Flohmarkt am Bayreuther Volksfestplatz im Mai

Flohmarkt am Volksfestplatz: Wenn Erinnerungsstücke ihren Besitzer wechseln

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Insgesamt 700 Beschicker haben sich am Wochenende bei reichlich Sonnenschein auf dem Bayreuther Volksfestplatz versammelt, um Altes und Vergessenes an einen neuen Besitzer zu bringen. Und um Anderes für sich neu zu entdecken. Manche Leute kämen auch an beiden Tagen hierher. „Ein sehr gutes Ergebnis“, wie Vanessa Mauermann von der BMTG sagt. Die bt-Redaktion hat sich vor Ort umgehört und zeigt Ihnen ein paar echte Erinnerungsstücke.

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Sie kommen mit Autos, Wohnwägen und Transportern aus Bayreuth, Kulmbach oder Hof, einige auch aus Thüringen. Auf dem Bayreuther Volksfestplatz haben sie auf Tischen und in Kartons persönliche Gegenstände aufgebaut, die nun bereit sind ihren Besitzer zu wechseln.

Die rote Baseball-Cap

Auf dem Tisch eines Paares liegt eine rote New Era Baseball-Cap aus Amerika. „Als ich auf einer Geschäftsreise in Philadelphia war, habe ich alles möglich gemacht, um diese originale Cap in der Größe 7 1/8 dort im Fan-Shop des Baselball-Teams kaufen zu können. Denn mein Mann ist ein großer Fan“, sagt Saskia Huß. Sie habe die Größe der Cap extra vor der Reise noch einmal abgemessen. Umgerechnet 43 Euro habe sie dafür ausgegeben. Doch als sie nach Hause kam, die Enttäuschung: „Als ich ihm die rote Baseball-Cap – sichtlich stolz – überreicht habe, merkte ich, dass er sich gar nicht freut und war verwundert“, erzählt sie. „Es war leider die falsche Größe gewesen“, sagt Alexander Kapp-Huß und ergänzt: „Die Cap, die meine Frau vor der Reise abgemessen hatte, war eine, die mir zu klein geworden war. Ich hatte sie zur Seite gepackt, um sie auszusortieren.“ Seitdem liegt die rote Baseball-Cap unbenutzt bei den Beiden zuhause. Heute sei der Zeitpunkt gekommen, an dem sie einen Besitzer finden kann, dem sie hoffentlich passe, so Saskia Huß.

Flohmarkt Erinnerung Cap und Pippi Langstrumpf

Saskia Huß und Alexander Kapp-Huß mit der Baseball-Cap und Pippi Langstrumpf. Foto: red

Pippi Langstrumpf

Bei Saskia Huß steht auch noch eine Miniatur von Pippi Langstrumpf auf dem Verkaufstisch. „Die habe ich als 4-Jährige selbst geschnitzt“, sagt sie. Sie wäre als Kind in einem Schnitzverein gewesen, hätte das richtig gelernt. Doch auch Pippi Langstrumpf zieht heute aus der Bayreuther Wohnung aus.

Das Puppenbett

Heidemarie Tetzner-Niklas aus Ramsenthal bei Bindlach ist seit 1984 Besitzerin dieses Puppenbetts. „Ich war damals als junge Frau auf einer Demo gegen Tierversuche in Augsburg“, sagt sie. Sie habe sich gerne engagiert und sei nach der Demo noch auf einem Augsburger Flohmarkt vorbei gekommen. „Weil ich zur bestandenen Meisterprüfung einen sogenannten Täufling, also eine Puppe, geschenkt bekommen habe, wollte ich das Bett mitnehmen, um ihn hineinzulegen“, sagt sie. Ihr Clärchen, so heißt die Puppe, habe sie noch immer zuhause. Doch das Bett könne nun weiter auf Reisen gehen, sagt die Ramsenthalerin.

Flohmarkt Erinnerung Puppenbett

Heidemarie Tetzner-Niklas mit ihrem Puppenbett. Foto: red

Die Schaufensterpuppe

Die folgende Beschickerin möchte anonym bleiben. Neben ihrem Tisch blickt eine Schaufensterpuppe elegant zur Seite. Und was für einen Augenaufschlag, mit richtigen Wimpern, sie hat! „Die Schaufensterpuppe stammt aus den 50er-Jahren. Ich habe damals in einem Bekleidungsgeschäft gearbeitet. Die Puppe habe ich restauriert, weil sie im Laufe der Jahre ein paar Makel bekommen hatte“, sagt die Frau. Sie sei wohl viel Wert und doch viel zu Schade, um im Keller zu verstauben. Eine Puppe dieser Art, finde man heute nur noch selten. Solch ausgeprägte Gesichtsdetails habe man heute nicht mehr. Die Puppen sollen jetzt nicht zu sehr auffallen im Schaufenster, sondern den Blick mehr auf die Kleidung lenken. Ebenso aus den 50er Jahren kommt die braune Ton-Vase neben der Puppe. Gemeinsam, Seite an Seite, haben sie die vergangenen Jahre verbracht.

flohmarkt Erinnerung Puppe

Eine Beschickerin mit einer Schaufensterpuppe aus den 50er Jahren. Foto: red

Ein Kerzenhalter aus Alabama

Margot Ploss war vor 14 Jahren im Urlaub in Alabama, im Südosten Amerikas. Dort fand sie den gelben Kerzenhalter, kaufte ihn und packte ihn mit in ihren Koffer. „Der Kerzenhalter aus Alabama gefällt mir heute noch gut, aber er passt farblich einfach nicht mehr in die Wohnung. Ich habe ihn damals in einem Antiquitäten-Laden gefunden und bis vor Kurzem noch selbst verwendet“, sagt die Bayreutherin.

Flohmarkt Erinnerung Kerzenhalter und Waschschale

Margot Ploss mit gelbem Kerzenhalter und der Halterung für die Waschschüssel. Foto: red

Als Halt für die Waschschüssel

Die verzierte Halterung in ihrer anderen Hand sei für eine Waschschüssel gedacht. „Meine Mutter hatte sie immer auf der Schlafzimmerkommode stehen“, sagt Margot Ploss. „Aber die Verzierung passt auch nicht zu meinen anderen Sachen, die ich aus Porzellan zuhause habe.“ Lange Zeit habe sie die Dinge von ihrer verstorbenen Mutter und der Schwiegermutter aufgehoben, da sie zum Wegschmeißen zu Schade gewesen wären. Vor ein paar Jahren habe sie es dann doch in die Hand genommen und war seither auf sechs Flohmärkten gewesen. „Manches hat man heutzutage einfach nicht mehr. Vielleicht hätte es schneller einen neuen Besitzer gefunden, wenn ich es schon damals weiter verkauft hätte“, sagt sie und überlegt.

Flohmarkt Erinnerung Brotkörbe

Margot Ploss mit den geflochtenen Brotkörben. Foto: red

Die Brotkörbe

Die Brotkörbe seien auch noch aus Zeiten des Schwiegervaters. „In dem großen Korb, hat man das Brot auf dem Tisch angerichtet, in den zwei kleineren geflochtenen Körben wurde die Brotlaibe damals gebacken“, sagt sie und seufzt. Ob sich ein neuer Besitzer am Volksfestplatz finden wird?