Freizeit

Die Region von oben: Unterwegs mit Drohnen-Profi Oliver Riess

Es ist 6.30 Uhr am Morgen als Oliver Riess aus seinem Auto steigt. Es ist noch frisch an diesem Julitag, doch er ist Schlimmeres gewohnt. Die meisten seiner Tage beginnen noch früher. Aus der offenen Tür schießt Hündin Bella. Der kleine Dackel ist immer dabei, wenn Herrchen fotografieren geht. Im Gepäck hat Oliver Riess außerdem seinen Rucksack. Darin ist aber keine Spiegelreflexkamera, sondern eine Drohne. Denn Oliver Riess ist der Mann, der hinter den Luftbildern aus Bayreuth und der Region steckt. Die teilt er im Internet auf seiner Homepage Luftbilder-Deutschland.com und auf Facebook mit den Bayreuthern und der Welt. 18.000 Bilder allein aus der Region hat er bereits in seinem Archiv – Tendenz steigend.

Der Badesee in Trebgast. Foto: Oliver Riess

An diesem Tag ist Oliver Riess am Trebgaster Badesee. Bella muss im Auto warten, denn Hunde sind dort nicht erlaubt. Der Fotograf holt seine Drohne aus dem Rucksack, zusammengeklappt würde sie locker in den Tiefen einer Frauenhandtasche verschwinden, mit ausgeklappten Rotorblättern und Beinen würde es schwierig werden. Die Drohne erinnert an ein riesengroßes Killerinsekt aus einem Science-Fiction-Streifen. Und sie summt wie ein ganzer Schwarm davon, wenn Oliver Riess sie startet.

Oliver Riess‘ wichtigstes Arbeitsgerät: seine Drohne. Foto: Magdalena Dziajlo

Dies geschieht ganz einfach per Knopfdruck. Drohne einschalten, mit dem Tablet und der Fernsteuerung verbinden und schon kann es losgehen. Mit zwei kleinen Joysticks steuert Riess die Drohne, auf dem Display seines Tablets hat er alle Daten im Blick: Wie hoch fliegt die Drohne? Wie weit ist sie entfernt? Wie viel Akku ist noch übrig? Wie schnell fliegt sie?

Viele Regeln und Verbote für die Sicherheit

All diese Informationen sind sehr wichtig für den Drohnen-Flieger – in erster Linie aus Sicherheitsgründen. Der Fotograf muss sich an viele Regeln halten. Jede Drohne muss gekennzeichnet sein, sodass sie seinem Besitzer eindeutig zugeordnet werden kann. Außerdem muss das Gerät extra versichert werden.

Eine normale Privathaftpflichtversicherung deckt von einer Drohne verursachte Schäden nicht ab.

(Oliver Riess, selbstständig bei Luftbilder-Deutschland)

Zudem sind auch die Flugobjekte nicht ganz günstig. Oliver Riess hat gleich zwei, eine kleine und eine große Drohne. Mit allem drum und dran, also mit Ersatzakkus und Versicherung, hat der Fotograf 2.500 beziehungsweise 5.500 Euro ausgegeben.

bt-Redakteurin Magdalena Dziajlo durfte Oliver Riess bei der Arbeit begleiten. Die Drohne kann auch Selfies aufnehmen. Foto: Oliver Riess

Und es gibt noch mehr zu beachten: Nicht jeder darf einfach so immer und überall seine Drohne fliegen lassen, und vor allem nicht höher als 100 Meter vom Abflugstandort aus – ohne Ausnahme. Für Drohnen gilt außerdem ein Nachtflugverbot. Oliver Riess hat allerdings eine Sondergenehmigung. Da er auch gewerblich fotografiert auf Auftrag, darf er auch nachts Bilder mit seiner Drohne machen. Bahnstrecken, Autobahnen und Bundesstraßen darf der Bayreuther zügig überfliegen, ohne Gewerbe dürfte er das überhaupt nicht. Zu Menschenmassen, Gleisen, Bundesstraßen und Autobahnen muss die Drohne immer genügend Abstand haben. Hier gilt die 1:1-Abstandsregelung.

Das bedeutet: Will Oliver Riess beim Volksfest oder Bürgerfest zum Beispiel die Besuchermassen fotografieren und fliegt dafür 50 Meter hoch, darf die Drohne aus Sicherheitsgründen nicht direkt über den Menschen schweben, sondern muss auch 50 Meter weit von ihnen entfernt sein.

Fotos: Luftbilder-Deutschland/Oliver Riess
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Messerscharf und gefährlich

All diese Regeln haben ihre guten Gründe: Eine Drohne ist nicht ganz ungefährlich. Mit bis zu 70 Kilometer pro Stunde im Sportmodus düst Oliver Riess‘ Drohne durch die Luft. Ihre Rotorblätter sind scharf wie Rasierklingen. Bei 10.000 Umdrehungen pro Minute können die Propeller tiefe Schnittwunden oder gar Schlimmeres anrichten. Stürzt eine Drohne aus 100 Metern ab, kann sie zum tödlichen Geschoss werden.

Die Hersteller haben natürlich gewisse Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Aber Technik kann auch versagen.

(Oliver Riess)

So sind alle neueren Drohnen-Modelle rundum mit Sensoren ausgestattet. Taucht ein Hindernis auf, stoppt die Drohne sofort. Wird der Akku schwach, warnt das System und leitet automatisch den Rückflug der Drohne ein. Bei Regen oder zu starkem Wind kann Oliver Riess seine Drohne nicht starten, auch das sei zu gefährlich.

Sonnenaufgang bei Trebgast. Foto: Oliver Riess

Oliver Riess ist für seine Luftaufnahme so oft er kann draußen. Und das nicht nur in Bayreuth und Umgebung, sondern auch im Fichtelgebirge, in der Fränkischen Schweiz oder in der Oberpfalz. Gut 30 Minuten kann Riess mit einem Akku in der Luft bleiben. Mit fünf Ersatzakkus für die kleine Drohne und elf Akkus für die große, kann der Fotograf allerdings mehrere Stunden fliegen. Die Bilder hinterher zu bearbeiten, nimmt dann noch einmal wesentlich mehr Zeit in Anspruch. Doch die einzigartigen Aufnahmen sind jede Mühe wert.