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Veranstaltungen

Chorkonzert mit Ecken und Kanten im Bezirkskrankenhaus

Am Freitagnachmittag verlassen 24 Insassen der Justizvollzugsanstalt Bayreuth das Gefängnis in einem Reisebus. Ohne Handschellen, ohne Gitter an den Fenstern und ohne böse Absichten. Es handelt sich um den Gefangenenchor der JVA. Das Ziel ist klar: Ein Auftritt im Bezirkskrankenhaus (BKH) Bayreuth.

Martin Winckhler ist einer von drei Anstaltslehrern der JVA Bayreuth. Er bereitet die Insassen auf den Qualifizierenden Mittelschulabschluss vor, hilft ihnen bei Führerscheinfragen oder organisiert für sie ihr Fernstudium. Daneben ist er Leiter des Gefangenenchors der JVA. Der Chor besteht seit 1972. Das besondere in Bayreuth: 24 Chormitglieder – im sogenannten Ausgangschor – dürfen für Auftritte die Mauern der JVA verlassen.

Im Jahr haben die JVA-Sänger etwa 16-20 Auftritte außerhalb. Generell treten sie überall zwischen Bamberg und Nürnberg auf, selten geht es sogar noch weiter weg, wie zum Beispiel nach Rosenheim. Für gewöhnlich gibt es einen festen Kundenstamm, die Neuen kommen meist durch Mundpropaganda dazu. 

Abwechslung zum Alltag in der JVA

Winckhler ist sich bewusst: „Der Chor hier ist natürlich nicht wie ein Chor draußen. Unser Chor befindet sich in einem ständigen Wandel, es werden ja immer wieder auch Insassen entlassen. Und neue kommen dazu.“ Noch dazu können viele der Sänger, wenn sie anfangen, noch nicht einmal Noten lesen. Martin Winckhler weiß wieso: „Die Freizeitgestaltung im Gefängnis ist beschränkt. Man kann nicht viel machen.“

Für viele Gefangenen ist der Chor daher natürlich ein Highlight. Er bietet eine Abwechslung zum Alltag in der JVA. „Besonders daran ist, dass man im Ausgangschor auch mal das Gefängnis verlassen kann.“ sagt der Chorleiter. Dazu müssen natürlich Auflagen erfüllt werden und mehrere Personen müssen die Empfehlung des Chorleiters noch bestätigen. Durch diesen Genehmigungsprozess ist es bislang noch zu keinerlei Zwischenfällen gekommen. 

Die Magie des Chors

Die Lieder des Chors sind zu etwa 80 Prozent Kirchenlieder. Es werden allerdings auch andere Werke, wie zum Beispiel alte deutsche Lieder, Songs wie Marina Marina oder Stücke von Janis Joplin gesungen. So auch am Freitag im Bezirkskrankenhaus Bayreuth. Dort wird der Chor 16 Lieder singen. Die Sänger des Gefangenenchors erhalten keine Gage, die Veranstalter müssen lediglich die Buskosten übernehmen und etwas Verpflegung für die Sänger bereitstellen. 

Bei einem Auftritt in einer Kirche war ein Pfarrer von der Darbietung begeistert. Er sagte dem Chorleiter nach dem Konzert, dass die JVA-Sänger natürlich kein perfekter Chor seien. Es hätte beim Auftritt natürlich auch schiefe Töne gegeben. Aber genau diese stünden für das Leben der Inhaftierten, die in ihrer Vergangenheit auf die schiefe Bahn geraten seien und nun dafür auf den öffentlichen Bühnen dafür geradestehen würden. Das würde für eine besondere Aura sorgen. So auch am Freitag, den 21. September ab 16:30 Uhr im Bezirkskrankenhaus Bayreuth. Der Eintritt ist frei.