bt-Filmkritik: “Joker” – zwei Stunden voller Wahnsinn

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Angst vor dem neuen “Joker”? Wenn Arthur Fleck nicht gerade auf den Straßen von Gotham City als Clown verkleidet Werbeschilder für Schlussverkäufe herumwirbelt oder von jugendlichen Schlägern verprügelt wird, kümmert er sich zuhause um seine kranke Mutter Penny. Eines Tages bekommt er einen Revolver geschenkt – was sein Leben dramatisch verändert.

bt-Filmkritiker Alex Bauer war gemeinsam mit zwei bt-Lesern im neuen Streifen “Joker” im Bayreuther Cineplex. Wie sie den Film fanden? Die Antwort gibt’s hier:

Der offizielle Trailer zum Film

So bewertet Hannah-Katharina Martin den Film:

Christian Guth benotet:

Und bt-Filmkritiker Alex Bauer meint:

bt-Filmkritiker Alex Bauer.

Brachial, erschütternd, hervorragend. Drei Wörter, die ‘Joker’ mit Joaquin Phoenix treffend beschreiben. Zwei Stunden Wahnsinn im wahrsten Sinne, nach denen man begeistert, aber auch ein bisschen verstört aus dem Kino kommt. Und das ist gut. Sehr gut sogar.

‘Joker’ ist keine klassische Comic-Verfilmung, ganz klar. Kein Batman. Keine Superschurken, die Gotham City zerstören wollen. Nur Arthur Fleck alias Joker. Den plagen psychische Probleme, er muss in den unpassendsten Momenten unkontrolliert lachen und wird von der Gesellschaft eigentlich nur getreten. Eine gescheiterte Persönlichkeit in einer Welt, die ihn nicht braucht und auch nicht will also.

Der angesprochene Wahnsinn steigert sich von Minute zu Minute, Fleck driftet immer weiter ab und verliert so auch noch die restliche Kontrolle in seinem eh schon kaputten Leben. Der Zuschauer sieht dem ganzen traurigen Spektakel zu und weiß irgendwann nicht mehr, ob er nun Mitleid mit Arthur haben oder ihn doch hassen soll. Denn wenn Arthur richtig loslegt, wird es ziemlich brutal und man bekommt einen Eindruck, dass das erst der Anfang des künftigen Erzrivalen Batmans ist.

Phoenix liefert als Arthur/Joker sein Meisterstück ab. Er hat sich heruntergemagert. Mimik, Gestik, das ist alles ganz groß und fesselt. Und: wenn Arthur wieder unkontrolliert lachen muss, bekommt man regelrecht Gänsehaut, so schräg und beängstigend ist es. Phoenix beweist mit seinem Joker-Spiel, dass er zu den großen Charakterschauspielern gehört und jetzt doch mal einen Oscar verdient hätte.

Wenn ein solcher Film so fixiert auf die Hauptperson ist, bleibt jedoch kein Platz für die anderen Figuren. Das merkt man bei ‘Joker’ definitiv. Sie sind alle sehr oberflächlich gehalten, man sieht und vergisst sie auch schnell wieder. Ist nicht schlimm. Mein Fazit: Ein großartiger Joaquin Phoenix, viel Tragik und sehr viel Wahnsinn machen ‘Joker’ zum wohl besten Film des Jahres.

4,5 von 5 Sterne