Gespiegelte Wirklichkeiten im Historischen Museum Bayreuth

Bayreuths gespiegelte Wirklichkeiten

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Der Ausflug in die theatralische Vergangenheit Bayreuths begann mit einem geschenkten Marionettentheater.
Nicht für den Besucher, in der Sonderausstellung “Gespiegelte Wirklichkeiten” steht es nämlich ganz am Ende des Rundgangs, aber für Martina Ruppert.

In ihrer Funktion als Leiterin des Historischen Museums bekam sie die Mini-Bühne von den Nachfahren des ehemaligen Bayreuther Bürgermeisters Friedrich Carl Dilchert geschenkt. Der war von 1851 bis 1863 im Amt, also Jahrzehnte, bevor überhaupt an Wagner Festspiele zu denken war. Ende des 19. Jahrhunderts wurde das geschnitzte Stück Geschichte von der Familie Dilchert zur Belustigung der eigenen und der Nachbarskinder gekauft. “Im Winter haben sie den gesamten Nachwuchs der Gegend mit dem Schlitten eingesammelt und die Erwachsenen haben für die Kinder ein Theaterstück aufgeführt. Dafür gab es sogar extra Regiebücher zu verschiedenen Stücken.” Also fast so etwas wie historische DVDs.
Ruppert war fasziniert und organisierte eine gesamte Ausstellung um Bayreuth und dessen Theatergeschichte.

 


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Darum kann man nun im Historischen Museum Programmhefte aus dem Jahr 1944 sehen. Oder ein extrem seltenes, aus Wachs geformtes Bühnenbild, von dem bis heute nicht klar ist, wie seine Herstellung überhaupt möglich war.

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Extrem eindrucksvoll ist der Originalentwurf eines Bühnenbildes für das Opernhaus, gezeichnet von Carlo Bibiena. Die Zeichnung ist sowohl die erste Arbeit des berühmten Theaterarchitekten, als auch das erste Bild der, zu dieser Zeit noch nicht eröffneten, Oper. Das Original ist so wertvoll und anfällig, dass es hinter einem schwarzen Vorhang versteckt werden muss. Lüftet man ihn, zieht einen das Bild im Gedanken tief hinein, in die Vergangenheit des Bayreuther Weltkulturerbes.

Damals hätte eine Reproduktion Wochen gedauert, heute geht das zum Glück schneller. So kann man eine vergrößerte Version des Meisterwerks in Wandgröße bestaunen und sogar anfassen, die feinen Linien nachfahren. Und nur erahnen, wieviel Arbeit in dem Entwurf stecken muss.


Das Neue Schloss wurde von 1753 bis 1755 nach Plänen des markgräflichen Hofarchitekten Josef Jean-Pierre errichtet. Unter Einbeziehung von vier schon bestehenden Bauten war diese kurze Bauzeit möglich. Die reich ausgestatteten Räume im Neuen schloss plante die Markgräfin Wilhelmine selbst. Sie gelten als Kostbarkeiten des Bayreuther Rokoko. Vor dem Neuen Schloss steht der Markgrafenbrunnen mit dem Reiterdenkmal des Markgrafen Christian Ernst mit den allegorischen Darstellungen der vier damals bekannten Erdteile und der vier im Fichtelgebirge entspringenden Flüsse. (Text: Stephan Müller)
Im Präsidialbau der Regierung von Oberfranken befinden sich der Landrätesaal, das Empfangszimmer und das Arbeitszimmer des Präsidenten, die vor ihrem Einbau 1904 auf der Weltausstellung in St. Louis, USA, gezeigt wurden. Sie stellten die Leistungsfähigkeit des deutschen Kunsthandwerks eindrucksvoll unter Beweis. Der Landrätesaal ist ein Werk des Breslauer Architekten Martin Dülfer. Für sein Werk erhielt er auf der Weltausstellung den Grand Prix. (Text: Stephan Müller)
Was für ein tolles Geschenk: Zum 25-jährigen Jubiläum der Kulturpartnerschaft schenkte das Burgenland der Stadt Bayreuth zwei seltene weiße Esel. Cosima und Franzi nannten die Bayreuther die beiden Eselstuten. "Cosima" nach Richard Wagners Gemahlin und "Franzi" nach Franz Liszt, der im Burgenland das Licht der Welt erblickte und in Bayreuth starb. (Text: Stephan Müller)
Nächtliche Szene im Herzen der Stadt: Im Hintergrund ist die Gaststätte "Eule" zu sehen, die vielen Generationen von Festspielkünstlern und -besuchern als Künstlerlokal diente und bis heute dient. (Text: Stephan Müller)
Es ist das Ziel der Wagnerianer aus aller Welt: Das weltberühmte Festspielhaus steht auf dem Grünen Hügel in Bayreuth. Es gilt als eines der Opernhäuser mit der weltweit besten Akustik. Für die Planung nach den genauen Vorstellungen Richard Wagners war der Architekt Otto Brückwald zuständig. Es wurde am 13. August 1876 mit der Aufführung des "Rheingold" eröffnet. (Text: Stephan Müller)
Das Liebhardt'sche Palais in der Friedrichstraße 2 ist Sitz der Klaviermanufaktur Steingraeber & Söhne. Johann Sebastian Liebhardt ließ das Gebäude 1754 errichten. Im prachtvollen Rokokosaal des Steingraeber-Hauses, der mit einem Liszt-Flügel aus dem Jahr 1873 ausgestattet ist, finden vornehmlich in der Festspielzeit zahlreiche Kammerkonzerte statt. Gegenüber ist das Sterbehaus des Dichters Jean Paul zu sehen. (Text: Stephan Müller)
"Hier wo mein Wähnen Frieden fand - Wahnfried - sei dieses Haus von mir benannt." Mit diesem Taufspruch, der an der Frontseite angebracht ist, hat Richard Wagner im Jahr 1874 seine Künstlervilla getauft. Auch nach Wagners Tod blieb sie fest in der Hand der Familie: Drei Wagner-Generationen haben hier gelebt, ehe das Haus im Jahr 1976 zum Richard-Wagner-Museum wurde. (Text: Stephan Müller)


Noch bis zum 9. September kann man in die Zeit der theaterbegeisterten Markgrafen (oder auch Bauern, denn Theater war in verschiedenen Variationen damals jedermann zugänglich) eintauchen. Nur im Historischen Museum Bayreuth.