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Die Känguru-Chroniken: Eine skurrile WG – Chaos, Ärger mit Nazis und noch viel mehr

bt-Filmkritiker Alex Bauer war zusammen mit zwei Lesern des Bayreuther Tagblatts im Kino und hat den Film “Die Känguru-Chroniken” bewertet. Sein Urteil: “Der schwarze Humor macht vieles wett!” Mehr dazu gibt’s im Artikel.

Die letzte Höchstwertung gab der bt-Filmexperte für 1917. Gar nicht gut weg kam hingegen die Hochzeit.

Der Trailer zum Film “Die Känguru-Chroniken”

Das sagen Arno und Lena zum Film

bt-Kinokritiker Alex Bauer findet

bt- Filmkritiker Alex Bauer.

Zu Mark Uwe Klings Büchern rund um das kommunistische Känguru muss man wahrscheinlich nicht viel sagen. Mittlerweile übersetzt in zig Sprachen, ausverkaufte Lesungen und nun ein Kinofilm. Alles klar. Ich habe mir damals die Hörbücher gegeben – kann ich nur empfehlen – und war begeistert.

Schwarzer Humor, Gesellschaftskritik, was Kling da geschrieben hat, traf meinen Nerv. Deshalb war ich etwas skeptisch, als ich erfuhr, dass die ganze Sache nun verfilmt werden sollte. Dass der Film ein Best-of der Bücher werden könnte, war dabei nicht ausschlaggebend – ich befürchtete einfach, dass man die kurzweiligen Geschichten des ungleichen Duos in eine große Geschichte einrahmt, die eher erzwungen daherkommt.

Leider ist das der Fall. Das Känguru zieht bei Mark Uwe (gespielt von Dimitrij Schaad und nicht von Mark Uwe Kling selbst) ein, das Chaos beginnt, Ärger mit Nazis ist vorprogrammiert und ansonsten bringt das Känguru Mark Uwe ständig in irgendwelche Probleme. Das kennen Fans aus den Büchern, das macht Spaß, das ist lustig und man kann vieles feiern. Diskussionen über den richtigen Singular von Graffiti oder Spaghetti zum Beispiel, eine anschauliche Präsentation, wie weit Hunde fliegen können, die von einem Känguru getreten werden oder auch einige Zitate aus den Büchern machen genau das, was auch die Bücher geschafft haben: sie bringen einen zum lachen.

Plötzlich geht es aber auch um die Rettung des Berliner Kiez, in dem Mark Uwe, das Känguru, die beiden türkischen Brüder Friedrich-Wilhelm und Otto-von sowie Maria mit ihrem Sohn Jesus und natürlich Kneipenwirtin Herta leben. Denn Jörg Dwigs (Henry Hübchen), der nicht nur Immobilienmogul, sondern auch Chef der rechtspopulistischen Partei AzD ist, will auf dem Gelände des Görlitzer Parks seine monumentale patriotische Parteizentrale in Phallus-Form mit Skrotum bauen und der Kiez soll dem dazugehörigen Parkhaus weichen. Geht natürlich nicht. Deshalb starten Känguru und Co. das asoziale Netzwerk, um den Bau zu verhindern und Dwigs das Handwerk zu legen.

Dieser große Rahmen ist halt Mittel zum Zweck, mehr aber auch nicht. Er zündet in wenigen Momenten ganz gut, dümpelt aber zwischen den wirklich amüsanten Dialogen leider zu lange einfach nur dahin. Was auch gar nicht geht: die Hommagen an legendäre Hollywoodfilme. “Pulp Fiction” muss herhalten, “Big Lebowski” auch, eher plump in den Film eingesetzt und auch nicht wirklich witzig. Dass es eigentlich besser ginge, zeigen die Macher des Films einmal: während einer Kneipenschlägerei, in der auch Terrence Hill und Bud Spencer (natürlich Doubles) mit- und die Nazideppen aufmischen.

Mein Fazit: “Die Känguru-Chroniken” wird Fans der Bücher wie auch Känguru-Neulingen gleichermaßen oft Spaß machen. Der lieb- und einfallslose Plot trübt das Gesamtbild aber leider etwas – die gut aufgelegten Schauspieler, die Vielzahl an witzigen Charakteren, der schwarze Humor und vor allem das chaotische Känguru machen aber vieles wett.