Dr. Sleeps Erwachen – “Die Fortsetzung eines Meisterwerks”

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“Es ist wohl einer der größten Schockmomente aller Zeiten.”, schreibt Dmitrij P. auf der Internetseite filmstarts.de über Stanley Kubricks Film “Shining”. Der Film aus dem Jahr 1980 gilt als einer der besten Filme seines Genres. Nun, fast 40 Jahre später, erhält er seinen Nachfolger: Dr. Sleeps Erwachen.

Ob der neue Film mit dem Klassiker mithalten kann und ob sich der Gang ins Kino lohnt, verrät bt-Kinokritiker Alex Bauer und bt-Leserin Emilie Meyer in ihrem Review.

Der Trailer zum Film

Das sagen Emilie Meyer zu Dr. Sleeps Erwachen:

bt-Filmkritiker Alex Bauer findet:

bt-Kinokritiker Alex Bauer. Foto: Thorsten Gütling

2019 waren Stephen Kings Werke ziemlich angesagt als Kinostoff, gleich drei Filme hat das Jahr gebracht: Das Remake von “Friedhof der Kuscheltiere” war ein ziemliches Desaster, “ES 2” machte viel richtig und war in vielen Momenten unterhaltsam und nun darf es “Dr. Sleep probieren, oder auch “Dr Sleeps Erwachen”, wie er in Deutschland unsinnigerweise genannt wird.

Die Geschichte knüpft einige Jahre nach den Ereignissen von “Shining” an – Danny Torrance hat gemeinsam mit seiner Mutter den Schrecken des Overlook-Hotels überlebt, die Geister des Hauses verfolgen ihn aber weiterhin. Die Jahre vergehen, Danny betäubt sich mit Alkohol, um seine Gabe zu unterdrücken und die Geister in imaginären Kisten wegzusperren und bekommt sein Leben schwer auf die Reihe. Es kommt aber, wie es kommen muss, seine Gabe und die Vergangenheit holen ihn ein und er muss sich einer neuen Gefahr stellen.

“Dr Sleep” lässt sich relativ viel Zeit für die Story, die Charaktere werden ausgiebig vorgestellt, man bekommt mit, wer hier der Gute und wer der Böse ist. Viel passiert aber nicht in der ersten Stunde. Und das ist ziemlich schade, denn man langweilt sich doch sehr schnell. Und auch als die Geschichte mehr in Fahrt kommt, passiert das eher im Schneckentempo. Viele Nebenplots lenken von der Hauptgeschichte ab, einiges wird auch nicht groß erklärt, beispielsweise, warum Danny überhaupt “Dr Sleep” genannt wird. Wäre vielleicht gut zu wissen, wenn der Film schon so heißt.

Und wenn es dann gegen Ende zurück ins berüchtigte Overlook-Hotel geht, sind schon mehr als zwei Stunden vergangenen, in denen man sich einfach mehr Spannung gewünscht hat.

Das klingt jetzt alles sehr hart, denn “Dr Sleep” macht in weiten Teilen trotzdem viel Spaß. Das liegt unter anderem am durchweg guten Soundtrack und einer Geräuschkulisse, die ein beklemmendes Gefühl erzeugt. Daumen hoch dafür. Aber auch die Schauspieler können überzeugen. Ewan McGregor spielt den von seiner Gabe gebeutelten Danny einfach gut, überragend bösartig kommt Rebecca Ferguson rüber, die die skrupellose Rose the Hat mimt. Man muss aber auch den restlichen Cast loben, hier natürlich die erst dreizehnjährige Kyliegh Curran, die als Abra eine der wichtigen Rollen übernehmen darf. Und zuletzt können sich auch die Sets sehen lassen.

Stanley Kubricks “Shining” ist allgegenwärtig. Mike Flanagan, der für Drehbuch, Regie und Schnitt zuständig war, ließ die Räume des Overlook-Hotels detailgetreu nachbauen, auch die “Shining”-Anfangssequenz wurde mit eingebaut und Danny darf, wie sein Vater, allein an der Bar des Hotels sitzen – auch wenn McGregor nicht an den Wahnsinn Jack Nicholsons rankommt.

“Dr. Sleep” hat insgesamt eine Chance an den Kinokassen verdient, ist er doch die überzeugendste King-Verfilmung in diesem Jahr, auch wenn er keine hervorragende Fortsetzung zu Stanley Kubricks Meisterwerk aus dem Jahr 1980 ist. Dafür sind die Fußstapfen dann doch einfach zu groß.”

3,5 von 5 Sternen