Freizeit

Das perfekte Hot-Dog-Brötchen

Christoph Scholz. Foto: Rainer Kurzeder

Christoph Scholz ist 45 Jahre alt, hat zwei Söhne und verdient sein Geld als Projektleiter bei Semmel Concerts. Essen, Trinken, Kochen, Gastronomie und Hotellerie sind seit jeher seine privaten Interessen. Gerne sitzt er mit seiner Frau im Becher, beim Manns-Bräu oder auch beim Redemann in Oberpreuschwitz und fragt Tischnachbarn nach neuen Ausflugszielen, Brauereien oder Produzenten. Im Dezember möchte Scholz Freunde zu einem mehrgängigen Menu einladen, das nur aus Zutaten besteht, die in Bayreuth und Umgebung hergestellt werden. Und nicht nur das: Auch Getränke, Geschirr, Deko und Einladungskarten – eben alles, was man so braucht für ein ausgedehntes Essen – soll von hier sein. Über seine Suche nach den besten regionalen Produkten berichtet Scholz alle 14 Tage exklusiv für das Bayreuther Tagblatt. Denn: Gessn werd dahaam!

Weil es bis Dezember noch eine Weile hin ist, plane ich einen kleinen Test mit einem simplen Gericht. Ein Hot Dog scheint mir für eine mögliche Grillparty im Sommer ganz gut geeignet, den mögen alle. Ich wähle dafür ein Rezept der US-Fastfood-Kette Shake Shack.

 

Foto: Shake Shack

Ungefähr zehn Zutaten und ein gutes Lagerbier brauche ich. Für die Geburtstagsparty zum Achtzehnten meines ältesten Sohnes hatte ich auch eine ganz passable Version des Hot Dogs hinbekommen, allerdings waren die abgepackten Brötchen aus dem Supermarkt eine langweilige, geradezu triste Angelegenheit.

Bäckerei Lang. Foto: Carolin Richter

Auf der Suche nach dem perfekten Hot-Dog-Brötchen machte ich einen Termin in der Bäckerei Lang aus. Eigentlich hatte mich Chef Thomas Zimmer zu einem Besuch zu nachtschlafender Zeit seinen Betrieb eingeladen, aber ich wollte weder unsere Nachbarn noch die Anwohner der Bäckerei in der Jean-Paul-Straße aufwecken, denn die „alte Lady“, wie wir unseren agaven-grünen Mercedes 250 aus dem Jahr 1980 nennen, wird laut, sehr laut, wenn ihre sechs Zylinder anspringen. Mit Rücksicht auf unsere jeweiligen Nachbarn empfängt mich Bayreuths wohl bekanntester Bäckermeister daher an einem Samstagnachmittag.

Maximilian, Christoph und Konstantin Scholz mit ihrer „alten Lady“. Foto: red

Die Bäckerdynastie Lang und Zimmer (Chefin Alexandra Zimmer ist eine gebürtige Lang) besitzt das mittlerweile denkmalgeschützte Haus in Bayreuths schönstem Viertel seit 1919. Es hat eine lange Geschichte hinter sich, zunächst ließ die alte Markgräfin dort Bücher drucken, mit den Zimmers bäckt nun schon die 13. Bäckerfamilie in den alten Mauern Brot. 

Bäckerei Lang. Foto: Carolin Richter

Thomas Zimmer und das Backen, Brauen, Essen, Genießen gehören unzertrennlich zusammen; er ist ein Mensch, der nur Bäcker sein kann, so wie Karl Lagerfeld nur Mode-Zar und nichts anderes sein konnte. Zu meinem Erstaunen erfahre ich, dass Zimmer fast die Polizistenlaufbahn eingeschlagen hatte. Erst mit der Liebe zu seiner Frau Alexandra, die in den frühen 80ern gerade in den elterlichen Betrieb einstieg, wuchs auch Zimmers Liebe zum Backhandwerk.

Tochter Jacqueline, die junge Bäckermeisterin in der Familie, bringt fürs Foto einen liebevoll zusammengestellten Brotkorb herein. Ich frage Zimmer, wie er die Mengen ermittelt, welche sein Betrieb an einem Tag backen muss? Immerhin stellt der Betrieb rund 60 verschiedene Brotsorten und nochmal rund 60 verschiedene Brötchensorten in der Woche her. „Das ist das Geheimnis meiner Frau und meiner Tochter,“ sagt Zimmer und lacht. Es ist die einzige Antwort, die er mir schuldig bleibt in unserem Gespräch über Burger-Brötchen, Pizzateig und „Conny’s Buschenschänke“ – vier Wochen im Jahr eine Bayreuther Kult-Veranstaltung.

Ich mag die Oktober-Buschenschenke am liebsten, diese ist für mich das richtige Oktoberfest. Meine Frau und ich können im Innenhof dann stundenlang hocken und am Biertisch dicke Stapel Zeitungen lesen, die man sonst nie zu lesen schafft. Unser Zeitungsritual findet Zimmer sehr amüsant, weil er niemanden kenne, der außer zum Zwecke des Beck’n-Biertrinkens in seine Buschenschänke kommt. Wir machen beides, Zeitung lesen und Bier trinken. Und nebenher Pfefferbeisser naschen. Zu späterer Stunde kommt dann der beste lauwarme Butterkuchen der Welt.

Warum „Conny’s Buschenschänke“?Zimmers Schwiegervater Manfred Lang hat den in den 80ern einen „Pumuckl“, dem Maskottchen der Schreiner, für die Bäckerei gemalt. Der freundliche Backofen-Kobold heißt Conny, benannt nach Urgroßvater Konrad Lang, dessen Name in alten Kaufmannslettern immer noch über dem Laden steht. Mosaikkünstler Andreas Lorenz aus Mistelgau hat den Kobold in den Boden der Backstube eingelassen, genau zwischen den High-Tech-Backofen, den die Familie vor wenigen Jahren erst eingebaut hat und dem altehrwürdigen Traditionsbackofen aus den 50er Jahren.

Mosaik-Künstler Andreas Lorenz und Bäckermeisterin Jacqueline Zimmer. Foto: Bäckerei Lang

„Conny“, so erzählt mir Zimmer, „lässt sich alles Mögliche einfallen“. So auch das neueste Projekt, die „Genusshelden“. Am Samstag, dem 16. März, von 12 bis 17 Uhr, stellt die Bäckerei Lang erstmals befreundete Hersteller aus der Region vor. Und Beck’n-Bier gibt’s dann auch.

Foto: Christoph Scholz

Den Inhalt des Brotkorbs, den Jacqueline Zimmer fürs Foto brachte, schenkt mir Zimmer zum Schluss. Ich wollte zu Hause eigentlich ein Risotto machen, plane aber ob dieses netten Geschenks um und steuere unsere alte Lady zum nächsten Supermarkt, um rasch noch Wurst und Senf zu kaufen. Denn: Gessn werd dahaam.


In der zweiten Folge dieser Kolumne begibt sich Christoph Scholz auf die Suche nach dem perfekten Senf für seinen Hot Dog.



Mit Fotos von pixabay.de

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