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Der Chor am Festspielhaus: „Das hier ist kein normaler Betrieb“

Knapp 30 Nationen sind im Bayreuther Festspielchor vertreten. Seit 1992 ist auch die Belgierin Brigitte Marly eine von 151 Sängern am Grünen Hügel. Besonders in Jahren, in denen der „Ring“ nicht gezeigt wird, hat der Chor besonders viel zu tun. Dann nämlich werden nur Stücke gezeigt, in denen der Festspielchor mitwirkt. Im Interview mit dem Bayreuther Tagblatt spricht Marly über die Besonderheiten der Bayreuther Festspiele und erzählt aus dem Leben eines Chormitglieds am Grünen Hügel.

Brigitte Marly ist seit 1992 Teil des Festspielchors. Foto: Privat

„Arbeiten am Festspielhaus in Bayreuth ist etwas ganz besonderes“

Brigitte Marly hat in Belgien Gesang studiert. Danach war die heute 58-Jährige an Opernhäusern in ganz Europa engagiert. Doch der Wunsch einmal in Bayreuth aufzutreten war immer da. „Ich bin großer Wagner-Fan. Die Bayreuther Festspiele sind international bekannt. Jeder möchte hier einmal mitwirken.“

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Die Belgierin absolviert inzwischen ihre 28. Spielzeit am Grünen Hügel. Doch im Festspielchor aufgenommen zu werden, ist gar nicht so einfach. Natürlich gibt es, wie an jedem anderen Opernhaus auch, Vorsingen. Dort wird entschieden, wer genommen wird. Im Festspielchor werden allerdings ausschließlich studierte, hauptberufliche Sänger aufgenommen.

Wir arbeiten hier auf einem Niveau, wie kaum in einem anderen Opernhaus. Das wissen wir und das motiviert uns auch immer wieder. Wie wollen nicht nur gut sein, wir wollen sehr gut sein.

(Brigitte Marly, Chormitglied am Festspielhaus Bayreuth)

„Das hier ist kein normaler Opernhaus-Betrieb“

Da es sich bei den Bayreuther Festspielen nicht um ein ganzjährig besetztes Opernhaus handelt, werden die Chormitglieder für zehn Wochen am Festspielhügel angestellt. Über das restliche Jahr arbeiten die Sänger an anderen Opernhäusern oder wie Brigitte Marly, als Gesangslehrerin an Universitäten oder Schulen.

Szene mit dem Festspielchor aus Parsifal 2019. Foto: Bayreuther Festspiele/ Enrico Nawrath

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Die zehn Wochen, die wir hier am Festspielhaus sind, sind aber ein Vollzeit-Job.

(Brigitte Marly)

„Wir arbeiten schneller und intensiver“

Arbeiten am Festspielhaus in Bayreuth sei für die Sänger eine Sondersituation. Da man nur für zehn Wochen am Grünen Hügel engagiert sei und davon nur fünf Wochen Zeit habe zu proben, müsse alles viel schneller und intensiver ablaufen.

Alle Opern werden gleichzeitig vorbereitet. Daher gibt es auch verschiedene Probebühnen.

(Brigitte Marly)

Chorszene aus Meistersinger 2019. Foto: Bayreuther Festspiele/ Enrico Nawrath

In den ersten vier Tagen der neuen Festspielsaison finden musikalische Chorsaalproben statt. Hier ist der Chor für sich und übt unter der Leitung des Chordirektors Eberhard Friedrich. Anschließend werden zusammen mit dem jeweiligen Regisseur die verschiedenen Szenen geprobt. In dieser Phase probt das Orchester noch getrennt. Zum Schluss kommt es zu den Bühnenorchesterproben. Dann stehen Solisten und Chor gemeinsam auf der Bühne und proben zusammen mit dem Orchester.

Es geht hier wirklich alles sehr schnell. Man muss, bevor man hierher kommt, schon alles können. Wir können nicht erst hier anfangen zu lernen. Das ist auch vertraglich so geregelt.

(Brigitte Marly)

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„Die Atmosphäre ist einzigartig“

Auf die Frage, was das Engagement am Festspielhaus in Bayreuth so besonders mache, antwortet Brigitte Marly: „Die gesamte Atmosphäre macht Bayreuth so schön.“ Egal ob Chor, Orchester, Maskenbildner, Techniker oder Schneider. Alle seien per Du.

Szene aus dem Lohengrin 2019 mit dem Festspielchor. Foto: Bayreuther Festspiele/ Enrico Nawrath

Wir sind alle hier, weil wir die Festspiele unheimlich lieben. Wir kommen nicht nur hierher um zu arbeiten, sondern da steckt Leidenschaft dahinter. Das ist bei jedem Einzelnen zu spüren.

(Brigitte Marly)