Engpass: Anti-Baby-Pille derzeit nicht lieferbar

In Deutschland haben Apotheken derzeit mit Lieferengpässen zu kämpfen. Betroffen sind unter anderem Medikamente mit blutdrucksenkenden, gefäßerweiternden Wirkstoffen, dazu Ibuprofen 800 und bestimmte Anti-Baby-Pillen.

Problem: Anti-Baby-Pille

Bei Lieferproblemen von Medikamenten können Kunden häufig auf andere Wirkstoffe umgestellt werden. Dies ist bei vielen der derzeit über 447 nicht lieferbaren Medikamenten möglich. Allerdings funktioniert das nicht immer. Ein besonders schwerer Fall: die Anti-Baby-Pille Zoely.

Wir kriegen jeden Tag Anrufe wegen dieser Anti-Baby-Pille, da sie schon über einem Monat nicht lieferbar ist.
(Helmut Steinhauser, Birken-Apotheke Bayreuth)

Laut dem Hersteller MSD Sharp & Dohne GmbH soll das Verhütungsmittel erst in der letzten Juni-Woche wieder verfügbar sein. Der Apotheker rät Frauen jedoch, bevor sie die Pille abholen in der Apotheke anzurufen. So können Kundinnen schon vorher prüfen, ob der Ovulationshemmer verfügbar ist. 

Erschöpfter Vorrat

Im Normalfall haben Apotheken die meisten, häufig benötigten Medikamente auf Vorrat. Zur Zeit sieht das anders aus. So müssen die Pharmazeuten mehrfach täglich die Verfügbarkeit der Medikamente online abfragen. Kann der Großhandel liefern, wird das Medikament kurz darauf geliefert. Gelingt dies nicht, müssen Ausweichmöglichkeiten gesucht werden.

Ein Apotheker bei der Arbeit. Foto: Pexels.

In einer Umfrage des bayerischen Apothekerverbands haben die Pharmazeutischen Angestellten angegeben, derzeit pro Woche circa fünf bis sechs Stunden mit Lieferengpässen und den Konsequenzen daraus verbringen zu müssen. 

Gründe

Die genauen Gründe sind nicht genau bekannt. Der stellvertretende Pressesprecher des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie, Andreas Aumann, erklärt hierzu, die Lieferengpässe hätten verschiedene Ursachen. Unter anderem seien sie eine Konsequenz aus Rabattverträgen und dem damit erzeugten Preisdruck.  Dieser führe dazu, dass gewisse Medikamente und/oder Wirkstoffe nur noch in wenigen Werken produziert würden. Diese lägen häufig in Billiglohnländern, um Kosten zu sparen. Sobald dann eines dieser Werke ausfällt, komme es direkt zu großen Problemen bei den Lieferungen. 

Medikamente. Foto: Pixabay.

Lösungsansatz

Das Risiko für Lieferengpässe wäre sehr viel geringer, wenn es grundsätzlich erst Ausschreibungen für Arzneimittel geben darf, wenn mindestens vier Anbietern im Markt sind und zudem die Krankenkassen an mindestens drei Anbieter Zuschläge erteilt müssen, von denen mindestens einer den Standort seiner Produktionsstätte in der EU nachweisen muss.

(Andreas Aumann, stellvertretender Pressesprecher beim Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie)

Fabrik-Charme: die Markgrafenhalle von Innen

Markgrafenhallen: Das Schmuckstück ist eröffnet

8.000 Quadratmeter Platz, eineinhalb Jahre Umbauzeit und 10 Millionen Euro Investition: die Sanierung der Markgrafenhallen ist abgeschlossen. Am 28. Mai wurden die Hallen offiziell wiedereröffnet.

“Die Mieter haben ihre Flächen liebevoll und ganz individuell gestaltet.”

(Max Müller, Projektverantwortlicher der Alpha Gruppe)

“Kein Quadratmeter ist mehr frei”, sagt Müller. Alle Flächen seien vermietet. Vor der ehemaligen Spinnerei gibt es 170 Parkplätze.

Bereits 1991 hat die Alpha Gruppe das Gebäude erworben. Seit dem Erwerb lagen die Markgrafenhallen im Dornröschenschlaf und wurden zwischengenutzt – auch während der Sanierungsarbeiten –, sagt Müller. Jetzt ist aus den Hallen ein Dienstleistungszentrum mit ganz besonderem Charme geworden – im Fabrik-Style statt Standard-Räumen.

Das sind die neuen und alten Mieter:

  • Tanzschule Jahn
  • SIB Sprachinstitut Bilge
  • Praxis für Allgemein- und Sportmedizin, Naturheilverfahren und Notfallmedizin Dres. Temmen
  • Augenzentrum Kamppeter
  • HNO-Praxis Becker & Martin
  • Praxis für Logopädie und Ergotherapie
  • Optifit Fitnessstudio
  • Campus direkt
  • Autoschilder Kroschke
  • Step by Step Frühförderzentrum

Rauchverbot: Verein fordert Lockerung

Rauchen im Wirtshaus? Das ist vor mehr als zehn Jahren per Gesetz verboten worden. Der Verein zum Erhalt der Bayerischen Wirtshauskultur (VEBWK) fordert nun, das Rauchverbot in der Gastronomie wieder zu lockern: Betriebe sollen selbst entscheiden dürfen und die Möglichkeit erhalten, Raucherbereiche zu errichten. „Wir brauchen in Bayern eine Politik der Selbstbestimmung und keine Verbotskultur”, schreibt Franz Bergmüller, Vorsitzender des Vereins, in einer Pressemitteilung.

Vorbild Österreich

Das österreichische Volksbegehren „Don’t smoke“ ist gescheitert. FPÖ und ÖVP lehnten die Forderung nach einem kompletten Rauchverbot in der Gastronomie ab. Franz Bergmüller begrüßt diese Entscheidung. Die österreichische Regierung hätte damit ein „klares Zeichen zur Unterstützung der einheimischen Gastronomiebetriebe“ gesetzt.

„Es geht nicht darum, das derzeit geltende Rauchverbot in der Gastronomie gänzlich zu kippen“, erklärt der Vorsitzende seine Forderungen, „allerdings sollen Betriebe die Möglichkeit erhalten, beispielsweise in extra ausgewiesenen und abgetrennten Räume Raucherbereiche zu errichten.“ Eine ähnliche Regelung gilt derzeit in Österreich. 

Rauchverbot schade Wirtshäusern

„Raucherinnen und Raucher im wahrsten Sinne des Wortes auf die Straße zu setzen, wirkt sich insbesondere für kleine und mittelständische Betriebe enorm geschäftsschädigend aus“, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Der Vorsitzende des VEBWK fordert daher dringend eine Erneuerung des aktuellen Gesundheitsschutzgesetzes (GSG).

„Durch das Schaffen einer Ausnahmeregelung im GSG wäre es außerdem denkbar, kleine Betriebe zu Raucherlokalen zu deklarieren“, schreibt Bergmüller, „damit würden zum einen Wettbewerbsnachteile verhindert werden, zum anderen verbessert sich durch eine Registrierung derartiger Betriebe die Kontrollierbarkeit des GSG. Die Gäste, aber auch Ordnungskräfte und Behörden werden damit in die Lage versetzt, sich bereits im Vorfeld über die Ausrichtung des Lokals zu informieren.“

Sogar im Landtag sind Raucher willkommen

Laut dem Föderalismusgesetz sind Raucherräume in Hotels in ganz Deutschland und damit auch in Bayern zulässig. Aufgrund eines Volksentscheides gilt dies allerdings nicht für bayerische Gastronomiebetriebe. Beispielsweise in Krankenhäuser bleiben Raucherbereiche dagegen erlaubt. Auch große Behördeneinrichtungen und der Bayerische Landtag bieten derartige Räume an. „Der VEBWK fordert eine Übernahme dieser Regelung für unsere bayerische Gastronomie“, so Bergmüller.

Gesundheitsmesse-Bindlach

Messe-Impressionen: Lebendiges Wasser und fliegende Sessel

Gewohnheiten umstellen und wohltuende Produkte testen. “Gesundheit ist nicht alles – aber ohne Gesundheit ist alles nichts”, so das Motto bei der Gesundheitsmesse Bindlach in der Bärenhalle am Wochenende. Das bt war vor Ort und kam mit einigen kuriosen Fundstücken zurück.

Neben Thermen-Mitarbeitern, Orthopädie- und Zahn-Fachleuten, waren auch die folgenden vier Experten vor Ort, die hohe Versprechen gaben:

Hundert Pflanzen in einem Glas

Pro Tag sollte man mindestens 1,5 Liter trinken, besser mehr. Soweit klar. Doch ausschlaggebend ist natürlich auch, was drin ist, im Glas. Einen Drink, der einen von innen heraus schön machen soll, stellen Anke und Markus Miersbe aus Nürnberg vor.

Anke und Markus Miersbe stellen verschiedene Mikronährstoff-Konzentrate auf der Messe vor, die nur aus natürlichen Produkten bestehen.

Anke und Markus Miersbe stellen verschiedene Mikronährstoff-Konzentrate auf der Messe vor, die ausschließlich aus natürlichen Produkten bestehen. Foto: red

Aus hunderten von Zutaten – genauer gesagt Obst, Gemüse, Kräutern, und Wurzeln – die direkt aus der Natur kämen und keinerlei Zusatzstoffe enthielten, entstünden Mikronährstoff-Konzentrate. Das schönheitsversprechende “Felice” ist einer von vielen Drinks am Stand.

Im Vakuum werde den Zutaten das Wasser vor Abfüllung vorerst entzogen. Zuhause trinke man dann täglich ein Schnapsglas des Konzentrates gemischt mit einem Glas Wasser, erklärt Markus Miersbe. Es gehe darum, dem Körper auf einfache Weise möglichst viele Nährstoffe geben zu können. Doch reicht eine abwechslungsreiche Ernährung dazu nicht aus?

“Felice” schmeckt leicht beerig, gleichzeitig nach Hagebuttentee und im Abgang nach Gemüse. Straffe Haut, kräftiges Haar und schöne Fingernägel verspricht dieses Schönheits-Konzentrat. Wer möchte das nicht? Doch der Preis für eine Flasche Konzentrat, den Miersbe nennt, hat es in sich. Er entspricht dem, von etwa 19  Flaschen hochwertigem Fruchtsaft aus dem Supermarkt. Zu viele Pillen würden dem Körper zusetzen, wenn das Immunsystem schon angegriffen sei, sagt Anke Miersbe. Seit 18 Jahren trinke sie die flüssigen Konzentrate.

Wasser das lebendig wird

Auch bei Otmar Lercher geht es ums Trinken: Die Lebensqualität hänge nicht nur von der Menge des Wassers ab, das wir täglich trinken. Seine Beschaffenheit sei enorm wichtig. Beim Grander-Effekt, den er auf der Messe bewirbt, werde das Wasser “belebt”: Das bedeutet in diesem Fall, dass das “Immunsystem des Wassers” selbst gestärkt werde, so Lerch. Richtig gehört, auch Wasser müsse man – laut Erfinder Johann Grander – als eine Art lebendiges Wesen sehen.

Dazu nötig sei nur ein einziges Wunder-Teil: Ein sogenanntes Wasserbelebungs-Gerät, ein quadratisches Kästchen aus Kunststoff, das direkt an der heimischen Wasserleitung angeschlossen werden soll. Strom braucht das Kästchen keinen. Darin enthalten ist ein bisschen Grander Wasser, das auch neues Wasser “beleben” soll, in dem es das Leitungswasser mit den entsprechenden Informationen versorgt. Die Rede ist daher auch vom “Informationswasser”. So könne auch das Bindlacher Wasser, zu belebtem Wunderwasser werden. Aber kann man gewöhnliches Leitungswasser so leicht verändern?

Otmar Lerch ist überzeugt von mehr Wohlgefühl durch Grander-Wasser.

Otmar Lerch ist überzeugt von mehr Wohlgefühl im Leben durch Grander-Wasser. Foto: red

Das Wasser, das am Stand zur Probe ausgeschenkt wird, ist im Geschmack sehr weich. Doch woher es kommt, weiß man nicht. Sogar Obst und Gemüse, das unter dem “belebten” Wasser gewaschen wird, soll länger haltbar sein.

Im Sessel durch die Milchstraße

Von der inneren, nun zur äußeren Behandlung: Auf den ersten Blick sieht es wie ein Massage-Sessel aus. Doch dahinter steckt weit mehr. Sogenannte “Mental-Programme” und ein System mit vielen Sensoren. Das bedeutet, dass der Sessel nicht nur den ganzen Körper ordentlich durchknetet. Hinzu kommt noch eine Brille, mit weißem flackerndem Licht und Kopfhörer, über die man eine meditative Stimme hört. Vom Alltag bekommt man für die Weile der Anwendung nichts mehr mit, da mehrere Sinne im Körper zeitgleich aktiviert werden. Was Vielen so schwer fällt ist auf einmal möglich: abschalten und sich ganz auf den Moment einlassen.

Zehn Minuten entspannen im audiovisuellen Massage-Sessel von brainLigh

Zehn Minuten entspannen im audiovisuellen Massage-Sessel von brainLight. Foto: red

Wie sich die Anwendung anfühlt? In etwa so: Erst werden die Schultern leicht massiert, auf einmal fällt man mehrere Meter tief in ein weiches Kissen nach unten. Die Lichter um einen herum flackern. Man reist die Milchstraße entlang und liegt wie auf einer Wolke. Dann knetet es wieder die Wirbelsäule entlang, um das Steißbein herum, ganz tief und kraftvoll. Der Brustkorb wird aufgedehnt. Keine Enge mehr, aufatmen. Auf einmal liegen die Beine höher als der Kopf. Ein seltenes Gefühl. Immer dabei: eine Stimme, die erzählt wie wertvoll das Leben und man selbst ist.

Zugegeben, To-do-Listen vergisst man bei der Anwendung völlig. Es gäbe unterschiedliche Programme für morgens, mittags und abends, erklärt Hubert Werner von brainLight. Die Zeit der Anwendung lasse sich ausbauen. Ob zehn oder vierzig Minuten. Alles individuell wählbar.

Demo-Frankfurt-Warnstreik-Marburger-Bund

Klinikum Bayreuth: Zum Warnstreik nach Frankfurt

Zum Warnstreik sind 30 Ärzte des Klinikums Bayreuth am Mittwoch mit dem Bus nach Frankfurt am Main gefahren, um am Römerberg für bessere Arbeitsbedingungen zu demonstrieren. Der Warnstreik startete um 13 Uhr. Insgesamt sind mehrere tausend Demonstranten vor Ort. Die Gewerkschaft Marburger Bund rechne mit der zahlenmäßig größten Kundgebung von angestellten Ärzten in den vergangenen zehn Jahren.

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Foto: Marburger Bund

Grund des Streiks

Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund hat nun zu einem erneuten Warnstreik aufgerufen, da die Tarifverhandlungen in mehr als 550 kommunalen Krankenhäusern zuvor als gescheitert erklärt wurden. Die Demonstranten fordern fünf Prozent mehr Lohn sowie die Eingrenzung von Bereitschafts-Diensten, damit es mindestens zwei freie Wochenenden pro Monat gibt. Bei der dritten Verhandlungsrunde der Vereinigung der Kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) wurde kein Ergebnis erzielt. Das Angebot sah lediglich eine Gehaltssteigerung von 1,4 Prozent für 2019 und von weiteren 0,8 Prozent für 2020 vor.

„Es hat sich großer Unmut über die Arbeitgeber angestaut. Dieser Unmut bricht sich nun Bahn. Die Ärztinnen und Ärzte in den kommunalen Kliniken erwarten konkrete Verbesserungen ihrer Arbeitsbedingungen: weniger Belastung, bessere Planung und mehr Zeit für Familie und Privatleben.”

(Rudolf Henke, 1. Vorsitzender des Marburger Bundes)

Ärzte würden zusätzlich zum regelmäßigen Dienst, Bereitschaften in der Nacht sowie an Wochenenden und Feiertagen leisten, um rund um die Uhr für Menschen in Lebensgefahr und bei akuten Schmerzen da zu sein. Niemand stelle diese Dienste in Frage. Es solle lediglich eine klare Höchstgrenze festgelegt werden und eine verlässliche Planung geben, so Henke. Zudem fordere der Marburger Bund eine manipulationsfreie, automatisierte Arbeitszeiterfassung. Denn diese sei an vielen Kliniken oft noch unsystematisch oder geschehe händisch. Diese beiden Forderungen blieben von der VKA bisher vollkommen unbeantwortet.

Warnstreik FFM

Foto: KAPIX Fotografie

Wie die Lage im Klinikum Bayreuth aussieht

Klinikum Bayreuth Eingang

Foto: red / cr

Am Klinikum Bayreuth streiken heute insgesamt 30 Ärzte, wie die Pressestelle auf Anfrage des Bayreuther Tagblatts mitteilt. Eine Notbehandlung ist in Bayreuth auch während des Streiks vollkommen gewährleistet: Drei Operationssäle und der Herz-Saal stehen am Klinikum zur Verfügung. An der Klinik Hohe Warte bleibt ebenfalls ein OP in Betrieb.

Phsyiker der Uni Bayreuth am Schreibtisch

Uni Bayreuth: Wie man kranke von gesunden Blutzellen trennt

Ein Internationales Forschungsteam der Uni Bayreuth hat, im Fachbereich Physik, ein neues Verfahren entwickelt: Damit kann man kranke von gesunden Blutzellen ganz einfach trennen. Denn die Blutzellen unterscheiden sich, je nach Krankheit, durch ihren unterschiedlichen Härtegrad voneinander.

Was festgestellt wurde

Unter der Leitung des Bayreuther Physikers Prof. Dr. Walter Zimmermann haben die Forscher, mithilfe von Strömungen in winzigen Mikrokanälen, härtere von weicheren Zellen trennen können. Manchmal sind gesunde Zellen weicher, manchmal kranke Zellen. Das komme auf die Krankheit an. Allerdings wandern weiche und harte Zellen im Kanal zu unterschiedlichen Anziehungslinien. So kann man sie am Ende des Kanals leicht voneinander trennen. Welchen Nutzen hat das für die Praxis? Zum Beispiel lassen sich Rückschlüsse ziehen, wie schwer eine Krankheit ausgeprägt ist.

Was bereits davor erforscht wurde

Mikrokanäle besitzen lediglich einen Durchmesser von 10 bis zu 500 Mikrometern. Der ausschlaggebende Punkt war ihre Form: Wie Forscher aus Bayreuth und Grenoble bereits zuvor herausfanden, beginnen sich Teilchen, wie Blut- oder Körperzellen, in der Strömung zu drehen. Bei geraden Kanalwänden, bewegten sie sich jeweils in die Mitte des Kanals. Auf dieser Linie, die anziehend wirkte, sammelten sich alle Teilchen.

„Wir waren daher neugierig darauf, wie sich weiche Teilchen verhalten, wenn sie in Strömungen durch Mikrokanäle mit welligen Wänden wandern. Diese Kanäle haben eine symmetrische Form, weil sie eine gerade Längsachse haben, während ihr Durchmesser abwechselnd kleiner und größer wird. Zuvor war noch nie untersucht worden, wie sich die Wanderungsbewegungen von Teilchen unter diesen Verhältnissen ändern.”

(Prof. Dr. Walter Zimmermann, Uni Bayreuth)

Welche Erkenntnis neu gewonnen wurde

Bei Mikrokanälen mit welligen Wänden, entstanden neben der mittigen Anziehungslinie, noch zwei weitere. Die Teilchen spalten sich nach Gewicht: Weiche Teilchen bewegten sich weiterhin auf einer Längsachse in Richtung Kanalmitte. Härtere Teilchen bewegten sich an den zwei zusätzlichen Anziehungslinien, diesmal wellenförmig, wie die Forscher aus Bayreuth, Grenoble und Jülich nun feststellten:

Teilchen im Mikrokanal - Uni Bayreuth - mit unterschiedlichen Seitenwänden

Verteilung von Teilchen in einem Mikrokanal mit geradlinigen (oben) und mit welligen (unten) Seitenwänden. Grafik: Christian Göppner.

 

„Aufgrund dieser grundlegenden physikalischen Entdeckung wollten wir herausfinden, ob sich daraus Anwendungen für die Medizin ableiten lassen, und haben das Verhalten von härteren und weicheren roten Blutzellen untersucht.”

(Winfried Schmidt M.Sc., Doktorand im Elite-Studienprogramm Biological Physics in Bayreuth)

Auch Teilchen, die unterschiedlich groß sind, können durch dieses Verfahren voneinander getrennt werden. Sie wandern ebenso auf unterschiedlichen Anziehungslinien.

„Unsere Resultate haben wir durch theoretische Überlegungen und Berechnungen sowie durch Computersimulationen erzielt. Physical Review Letters, eine der führenden Fachzeitschriften in der Physik, fand unsere Studie bereits ohne experimentelle Überprüfung so überzeugend, dass sie zur Veröffentlichung angenommen wurde.”

(Matthias Laumann M.Sc., Physik-Doktorand an der Universität Bayreuth)

Das Team freue sich darüber, wenn mehr Experimente von Forschern zu diesem Thema begonnen werden, so Zimmermann.

Bezirk: Jetzt kann Pflege auch studiert werden

Wer nach dem Abitur vor der Frage steht, ob er sich lieber für eine Ausbildung oder ein Studium entscheiden soll, der kann mit einem dualen Studium beide Wege beschreiten. Ab sofort ist dies nun bei den Gesundheitseinrichtungen des Bezirks Oberfranken auch im Bereich der Pflege möglich: Die Berufsfachschulen für Pflegeberufe am Bezirkskrankenhaus Bayreuth und am Bezirksklinikum Obermain bieten in Zusammenarbeit mit der Wilhelm-Löhe-Hochschule in Fürth ausbildungsbegleitend ein Duales Pflegestudium an, das mit dem Bachelor of Science abschließt.

Vom Akademiker zur Stationsleitung

Mit einem Abschluss dieser Art stehen den Pflegekräften künftig viele Karrieremöglichkeiten offen. Thomas Kirpal, Schulleiter der Berufsfachschule für Pflegeberufe am Bezirkskrankenhaus Bayreuth, verweist auf den zunehmenden Bedarf an Pflegeakademikern in komplexen Versorgungsprozessen oder bei Führungsaufgaben. Eine Entwicklung, dass Führungsaufgaben in der Pflege, beispielsweise Stationsleitungen, immer häufiger mit Akademikern besetzt werden.

Zwei Vorteile

Das Studium der Pflege bietet also doppelte Vorteile: Neben dem Pflegeexamen eröffnet der akademische Abschluss Wege für eine Karriere. Das duale Pflegestudium ist eingebunden in die dreijährige Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger (ab 2020 in die generalistische Pflegeausbildung).

bt-Interview mit Thomas Kirpal

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Während der Ferienzeiten (Auszubildende sind hier grundsätzlich auf den Stationen im Einsatz) müssen die Studierenden dann einige Tage an der Hochschule präsent sein. Für diese Zeit bekommen sie von ihrem Arbeitgeber, der GeBO, frei. Insgesamt läuft das Studium über neun Semester. Ausbildung und Studium sind eng aufeinander abgestimmt. Nach erfolgreichem Abschluss der Pflegeausbildung schließt sich, parallel zur Berufstätigkeit, dann noch ein Studium an der Wilhelm-Löhe-Hochschule bis zum Abschluss Bachelor of Science an. Pro Semester fallen für den Studierenden 1600 Euro Gebühren an. Zwei herausragende Schüler pro Jahrgang können durch ein Stipendium der GeBO finanziell unterstützt werden. 

Die Wilhelm-Löhe-Hochschule ist von den Berufsfachschulen der GeBO, von Kutzenberg und Bayreuth, verkehrstechnisch gut erreichbar.

Bei Rot stehen, bei Grün gehen: Uni diskutiert Ampel für Lebensmittel

Immer mehr Deutsche erkranken jährlich an Adipositas. Fast ein Viertel der deutschen Bevölkerung ist davon betroffen. Seit Jahren wird im Zusammenhang damit das Thema Lebensmittelampel heiß diskutiert. Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft äußern sich durchaus kritisch.

Ziel dieser Ampel ist es eine Form der Lebensmittelkennzeichnung zu schaffen, die den Gehalt an gesundheitsrelevanten Nährstoffen mit einem Farbsystem kennzeichnet und einordnet. Dabei werden auf der Vorderseite eines Produkts die Anteile an Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz pro 100 Gramm bzw. Milliliter farblich abgebildet.

Bei einem Wissenschaftsseminar des Kompetenzzentrum für Ernährung an der Universität Bayreuth wurden die Vor- und Nachteile einer solchen Lebensmittelampel jetzt diskutiert. Wir haben die wichtigsten Punkte zusammengefasst.



Pro Ampel

So argumentieren die Ernährungswissenschaftler:

  • einfache Kennzeichnung soll helfen sich gesund zu ernähren
  • Bilder sind deutlicher zu erkennen als Zahlen
  • durch die Beeinflussung des Kaufverhaltens werden die Hersteller indirekt dazu angehalten ihre Rezepturen zu verändern
  • Die Verantwortung für gesunde Ernährung soll langfristig von den Verbrauchern auf die Hersteller übergehen.

Contra Ampel

Das hält die Zuckerindustrie dagegen

  • Ampel bevormundet die Verbraucher
  • irreführend, da gesunde Lebensmittel wie Milch oder Vollkornbrot in die Kategorie rot fallen
  • differenziert zu wenig: kein Unterschied zwischen Halbfettmargarine oder normaler Margarine
  • setzt falsche Anreize: Cola Light bekommt grün und ist damit vermeintlich gesünder als Fruchtsaft

 

 

Klinikum: Mit der Videobrille gegen den Schmerz

Das gibt es weit und breit nur in Bayreuth. Wer als Schmerzpatient im Klinikum behandelt wird, der kann mit einem Medizinprodukt der etwas anderen Art Bekanntschaft machen. Mit einer Brille, in der Videofilme gezeigt werden.

Die Videobrille. Fotos: Thorsten Gütling

Stefan Scharnagel ist der Teamleiter im Akutschmerzdienst. Er hat dafür gesorgt, dass die Brille am Klinikum Bayreuth eingesetzt wird. Warum? Weil Schmerz im Kopf entsteht. “Je mehr die Psyche dazu kommt, desto schwieriger wird die Schmerzbehandlung”, sagt Scharnagel. Soll heißen: Wer nach einem Unfall nur lange genug auf sein zerquetschtes Bein blickt, der wird sich einreden, dass er Schmerzen hat. Da kann der Körper noch so voller Opiate sein. Ganz ähnliches gilt für Menschen mit Phantomschmerzen.

Stefan Scharnagel, Teamleiter Akutschmerzdienst am Klinikum Bayreuth. 

Scharnagel erzählt, wie er vor Jahren auf der Suche nach einem Weiterbildungsangebot für nichtmedikamentöses Schmerzmanagement war und nirgends fündig wurde. Schließlich entwickelte er selbst einen Kurs, schrieb ein Buch, eine Leitlinie, die mittlerweile zum sogenannten Expertenstandard geworden ist. Die Videobrille ist nur das I-Tüpfelchen, Scharnagel ist ein echter Schmerz-Experte.

Etwa zwei Patienten verlangen pro Tag am Klinikum nach der Schmerz-Brille. Einer ist Thomas Krogemann. Vor wenigen Tagen hatte er eine Operation im Bauchraum, die Wunde hat sich entzündet, die Schmerzen sind ohne Medikamente nicht auszuhalten. Jetzt könnte Krogemann 50 Mal am Tag zur Schmerzpumpe greifen. Krogemann weiß aber, dass das auf die Nieren geht.

Schmerzpatient Thomas Krogemann sucht einen Film aus.

Über die Videobrille hat er zuletzt eine Dokumentation über den New Yorker Central Park geschaut, ging dort regelrecht spazieren, wie er sagt, “bei einer Wahnsinns Bild- und Tonqualität”. Gut 90 Minuten war er abgelenkt oder “audiovisuell entkoppelt”, wie es Scharnagel nennt. Der Zustand der Entspannung, soll noch Stunden später anhalten. Jetzt ist der Schmerz wieder da und Krogemann will wieder ausbüxen – aus seinem Krankenbett, zumindest in Gedanken. Wohin, mit welchem Film, das darf er sich selbst aussuchen. Zur Wahl stehen Dutzende Filme.

Video: Carolin Richter

Einen solchen Film hat Scharnagel sogar selbst produziert. Er zeigt Naturaufnahmen – unter anderem aus dem Fichtelgebirge, aber auch frei verfügbare Naturbilder aus dem Internet. Sein Kollege Martin Zeidler hat die Musik dazu komponiert. Der Film läuft nicht in der Videobrille, sondern auf einem Fernseher. Der steht im Zentrum für Komplementärmedizin am Klinikum, dort findet als Ergänzung zur Schulmedizin die sogenannte “Grüne Sprechstunde” statt. Die Farbe Grün gilt als entspannend. Ein anderer Film zeigt Sonnenaufgänge. Gelb soll bei Magen-Darm-Problemen helfen, Orange bei Depressionen.

Video: Akutschmerzdienst Klinikum Bayreuth GmbH

Über kurz oder lang könnten die Filme auch über das hauseigene TV-System in alle Patientenzimmer übertragen werden. Pain-TV, also Schmerz-TV, lautet der Arbeitstitel.


Wo die Videobrille außerdem angewendet wird

Ein weiterer Anwendungsbereich der Videobrille: Wer am Klinikum unter Teilnarkose operiert wird, darf die Brille auch tragen. Unangenehme Bohr- und Sägegeräusche werden damit ausgeblendet, eine zusätzliche Beruhigungstablette wird überflüssig. Allerdings: Zumindest in diesem Bereich, wie auch bei Angstpatienten, verwenden auch andere Kliniken bereits die Videobrille. Bei der Schmerztherapie ist das Klinikum Bayreuth dank Stefan Scharnagel aber Vorreiter und weit und breit einmalig.

 

Krankenpflege: Warum sich die Ausbildung lohnt

Krankenpfleger ist ein schlechte bezahlter Job mit fiesen Arbeitszeiten? Stimmt nicht, findet Thomas Kirpal, der Leiter der Berufsfachschule für Krankenpflege am Bezirkskrankenhaus.

Und es wird bald noch weniger stimmen, weil der Gesetzgeber etwas ändert. Was, das will Kirpal jungen Leuten bei einem Treffen am 24. Januar mitteilen. Wir haben vorab mit ihm gesprochen.

Ab dem Jahr 2020 startet bundesweit die sogenannte “generalistische” Ausbildung im Bereich der Pflege. Auszubildende in den Bereichen Kranken-, Alten- und Kinderkrankenpflege werden dann zwei Jahre zusammen geschult. Wie das genau aussieht, was ein Krankenpfleger verdient und welche Karrieremöglichkeiten es in der Pflege gibt, darüber wird am Donnerstag, 24. Januar, 17 Uhr in der „Alten Wäscherei“ des Bezirkskrankenhauses Bayreuth informiert.

bt-Interview mit Thomas Kirpal: