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Die Geschichte der Spielplatz-Lokomotive in der Hindenburgstraße

Im April vor 52 Jahren hat der damalige Oberbürgermeister Hans Walter Wild am 28. April 1967 den 12.000 Quadratmeter großen Kinderspielplatz an der Hindenburgstraße seiner Bestimmung übergeben. Mit dabei war damals der heute über 90-jährige Helmut Künzel, der 1965 seine Aufgabe als Jugendpfleger der Stadt antrat und vom ersten Tag an bei der Vorbereitung mitwirkte. „Irgendwie müssen wir den Spielplatz noch attraktiver machen“, war der Auftrag des Oberbürgermeisters, bis die Idee geboren wurde, eine Lokomotive zum Klettern aufzustellen.

Helmut Künzel ist nicht nur Ehrenvorsitzender des Schwimmvereins, sondern er war auch viele Jahre der Jugendpfleger der Stadt Bayreuth. Als solcher holte auch die Lokomotive T3 mit der Nummer 89.7296 nach Bayreuth. Foto: Stephan Müller.

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(Helmut Künzel)

Er hörte sich im ganzen Bundesgebiet um, bis er 1970 fündig wurde. Im Auftrag von Hans Walter Wild setze er sich ins Auto und fuhr nach Kassel-Bettenhausen. Und dort auf einem Spielplatz stand sie: Die Tender-Lokomotive mit der Nummer 89 7296, eine sogenannte „Preußische T3″, die ab 1882 von dem Kasseler Maschinen- und Fahrzeugbaukonzern Henschel & Sohn für die preußischen Staatsbahnen gebaut wurden. Nur zum Vergleich: In diesem Jahr wurde Richard Wagners „Parsifal“ in Bayreuth uraufgeführt. Die T 3 wurde eine Erfolgsgeschichte. Mehr als 1.300 Lokomotiven wurden aus dieser Baureihe von Unternehmen wie Henschel, Hanomag, Borsig oder Schwartzkopff für die Preußische Staatsbahn gebaut.

Postkartenmotiv: Eine T3 überquert den Landwehrkanal in Berlin mit einem Personenzug (ca. 1900). Foto: Wikipedia

Bis 1961 auf dem Gleis unterwegs

Helmut Künzel war begeistert und sah die Lok vor seinem geistigen Auge schon am Hindenburgspielplatz stehen. Aber erstmal musste verhandelt werden. Künzel erfuhr, dass die Lok 1899 mit der Fabriknummer 5224 und unter der Bezeichnung T3 „Cassel 6169“ an die Königlich Preußische Eisenbahn-Verwaltung ausgeliefert wurde. Im Jahr 1925 erhielt sei von der Deutschen Reichsbahn die Seriennummer 89.7296, mit der sie bis in das Jahr 1961 durch Deutschland dampfte.

Die Lok kommt mit dem Güterzug nach Bayreuth

Nach 79 Betriebsjahren wurde sie in Kassel als eine der letzten zwei T3 ausgemustert und auf den Spielplatz in Kassel-Bettenhausen gestellt. Doch nun sollte sie nach Bayreuth. „Was die Lok damals gekostet hat, weiß ich nicht mehr“, sagt Helmut Künzel, „das ist ja jetzt 50 Jahre her. Aber nur zu gut kann er sich an die Stadtratssitzung, den einstimmigen Beschluss, die Lok nach Bayreuth zu holen und an den aufwändigen Schwertransport erinnern. Die Lok wurde in Kassel auf einen Güterzug gehievt und auf Schienen nach Bayreuth gebracht. Am 15. Mai 1970 war es dann soweit. Die 89.7296 wurde auf dem Spielplatz an der Hindenburgstraße aufgestellt.

Der Bauhof verpasst der Lok den Feinschliff

Nun mussten erst einmal die Mitarbeiter des Bauhofes ran. Ein Geländer musste angeschweißt werden, scharfe Kanten mussten beseitigt werden. Der heutige Jugendamtsleiter Peter Krodel erzählte, dass die Sicherheit der Spielplatz-Lokomotive immer wieder vom TÜV abgenommen wurde und es fehlte natürlich die Holztreppe, über die Jahrzehnte lang viele Bayreuther Kinder in den Führerstand kletterten. Genauer: ein Vierteljahrhundert lang.

89 7296 Bayreuth 15.06.75
Die zum Spielgerät umgebaute T3 auf dem Spielplatz Hindenburgstraße. Foto: https://www.flickr.com/photos/42309484@N03/4618238099

Ein Anruf aus der Uckermark

Bis im Jahr 1994 Dieter Engel bei der Stadtverwaltung anrief und fragte, ob er die 89.7296 nicht für das neue Eisenbahnmuseum in Gramzow haben könnte. Vier Jahre hat es gedauert, bis die Entscheidung zu Gunsten des Museums in der Uckermark gefallen ist. Im Jahr 1998 kam ein Tieflader und holte die schwer mit Graffiti verunstaltete Lok nach 28 Jahren in Bayreuth ab.

Die Bayreuther T3, kurz nach ihrer Ankunft im Kleinbahnmuseum Gramzow am 4. März 1999. Foto: Klaus-Dieter Tröger/www.troeger.de

Der Star im Museum

So schade den Abtransport die Bayreuther bis heute finden, für die Lok war er ein Segen. Schließlich wurde sie in Gramzow aufwändig restauriert. Mit dem neuen Schlot, den vielen ausgebesserten Roststellen und dem neuen Anstrich über die Graffitis gehört sie nun seit 1999 aufgrund ihres Alters zu den Stars im Eisenbahnmuseum. Und nicht nur dort. Im Sortiment der Modelleisenbahnhersteller Märklin und Trix trägt die T3 eine ganz besondere Nummer: die 89.7296. auch auf einer Briefmarke „Für die Jugend“ aus dem Jahr 1975 ist sie zu sehen. Erhalten sind von den ehemals hergestellten 1.500 T 3-Loks weltweit wohl nur noch 15 Stück.

120 Euro teuer: die Tenderlok/Dampflok T3/897296 DB, 2. Wahl. Quelle: ebay

Übrigens: Am 5. April 1963, also vier Jahre vor Eröffnung des Spielplatzes in der Hindenburgstraße und sieben Jahre nachdem Bayreuths geliebte T 3 dort ankam, wurde die letzte Dampflokomotive, die zum Arsenal des Bayreuther Bahnhofs gehörte, ausrangiert. So steht es in einem Eintrag des Stadtarchivs. Fortan waren am Bahnhof nur noch Dieselloks stationiert. Im Mai 2019 hat nun auch die Lok auf dem Spielplatz in der Hindenburgstraße einen Nachfolger bekommen.

Foto: Carolin Richter

Text und Fotos: Stephan Müller


Stephan Müller

Stephan Müller (53) ist Stadtrat, Hobbyhistoriker, freiberuflicher Journalist und Autor zahlreicher Bücher zur Geschichte Bayreuths. Für das Bayreuther Tagblatt hat er sein Archiv geöffnet. Die besten Anekdoten gibt es immer wieder hier beim bt.

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