Anwalt Roland Pfister

Handwerksauftrag: So sichere ich mich kundenrechtlich gut ab

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Man kommt nach Hause und auf einmal ist im Haushalt etwas defekt, etwas größeres – ein Handwerker muss her und zwar schnell – so der erste Gedanke. Hauptsache den Schaden zügig beheben. Doch warum es so wichtig ist, sich bei der Auswahl und bei der Beauftragung des Handwerksbetriebes Zeit zu nehmen und nicht voreilig zu unterschreiben, ist einfach nachzuvollziehen: Wer im Voraus die Auftragsvergabe unstrukturiert und gar mündlich vereinbart, hat am Ende keinerlei Verhandlungsbasis.

Roland Pfister vom Verbraucher Service Bayern, der zuvor über 30 Jahre als Anwalt tätig war, hat am vergangenen Freitag die Bayreuther im RW21 beraten, welche Rechte man als Kunde bei Handwerksaufträgen oder Kundendiensten hat. Damit Sie beim nächsten Reparaturfall abgesichert sind, haben wir hier die wichtigsten Aspekte für Sie zusammengefasst:

1) Wie finde ich einen Betrieb, der gut bewertet ist? Wen frage ich für den Auftrag an?

Es gibt verschiedene Varianten Handwerksbetriebe zu filtern: Über das Internet, die Handwerkskammer, eine Innung oder direkt Bekannte, Nachbarn und Freunde fragen, die bereits Aufträge an diesen regionalen Betrieb vergeben haben. Der Experte rät in diesem Fall: Handwerkskammer und Innung bieten zwar eine Übersicht, welche Betriebe es gibt, sagen aber im Normalfall nichts zur Qualität der gelisteten Betriebe. Im Internet findet man relativ schnell einen verfügbaren Betrieb, hat aber keine objektive Bewertung zu deren Preis-Leistungs-Verhältnis. Regionale Betriebe, die über Mundpropaganda weiterempfohlen wurden, sind demnach im Vergleich meist die beste Wahl, so Pfister.


2) Die Abstimmung des Auftrages: Was soll gemacht werden und zu welchem Preis?

Bevor der Handwerker los legt, sollte man immer eine schriftliche Leistungsbeschreibung und anfordern. Dort sind die Details des Auftrages beschrieben und Kosten für einzelne Posten im Detail gelistet. Auch ein Zeitraum, in dem die Leistung zu erbringen ist, sollte aufgeführt sein. Fordert man die Leistungsbeschreibung nicht an, hat man später keinerlei Dokumentation oder Diskussionsgrundlage. Zudem ist es nötig, eine Abrechnungsmethode zu vereinbaren. Hier gibt es verschiedene Varianten:

  • Erstens den Kostenvoranschlag über Regiestunden: d.h. bezahlt wird nach Arbeitszeit. Nur wer die Arbeiten permanent überwacht, kann später die Rechnungssumme im Zweifelsfall verweigern.
  • Zweitens der Kostenvoranschlag über einen Festpreis: Der Kunde kann so konkret kalkulieren, allerdings kann der Preis der Arbeiten möglicherweise etwas höher angesetzt sein.
  • Drittens der Kostenvoranschlag nach Aufmaß: Diese Variante schätzt der Experte als sehr sicher ein. Die Abrechnung erfolgt nach, der Fläche die bearbeitet wird.

Alle zusätzlichen Vereinbarungen, die sich zu einem späteren Zeitpunkt ergeben, als auch Angaben zu Anfahrt / Abfahrt / Abtransport von Material / Nachtzuschlägen sollten schriftlich festgehalten und beidseitig unterschrieben werden. Auch einen sogenannten Sicherheitseinbehalt der Kostensumme, falls Schäden auftreten, vereinbart man bestmöglich im Voraus, rät Pfister.


3) Die Abnahme des Auftrages nach Fertigstellung

Bevor die Rechnung gestellt wird, muss die Leistung immer seitens des Kunden abgenommen werden – ein Schritt der im Alltag oft vernachlässigt wird. Nur so können Sie sicher sein, dass der Auftrag wie vereinbart abgeschlossen wurde und Mängel oder Schäden schriftlich aufnehmen.


4) Behebung der Mängel und die finale Rechnung

Sind Leistungsbeschreibung und Auftragsausführung im Einklang, steht dem Kunden nichts im Wege, die Rechnung guten Gewissens zu begleichen. Falls Mängel entdeckt wurden, sollte man den Betrieb – vor der Zahlung – schriftlich um Nachbesserung bitten. Erfolgt trotz zweimaliger Nachbesserung oder Aufforderung keine Beseitigung der Mängel, darf man einen anderen Betrieb damit beauftragen. Die Kosten können Verbraucher danach beim ursprünglich ausführenden Betrieb in Rechnung stellen. Um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein, sollte man hier ein Beweissicherungsverfahren durchführen, d.h. ein Gutachter stellt dann zuvor fest, was eine Beseitigung der Mängel tatsächlich kosten. Allerdings kostet dieses Verfahren dem Kunden einiges. In Anspruch sollte man es somit eher bei größeren Aufträgen nehmen.

“Alles, was Sie zur Klarheit der Vertragsvereinbarung beitragen können, sollten Sie mit dem Handwerksbetrieb immer im Voraus schriftlich festlegen.” (Roland Pfister)