nicht so groß sind. Aber kein Grund zur Besorgnis”, sagt der 61-Jährige. Wer viele Laubhaufen und Hecken im Garten habe, hätte eigentlich schon das Nötigste getan.

Schlechte Chancen für den folgenden Winter

Laut Ille sollte man bestenfalls gar keine Igel zuhause aufnehmen, aus folgendem Grund: “95 Prozent der Jungtiere, die im Winter durch den Menschen aufgezogen wurden, erleben den darauf folgenden Winter meist nicht. Denn sie sind so einfach nicht an den Winterschlaf gewöhnt”, fügt Ille hinzu.

Peter Ille, Geschäftsstellenleiter beim Bund Naturschutz Bayreuth. Foto: Carolin Richter

Wenn sie einen kleinen Igel laufen sehen, reagieren viele im Winter leider voreilig. Der Igel hat schon vor mehr als 15 Millionen Jahren existiert – weit vor den Menschen. Deswegen weiß der Igel im Notfall intuitiv, was zu tun ist, auch ohne menschliche Hilfe.

(Peter Ille, Bund Naturschutz Bayreuth)

Naturnah gestalteter Garten

Helfen könne man den Tieren stattdessen, indem man seinen Garten naturnah belässt, wie er sagt. Also, zum Beispiel, nicht zu viele Büsche abschneidet und das Laub um die Büsche anhäuft – als Rückzugsort für die Igel. “Der Garten sollte einfach nicht zu aufgeräumt sein”, sagt er. Auch Unkraut könne getrost mal stehen bleiben, damit Insekten überleben.

Der Garten sollte nicht zu aufgeräumt, sondern naturnah sein. Foto: Carolin Richter


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Obst und Katzenfutter

“Heruntergefallenes Obst darf man gerne liegen lassen. Igeln und auch Vögeln dient das als Nahrung”, fügt Peter Ille hinzu. Wer glaubt, dass es wirklich nötig ist den Igel im Notfall bei der Ernährung zu unterstützen, könne Katzenfutter im Garten auslegen.

Fallobst sollte man als Nahrung für die Igel liegen lassen. Symbolfoto: Pixabay

Allerdings warnt Peter Ille: “Man muss sich bewusst sein, dass man durch das ausgelegte Futter auch andere Tiere, wie Ratten, anlocken kann.”

Finger weg von Milch

Ein Irrglaube: Auf keinen Fall, sollte man den Igeln Milch geben. “Die Milch schmeckt ihnen zwar, lässt sie aber eingehen. Igel vertragen Milch überhaupt nicht”, ergänzt der 61-Jährige.