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Der Bayreuther Osten: Aichig, Grunau und Wunau

Woher kommen eigentlich die siedlungsgeschichtlichen Namen der Bayreuther Ortsteile? In Teil 19 der Serie widmet sich bt-Hobbyhistoriker Stephan Müller den Stadtteilen Aichig, Grunau und Wunau.

Aichig entschied sich für Bayreuth

Das im Jahr 1383 erstmals urkundliche erwähnte Aichig gehört wie die Dörfer Seulbitz, Thiergarten und Oberpreuschwitz seit 1976 zur Stadt Bayreuth. Vor der Eingemeindung standen die Aichiger Bürger vor der Frage, ob sie eine Großgemeinde Ölschnitztal gründen oder sich der Wagnerstadt anschließen wollen. Die Entscheidung fiel nicht zuletzt deshalb für die Stadt, weil der Schulsprengel (St. Johannis), die Wasser- und Abwasserkanäle sowie der Stadtbusverkehr ohnehin schon in die Stadt ausgerichtet war.

Auf dem Mosthügel bei Aichig gab es eine Befestigung, die der Herrschaftsmittelpunkt des Gebietes war. Im Osten des heutigen Bayreuths scheinen also verschiedene Herrschaftsgebiete aneinander gestoßen zu sein, was zur Häufung von Befestigungen führte. So deutete der Flurname “Burgstall” darauf hin, dass es in Seulbitz eine befestigte Anlage gegeben haben könnte. Darüber hinaus gab es mit der Veste Altentrebgast zwischen St. Johannis und Laineck, eine Burg auf dem Rodersberg und auch an der Stelle der heutigen St. Johanniser Kirche vermutet man eine kleinere Burganlage. Der Fußweg hinter der Kirche könnte ein alter Burggraben gewesen sein.

Aus Grunowa wird Grunau

Der Ortsteil Grunau (genauer die Mühle “Grunowa”) wurde erstmals am 25. Mai 1137 urkundlich erwähnt. Bischof Otto I. von Bamberg erwarb das Königsgut Seulbitz (Silwiz et Grunowa) samt Siedlungsstellen, Gebäude, Wiesen, Wälder, Fischereianlagen und Bienenkörben von Luitpold de Cirkendorff für die Erstausstattung des Michelberger Priorats St. Getreu in Bamberg. Teil dieser Eigentumsübertragung war auch die Mühle “Grunowa” mit ihren  Mühlsteinen und Wasserstauungen. Gleichzeitig überließ er Graf Berthold II. von Andechs-Blassenberg das Gebiet als Vogtei zur Beschützung.

Blick über Grunau. Foto: Stephan Müller.

Das Gut war entweder ein kleines Wasserschloss oder eine von einem Wassergraben umgebene Turmhügelburg, die den Landesherren gehörte und den Meraniern, den Burggrafen von Nürnberg und später den Markgrafen möglicherweise für militärischen Zwecke diente. In seine heutige Form wurde das Gut Grunau um 1820 von Georg von Bülow, einem Soldat in Hannoverschen Diensten, gebaut. Wegen missfälliger politischer Äußerungen musste er seinen Dienst beenden und bekam schließlich eine wenig einträgliche Stelle eines Kreisdirektors in Bayreuth.

Gut Grunau. Foto: Stephan Müller.

Prominente Bewohner

Im kleinen Park des Gutes wurden zwei Denkmäler für Georg von Bülow (1765-1840) und seinen Schwiegersohns Franz von Arnim (1780-1825) aufgestellt. Später wurde das Gut Grunau Eigentum von Bürgermeister Friedrich Carl Dilchert (bis 1879), der das Gebäude ebenso selbst bewohnte, wie der berühmte Physiker Emil Warburg und dessen Kinder Otto (Chemie-Nobelpreisträger 1931) und Charlotte (1884 bis 1948) sowie Oberbürgermeister Hans Walter Wild.

Das Bahnwärterhäuschen Nr. 61 bei Wunau

Ob es die Familie im Bauernhof Wunau damals mitbekommen hat? In der Sommernacht zum 6. August Jahres 1876 schnaubten Pferde vor einem Wagen mit dem königlich-bayerischen Wappen. Der Wärter des Bahnwärterhäuschens Nr. 61, das an der Eisenbahnstrecke von Bayreuth nach Kirchenlaibach, zwischen Rollwenzelei und Eremitenhof lag, rannte aufgeregt umher. Daneben stand ein feiner Herr, der zu dieser ungewöhnlichen Stunde auf den bayerischen König wartete: Richard Wagner.

Die heimliche Ankunft des Königs

Ludwig II. kam nach Bayreuth, um den Proben zum “Ring des Nibelungen” beizuwohnen. Niemand sonst wusste von der heimlichen Ankunft des Monarchen. Kurz nach Mitternacht hielt der Sonderzug, der über Regensburg und Weiden kam. Der König verließ seinen Salonwagen und schritt über den roten Teppich zu seiner Kutsche. Über einen schmalen Feldweg, den man in Eile ausgebessert hatte, rollte das Fahrzeug auf die Eremitage zu, wo Ludwig II. mit Wagner bis in die frühen Morgenstunden im vertrautem Gespräch blieb. An den folgenden Tagen sah der Monarch die Generalprobe des “Rheingold”, der “Walküre”, von “Siegfried” und der Götterdämmerung.

Nicht mit Schwan in einem Kahn, sondern mit einem Sonderzug kam König Ludwig II. bei Wunau an. Foto: Archiv Bernd Mayer.

Zum Festspielhaus fuhr er über die Bürgerreuth auf Seitenwegen so an das Festspielhaus heran, dass er von Niemanden gesehen werden konnte. Nach der Probe, gegen 10 Uhr fuhr der König auf dringendes Bitten Wagners durch die Stadt. In allen Fenstern brannten Kerzen. Wo sich der Wagen des Königs zeigte, wurde er mit Hurra-Rufen begrüßt. Der menschenscheue Ludwig dankte es nicht.

Nach dem “Walküren”-Tag ging er mit seinen Begleitern im Park spazieren, sang Melodien aus der “Walküre” und befahl, die Wasserspiele bengalisch zu beleuchten. Am 9. August, nach der “Götterdämmerung”-Probe, trat der König seine Rückreise nach Hohenschwangau an. Er bestieg wieder mitten in der Nacht seinen Sonderzug. Nahe bei Wunau, am Bahnwärterhäuschen Nr. 61.

 


Text: Stephan Müller

Stephan Müller (54) ist Stadtrat, Hobbyhistoriker, freiberuflicher Journalist und Autor zahlreicher Bücher zur Geschichte Bayreuths. Für das Bayreuther Tagblatt hat er sein Archiv geöffnet. Die besten Anekdoten gibt es immer wieder hier beim bt.

Stephan Müller


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