Der Fall Collini

Zuletzt aktualisiert am

bt-Kinokritiker Alex Bauer war diese Woche zusammen mit zwei Leserinnen des Bayreuther Tagblatts im Kino und hat den neusten Film bewertet. Kann Elyas M’Barek in dem Film “Der Fall Collini” in einer ernsthaften Rolle überzeugen?

Darum geht’s:

Das sagt Sema Bager dazu:

Die Meinung von Nicole Fischer:

bt-Filmkritiker Alex Bauer findet:

Neigschaut: bt- Kinokritiker Alex Bauer.

Vielleicht kennt der eine oder andere noch „Eine Frage der Ehre”: In einer Szene nagelt der junge Anwalt McKaffee (Tom Cruise) im Kreuzverhör den hoch dekorierten US-General Jessep (Jack Nicholson) so fest, dass dieser für einen kurzen Moment doch wirklich ausrastet, seine Worte nicht mit Bedacht wählt und sich so selbst belastet. Fall gelöst. Prozess gewonnen. Bäm. Wahnsinn. So stellt man sich einen guten Justiz-Thriller vor.

Und dann sitzt man in „Collinis Fall” – ein deutscher Justiz-Thriller, basierend auf einem Roman von Ferdinand von Schirrach, mit Elyas M’Barek als taffer Anwalt. Da kann man schon einmal skeptisch sein. Weil man sich nicht sicher ist, ob deutsches Kino auch gute Thriller kann. Aber auch wegen M’Barek. Denn sind wir mal ehrlich: Ernsthafte Rollen mit Tiefe hatte er bis jetzt nicht.

Aber er zieht Publikum. Weibliches Publikum vor allem. So werden sich manche Fans wohl den Film anschauen, ohne zu wissen, was da groß auf sie zukommt und einfach nur hoffen, dass M’Barek wieder eine sinnfreie Duschszene hat, ihn kurz mal nackt sehen und schmachten kann. Hier muss ich aber enttäuschen: er zieht sich nicht aus, er läuft nicht nackt durchs Bild, er hat meistens einen Anzug an.

Wenn man mehr Wert auf die Geschichte des Films, auf die Schauspieler etc. legt, dann bekommt man einen überraschend guten, interessanten und vor allem spannenden Thriller vorgesetzt. Wer hätte das gedacht? OK, der Film tut sich in der ersten Stunde etwas schwer, Spannung aufzubauen – man gibt eben der Geschichte viel Zeit, sich zu entwickeln, es müssen viele Charaktere vorgestellt und die Fronten zwischen ihnen abgesteckt werden.

M’Barek spielt dabei den jungen, unerfahrenen Anwalt Caspar Leinen. Der übernimmt die Pflichtverteidigung für Fabrizio Collini (wortkarg wie eh und je: Franco Nero), der wiederum den Großindustriellen Jean-Baptiste Hans Meyer kaltblütig erschossen hat. Pikant: Leinen kennt das Opfer, wurde er doch wie ein Sohn von Meyer behandelt. Während Collini beharrlich wegen der Mordgründe schweigt, versucht Leinen also auf eigene Faust Lichts ins Dunkle zu bringen und kommt dabei einem erschreckenden Geheimnis auf die Spur.

Mehr kann und darf man nicht verraten. Wenn der Zuschauer die erste Stunde des Films „überstanden” hat, darf er sich aber dann auf einen Plott mit menschlichen Abgründen freuen, der die Frage stellt, ob man Unrecht mit Unrecht tilgen kann – und das dann wirklich spannend bis zum Schluss. Auch die Schauspielerriege kann sich sehen lassen: M’Barek spielt den anfangs unsicheren Anwalt Leinen, der nach und nach an seiner Aufgabe wächst, überzeugend.

Mit den Rollen für Alexandra Maria Lara, Heiner Lauterbach und der Italo-Western-Legende Franco Nero wurde alles richtig gemacht. „Der Fall Collini” ist kein anspruchsloser Thriller, den man sich einfach mal so nebenher anschauen kann – man muss sich auf die Geschichte einlassen. Wenn man das schafft und dem Film die Zeit gibt, die er sich nimmt, wird man mit wirklich gutem Kino belohnt. Und ein bisschen „Eine Frage der Ehre” ist auch dabei, versprochen.

4 von 5 Sterne