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Crossed Over Orchestra: Die unendlichen Möglichkeiten des Klangs

Professor Rudolf Haken leitet aktuell den Workshop „Crossed Over Orchestra“ beim Festival Junger Künstler in Bayreuth. Musiker aus verschiedenen Ensembles des Festivals treffen hier erstmals aufeinander und erarbeiten sich neue Stücke aus verschiedenen Musikstilen. Neben Klassik oder Rock, sind auch chinesischer Hip Hop, amerikanische Indianer-Tänze oder Elektro-Klänge Teil des Unterrichts. Haken erzählt, was die Zusammenarbeit in diesem Orchester so besonders macht.

Seltene Instrumente

„Im Orchester sind zum Beispiel Blechbläser aus Rumänien, Streicher aus Israel und Turkmenistan sowie eine Klarinette und außerdem viele landestypische Volksinstrumente, von denen ich einige hier erstmalig erleben darf“, sagt Dozent Rudolf Haken. Da wäre zum Beispiel die Tuyduk, eine Art Blockflöte, das Gyjak, das einem kleinen Cello ähnelt, die Dutar oder die Oud – beide gehören zur Familie der Laute, wie Professor Haken erklärt.

„Jeden Tag probe ich sieben Stunden mit dem Crossed Over Orchestra, danach arbeite ich noch mal vier Stunden mit den Teilnehmern des Bandcamps. Manchmal schreibe ich nachts auch noch Stücke um. Gestern saß ich bis drei Uhr morgens“, erzählt er. Aber mit einer Tasse Kaffee und der nötigen Ruhe, sei das entspannt.

Das Zentrum Aussenansicht
Rund um das ZENTRUM findet das Festival Junger Künstler in Bayreuth statt. Foto: Redaktion.

Nicht vorstellbar: Ein Leben ohne Musik

Einen Tag ohne Musik könne er sich gar nicht mehr vorstellen. „Ich sehe die Musik eher als Ganzes. Sie in Sparten einzuteilen erscheint mir künstlich. Das ist so als würde man Mauern bauen“, sagt er. Innerhalb Europas fahre man ja beispielsweise auch einfach mit dem Zug von einem ins andere Land – ganz frei, und ohne Grenzen. Genau so betrachte er die Musik. „Mir geht immer irgendeine Art von Musik durch den Kopf: Sei es ein Ohrwurm aus dem Radio oder das Zwitschern eines Vogels“, fügt er hinzu.

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Endlose Kombinationsmöglichkeiten

Haken stammt aus einer Berliner Familie und kommt gebürtig aus Urbana, einer Stadt in Illinois / Amerika. Dort ist er aufgewachsen und heute Direktor des Electric String Ensembles und des Hip Hip Collective an der University of Illinois. Spezialisiert hat er sich selbst auf die fünfsaitige Bratsche. Er experimentiert mit den verschiedenen Klängen und zeigt den Teilnehmern beim Festival Junger Künstler, wie man diese in endlosen Möglichkeiten passend kombinieren kann.

Die Teilnehmer des Crossed Over Orchestras sind sehr enthusiastisch. Doch einfach ist es nicht, die vielen verschiedenen Stile zu erlernen.

(Rudolf Haken, University of Illinois)

Was die Sache erschwert: Nicht alle Künstler sprechen eine Sprache. „Im Kurs wird dann untereinander oft vom Englischen oder Deutschen auf Russisch oder Landessprachen übersetzt. Das dauert eine Weile aber funktioniert gut“, so Rudolf Haken.

Auf eine entspannte Art und Weise

Ihm gefalle, dass die jungen Künstler hier zwar hart arbeiten, aber eben auf eine entspannte Art und Weise, wie er es formuliert. „Ich bin wirklich davon angetan, dass oft schon alle 15 Minuten vor Beginn der Probe da sind, weil sie Lust haben, gemeinsam Musik zu machen“, sagt der 53-Jährige.

Beim Festival Junger Künstler ist keine Konkurrenz spüren, die Teilnehmer arbeiten miteinander. Es ist eine ausgewogene Mischung aus Ernst und Spaß.

(Rudolf Haken, University of Illinois)

„Am meisten fasziniert es mich, dass nicht nur ich den Teilnehmern etwas beibringen kann, sondern auch immer wieder etwas von ihnen lerne“, erklärt er. Jeder trage etwas zum Gesamtergebnis bei. Man spüre die Begeisterung und Faszination aller beim Proben. „Die Musik ist ziemlich verrückt, die ich den jungen Menschen zeige. Aber sie bleiben trotzdem mit Ernst bei der Sache“, sagt er.

Zu hören ist das diesjährige Crossed Over Orchestra am 10. August um 21 Uhr in der Bayreuther Panzerhalle sowie am 11. August um 19 Uhr auf der Naturbühne am Schönberg in Grafenwöhr.