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Darum bringen Schornsteinfeger kein Glück mehr

Egal ob in Kinderbüchern, auf Hochzeitstorten oder als Glücksbringer – Schornsteinfeger tauchen überall auf. Doch die typische rußverschmierte Zunftkleidung findet man heute nur noch selten. Welche Aufgaben ein Schornsteinfeger heute hat und wie er mit dem Status Glücksbringer umgeht, verrät Kaminkehrermeister Ralf Gröbner im bt-Gespräch.

“Schwindelfreiheit kann man lernen”

Den Zylinder und die schwarze Kleidung werden nur noch zu besonderen Anlässen aus dem Schrank geholt. Stattdessen sind Gröbner und sein Team mit Multifunktionskleidung unterwegs. “Unsere Zunftkleidung sieht zwar schön aus, aber ist nicht so praktisch. Bewegungsfreiheit ist das A und O”, so Ralf Gröbner. Da man als Schornsteinfeger auch auf das ein oder andere Dach klettern muss, sollte man außerdem schwindelfrei sein. Aber das könne man auch lernen, so der Kaminkehrermeister. “Ich war früher auch nicht schwindelfrei!”

Die Zunftkleidung wird nur noch zu besonderen Anlässen getragen. Foto: Ralf Gröbner

Nicht nur Glücksbringer sondern auch Autoritätsperson

Den Status des Glücksbringers hat der Schornsteinfeger heute zum großen Teil verloren. Schuld daran ist die fehlende Zunftkleidung. “Wenn wir noch mit unserer schwarzen Kleidung bei den Leuten geklingelt haben, dann wollten alle an den goldenen Knöpfen drehen”, so Ralf Gröbner. Damals vermittelte der Beruf auch noch eine gewisse Autorität. Nachdem das Schornsteinfeger-Monopol vor einigen Jahren allerdings weggefallen ist, habe aber auch das nachgelassen.

Klar ist der Kunde König. Allerdings nur bis zu einem gewissen Grad.

(Ralf Gröbner)

“Nicht nur schwarz, sondern auch Technik”

Zum Beruf des Schornsteinfegers gehört heute viel mehr als “nur” das Kaminkehren. Gröbner überprüft sämtliche Heizungsanlagen und Lüftungen, kümmert sich um Energieausweise und die Installation von Rauchwarnmeldern. Auch die Feuerstättenschau zählt zum Aufgabengebiet des 41-Jährigen. Hier wird in regelmäßigen Abständen die Brandsicherheit der Anlage überprüft.

Ralf Gröbner bei seiner Arbeit. Foto: Susanne Monz

Doch nicht nur die technische Seite macht den Beruf für Ralf Gröbner zu einem Traumjob. “Der Kontakt mit den Kunden macht einfach Spaß. Als ich noch Lehrling war, konnte ich das noch nicht so, aber Plaudern gehört einfach mit dazu.”

Es gibt immer etwas anderes zu tun. Ich sehe mich oft auch als Problemlöser.

(Ralf Gröbner)

Ralf Gröbner und seine Auszubildende Johanne Panzer. Foto: Susanne Monz

“Ruß ist mein Make-up”

Seit acht Jahren ist Ralf Gröbner inzwischen selbstständig und bildet auch Kaminkehrer aus. Nachwuchssorgen gibt es in diesem Ausbildungsberuf wenig. Inzwischen bewerben sich auch immer mehr Frauen. So auch Johanna Panzer. “Ich wollte etwas mit Zukunft machen. Der Beruf Schornsteinfeger garantiert mir das.”

Vor kurzem war das bt auch bei der Ständigen Wache in Bayreuth und hat den Berufs-Feuerwehrmännern bei ihrer Arbeit über die Schultern geschaut.