Kritik: “Ich war noch niemals in New York” – ein Spektakel der Peinlichkeit

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Deutsches Musical mit berühmten Schauspielern auf der Kinoleinwand: gibt’s nicht? Doch! bt-Filmkritiker Alex Bauer war gemeinsam mit zwei bt-Lesern im neuen Film “Ich war noch niemals in New York” im Bayreuther Cineplex. Nach dem Film vergibt der Filmexperte magere null Punkte. Die Begründung dafür gibt’s hier!

Der offizielle Trailer zum Film

So bewerten Michaela Schmidt-Franke und Stefanie Keil den Film.

Und bt-Filmkritiker Alex Bauer meint:

bt-Filmkritiker Alex Bauer.

Minute 1: Es wird gesungen. Es wird getanzt. Gut, “Ich war noch niemals in New York” ist eine Musical-Verfilmung mit Songs von Udo Jürgens, da war das klar. Es nervt aber jetzt schon. Heike Makatsch darf eine arrogante Fernseh-Moderatorin spielen, die die besten Zeiten hinter sich hat. Katharina Thalbach ist ihre schrullige Mutter, die ihr Gedächtnis verliert und mit einem Luxusdampfer nach, welch Wunder, New York fahren will, denn, oha, sie war da noch nie.

Minute 23: Der Kapitän des Dampfers lallt ständig, alle Passagiere sind in Pastelltönen gekleidet, die Sonne scheint immer grell und es wird weiter getanzt und gesungen. Und die Handlung? Die ist belanglos, sinnfrei und soll wohl unterhalten. Macht sie nicht. Habe ich mich schon ungefähr ein Dutzend mal fremdgeschämt. Uwe Ochsenknecht und Moritz Bleibtreu dürfen übrigens auch singen. Der eine kann das nicht, der andere schon einigermaßen. Der eine ist ein abgehalfteter Gigolo, der andere trägt seine tote Ehefrau in einer Kaffeedose herum. Hätten wir das auch geklärt. Eine Stunde vorbei: bis jetzt habe ich jedes Lied von Udo Jürgens gekannt, Fans werden dementsprechend ihren Spaß haben, mich erinnert das ganze nur an Melodien-für-Millionen-Abende mit Dieter Thomas Heck auf der Couch meiner Großmutter Anfang der 90er Jahre. Schlimm, wirklich schlimm das Ganze.

Nach 100 Minuten: warum ist der Film nicht endlich vorbei? Also wirklich, nach knapp eindreiviertel Stunden ist eigentlich alles erzählt. Alle durften mindestens einmal singen, jedes Paar hatte ihren Herzschmerz-Moment, der Kapitän durfte lallen, es wurde getanzt und mittlerweile ist jedem klar, dass Matrosen alle von Kopf bis Fuß tätowiert sind. Noch immer scheint die Sonne grell, noch immer ist die Geschichte eine Aneinanderreihung von Peinlichkeiten und Fremdschämmomenten. Aber es fehlt natürlich noch das große Happy-End, das große Sing-Tanz-Finale. Ich kann es gar nicht erwarten, den Abspann zu sehen. Nach zwei Stunden ist es soweit. Alle sind glücklich, jedes Paar hat sich endlich gefunden, sogar der griechische Magier Costas (gespielt von Pasquale Aleardi, der alle an die Wand singt) darf seinem Fred einen Ring an den Finger stecken und es wird fröhlich durch die Straßen New Yorks getanzt.

Der Film ist vorbei. Endlich. Was bleibt? Heike Makatsch war als Hildegard Knef großartig, hier leider durchweg nervig, Katharina Thalbach hat trotz Singeinlagen Spaß gemacht, ich will nie mehr Uwe Ochsenknecht singen hören und wer ist eigentlich dieser Mat Schuh, der augenscheinlich nur aus Zähnen besteht, aber einen gealterten Rock’n’Roll-Gigolo mit Charme spielt? Naja, egal. “Ich war noch niemals in New York” ist leider ein zwei Stunden dauerndes Spektakel der Peinlichkeit, das definitiv nur Fans des Musicals gefallen wird. Hoffentlich.”

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